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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-03-06 · Heft 10 (6.3.1896) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 10 (6.3.1896)
Date
1896-03-06
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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120 „Das mag er Euch selbst sagen," erwiederte Meyerl ungeduldig. „Kommt! Ein Mann, wie Reb David, wartet ungern!" - So folgte ihm denn Leib. Zu wem er so plötzlich müsse, fragte ' Miriam nicht, und das war gut für ihn, die Antwort hätte ihn in arge Verlegenheit gesetzt. : ‘7 „Wahrscheinlich." war sein erster Gedanke, während er so in Sturm und Regen hinter Meyerl dahineilte, „wahrscheinlich will er mir die Verlobung auskündigen. Ist daß ein Unglück? Ist es mi Glück?!" Daun aber besann er sich eines Besseren. „Das würde er mir nicht mündlich sagen. Und selbst wenn er jener Schändlichen glauben sollte, — das sagt kein Mann, der selbst Vater ist, einem Vater ins Gesicht! Aber was es ist, kann ich mir nicht denkeil." Und doch war es nicht überraschend, sondern entsprach gai'itz und gar dem Wesen dieses Mannes. „Reb Leib," sagte der Greis, „ich lvill Klarheit haben: wollt Ihr mir Eure Tochter znm Weibe geben, oder wollt Ihr nicht? Ich meinerseits bleibe meinem Wort treu. Warum, wißt Ihr. Erstens und vor allem, weil mir Eure Tochter gefällt. Zweitens, weil sich in den zehn Tagen seit der Verlobung nichts ereignet hat, was meinen zSinn gewandelt hätte. Auf die Reden jener elenden Schwätzerin Hab' ich nie was gegeben. Ich habe Eure Chane gekannt — sie ruhe im Frieden —, ich kenne Euch, — auf Euch ist Verlaß; so weit fällt kein Apfel vom Stamm. Um aber das Meine zu thnn, damit das häßliche Gerücht aus der Welt kommt, habe ich Eure Goje noch gestern Abend durch unseren Herrn Probst veruehinerl' lassen. Er hat nicht viel Mühe mit ihr gehabt, sie hat sofort gestanden, daß alles Lüge ist, es auch vor mehreren Zeugen beschworen. Das also ist in Ordnung." „Ich dank' Euch!" sagte Leib gertihrt. „Nichts zu danken. Ich bätt's für jedes andere Judenkind auch gethan. Mir thut der Probst einen Gefallen, weil auch ich ihm gefällig sein kann, Anderen wohl nicht. Und Eure Tochter islmeine Braut. Frägt sich nur, ob sie es auch nach Eurem Willen bleiben und mein Weib werden soll. Meyerl sagt, Ihr wäret plötzlich »ungewiß' darüber. Also — wollt Ihr oder wollt Ihr nicht?" (Schluß folgt.) Fitterarischc Mittherliurgen. Die Schriften des elften Jahrgangs im hebräischen Litteratur- Verein Mekize Nirdamim werden bis zu meiner Nücklehr nach Berlin so weit fertig gestellt sein, daß mit der Versendung derselben sofort nach dem Peßachfeste wird begonnen werden können. Es erscheinen: , ■■■*-■■* 1. Jona ibn Gannach's Wörterbuch, dritte Lieferung. 2. Jehuda ha Levi's Diwan, zweite Lieferung. 3. 2^72 rb'tä von Abraham Broda, Denkwürdigkeiten der Synagoge von Außee (zugleich viel geschichtliches Material über berühmte Zeitgenossen enthaltend). 4. Einleitung in das Machsor Bitry und Jndices zu demselben, als selbstständige Schrift. . 5. Sammelband Mt einer Anzahl geschichtlicher Piecen. Geldsendungen, wie Anmeldungen zum Beitritt können auch während meiner Abwesenheit an meine^Adresse in Berlin (Krausnickstraße 21) gerichtet'werden. San Remo, 1. März. Dr. A. Berliner. — Der Talisman oder Zwei Grabschriften. Erzählung vHn Moritz Scherbe!. Berlin, Verlag des „Israelitischen Jugendfreundes" (E. Flanter). Das Buch. äst eine hübsche Jugendschrift und leitet dse „Israelitische Jugend-Bibliothek" nach Form und Inhalt sehr umring ein. Es erzählt in fesselnder und zugleich belehrender Weise von zwei verwaisten Brüdern, die, in jüdisch frommem, gottesfürchtigem Sinne erzogen, die Grabschriften ihrer Eltern als Talisman und Richtschnur für ihr Leben nahmen und nach mancherlei Versuchungen und Gefahren, die ihnen theils in Europa, -theils in Südafrika entgegentraten, sich in 2lmsterdam ein glückliches Heim begründeten. Auch die äußere Ausstattung des Büchleins ist geschmackvoll. Wir können es aufs Beste empfehlen. Kprerhsaat. Sehr geehrter Herr! Ä^ch schlage durchaus nicht in meiner Schrift vor, „unter den Juden A aller Länder als Fonds für die Begründung des neuen Judenstaates eine Milliarde zu sammeln." Das sähe allerdings grotesk aus und könnte als eine „wohlthätige" Sammlung mißverstanden werden. Ich schlage etwas Anderes vor, nämlich die Gründung einer großen Landgesellschaft nach denr Muster der Ostindischen Kompagnie und der jungen Südafrikanischen Chartered Company Die „Milliarde" nenne ich als Gründungskapital, um nicht immer von X Gulden, Pfund Sterling oder Mark zu sprechen, und sage ausdrücklich, daß der nothwendige Betrag von Finanzmännern wird ausgerechnet werden müssen. Mit vorzüglicher Hochachtung Wien, 29. Februar. Theodor Herzl. * Verehrliche Redaktion! analog der in Ihrem geschätzten Blatte mehrfach besprochenen Sage, welche einen ähnlichen Stoff behandelt wie die „Weiber von Weinsberg", finden Sie bereits bei: A. M. Tendlau, Buch der Sagen und Legenden jüdischer Vorzeit, Stuttgart 1342. Cast'sche Buchhandlung auf Seite 54 unter der Ueberschrift „des Weibes Kleinod" die gleichartige talmudische Erzählung in poetische Form gekleidet. Frankfurt a. M., 1. März. P. S. * Geehrter Herr Redakteur! ELerrn M. Auerbach in Dresden antworte ich auf seine Anfrage im <3£r Sprechsaal der Nr. 5 Ihrer Zeitung, daß bereits im Jahre 1863 unter der Ueberschrift „die eheliche Liebe" aus Seite 184—187 der vom Institute zur Förderung der israelitischen Litteratur unter der Leitung von Philippson, Goldschmidt und Herzfeld herausgegebenen .Schrift: von Seligmann: „Talmudische Parabeln" die Parallele zu Bürgers Weibern von Weinsberg unter Angabe der Quelle Jalkut pag. 5a mitgetheilt worden ist. Wenn ich nicht irre, ist zu derselben Zeit oder gar noch früher (um das Jahr 1860) auch in dem in Hannover erscheinenden jüdischen Kalender die Erzählung von dem betreffenden Ehepaar wiedergegeben. Mein geehrter Herr Kollege Dr. Kurrein,^der im Jahre 188 5 seinen Vortrag: „Die Frau im jüdischen Volke" durch den Druck veröffentlicht hat, kann also nur die Priorität sdes Hinweises auf die berühmte That der Weiber von Weinsberg für sich in Anspruch nehmen. Hochachtungsvoll Schwetz-Weichsel, 25. Februar. Rabbiner Dr. V. Nordheimer. Ärirflmsten der Redaktion. H. S. in Ä. Die genannten Stiftungen sind nur für Studirende, die in Berlin leben, bestimmt. Dr. N. in S. Die Quelle der „Bürgschaft" bei Lonsano ist erst vor einiger Zeit in unserem Blatte nachgewiesen worden.. H. in D. Ihre Erklärung des Elia-Bechers ist bereits von anderer Seite mitgetheilt worden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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