Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1896)
- Date
- 1896-02-07
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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des Präsidenten Ritters v.Gomp erz in besonderer Weise gefeiert. —• Am 2. Februar l. I. wurde dem Professor Rudolf Benedikt die aus Anlaß seines Schriftstellerjubiläums geprägte Plaquette feierlich überreicht werden. Abends fand im „Grand Hotel" ein solennes.-Bankett, statt. Der belgische Staatsminister Le Jeune hat in einem für den Jubilar sehr schmeichelhaften Schreiben seinem Bedauern Ausdruck gegeben, zur Feier, der er im Geiste beiwohnen wird, nicht hierherkommen zu können. Unter anderen Celebritäten traten dem Komitee neuerdings bei: Professor Trutschel (Kiew), Professor Roth (Moskau), der italienische Unterrichtsminister Baecelli und Professor Hirschselder (San Francisco). — Vor einigen Tagen feierte der Budweiser Rabbiner Adam Wunder sein SOjähriges^Amtsjubiläum. Der greise Jubilar beging dies so seltene Fest in größter körperlicher und geistiger Frische. — Der Kaiser hat dem Fabriksbesitzer in Wien, Gustav Ritter v. Leon, in Anerkennung der in dem Amte als Handelsbeisitzer bei dem Handelsgerichte in Wien durch eine Reihe von Jahren geleisteten erfolgreichen Dienste, taxfrei den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Amerika. 6. H. New - York, im Januar. Das größte Ereigniß der Saison in der jüdischen Gemeinde New-Yorks ist der am 9. Dezember erösfnete Bazar, dessen Erträgniß dem Vereine zur Erziehung der russischen Einwandererjugend Educational Alliance und der jüdischen Gewerbeschule Uedrew Technical Institute zugute kommen soll. An der Spitze des Komitees steht der bekannte Philantrop Isidor Straus bei der Eröffnung hielten Ex-Mayor Hewitt und der gegenwärtige Mayor Strang Ansprachen. Die Einnahmen der ersten drei Tage beliefen sich auf 95 694 Dollars. Man rechnet auf ein Reinerträgniß von 200 000 Dollars. Der Bazar wird am 21. Dezember geschlossen. — In Philadelphia landeten im November 248 Einwanderer, darunter 38, die von dem untergegangenen holländischen Dampfer Obdam gerettet worden waren. Diese Anzahl ist die größte Zahl von im November gelandeten Einwandern mit Ausnahme des Jahres 1893. — Das jüdische Hospital in New-Orleans, Touro Infirmary, hat die Zusage einer Jahresunterstützung von 10000 Dollars aus städtischen Mitteln erhalten.— Der populäre Komponist Charles K. Harris, dessen Couplet Atter the ball is over sich in kürzester Zeit ganz Amerika eroberte, hat dem Tempel in Milwaukee einen Chanukah - Leuchter gespendet. Non Nah und Fern. --- Der Redakteur des antisemitischen „Deutschen Generalanz.", Karl Sedlatzeck, hatte sich vor der achten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten, da er einen hiesigen Kaufmann, Max Manheim, Frankfurter Allee 85, gröblich beleidigte. Dieser erstattete gegen Sedlatzeck Anzeige wegen Beleidigung. Der Angeklagte sprach sein Bedauern darüber aus, daß er den Mittheilungen seiner sonst zuverlässigen Gewährsmänner Vertrauen geschenkt habe, er räume ein, daß der Kläger sich eines guten Rufes erfreue und das Opfer einer Personenverwechselung geworden sei. Der Gerichtshof hielt mit dem Staatsanwalt die Fahrlässigkeit des Angeklagten für eine sehr grobe und ahndete sie mit 300 Mk. Geldstrafe. — An allen deutschen Universitäten sind jetzt 1460 Burschenschafter, darunter 148 Katholiken. Der mosaischen Religion gehört kein deutscher Burschenschafter an, bemerken die antisemitischen Blätter stolz in ihrer Betrachtung darüber, „wie wir's denn zuletzt so herrlich weit gebracht". — Herr Louis Jacobi in Lautenburg ist nicht, wie kürzlich gesagt wurde, seit 50, sondern erst seit 25 Jahren Stadtverordneter und seit länger als 10 Jahren Vorsitzender der Stadtverordneten-Bersammlung. Dagegen bekleidete sein verstorbener Vater dort schon vor länger als 50 Jahren das Ehrenamt als Beisitzer, Stadtverordneten-Borsteher und Stadtkämmerer. Er war der erste Jude, welcher von der preußischen Regierung als Stadtkämmerer bestätigt wurde, und bei seiner Wahl sielen unter gleicher Stimmenzahl von Juden und Christen sämmtliche christlichen Stimmen auf ihn, während die einzige Stimme gegen ihn von einem Juden abgegeben wurde. — Der König von Sachsen hat dem Pächter der königl. sächs. Domäne Guttentag. in Oberschlesien, Si egfried Hepner, unter besonderer Anerkennung von dessen landwirthschaftlicher Tüchtigkeit und der vorzüglichen Bewirthschaftung der Domäne den Titel als „Oberamtmann" verliehen. Dicht angrenzend an Guttentag hat ein anderer Herr H ep n er auch eine königl. sächsische Domäne in Pacht. Beide Herren wurden vor ungefähr 3 Jahren mit dem persönlichen Besuche des Königs von Sachsen beehrt. — Das Dresdener Landgericht verurtheilte den Restaurateur Vetter, einen antisemitischen Agitator, wegen gewerbsmäßigen . Wuchers zu fünf Monaten Gefängniß, 300 Mark Geldstrafe und ein Jahr Ehrverlust. Vetter hatte besonders Handwerker bewuchert und sich Zinsen von 40 bis 136 Prozent zahlen lassen. — Die Berufung, welche der Redakteur des „Badischen Volksboten", Faas in Heidelberg, gegen das Urtheil des Schöffengerichts zu Karlsruhe, das ihn wegen Beleidigung der jüdischen Aerzte und Anwälte zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilte, eingelegt hat, ist vom dortigen Landgericht verworfen worden. — Gegen dieselbe Zeitschrift ist neuerdings wegen Beschimpfung der israelitischen Religionsgemeinschaft die Anklage erhoben und die Nummer 2 des Blattes, welche den inkriminirten Artikel „Jüdische Sitten und Gebräuche" enthält, ist beschlagnahmt worden. — Zum Vorsitzenden für die erste Periode des Schwurgerichts am Landgericht Nürnberg wurde Oberlandesgerichtsrath Berlin daselbst bestimmt. — In Prag ist der Direktor der Anglo-Bank, Theodor Kaufmann, gestorben. Derselbe gehörte auch dem Verwaltungsrathe des israelitischen Tempels an. Bei der Beerdigung, die unter sehr zahlreicher Theilnahme am 27. v. Mts. stattfand, hielten Herr Rabbiner Dr. Kaminka und Rechtsanwalt Egon Ritter v. Schubert (als Vertreter des deutschen Turnvereins) die Grabreden. — Die Soci6te des Etudes Juives in Paris hat am 22. v. Mts. ihre Generalversammlung abgehalten. Die Einnahmen betragen 14 017 Francs, die Ausgaben 12 925 Francs. Der Rest von 1100 Francs soll zur Herstellung eines Buches über die Geschichte der Juden in Frankreich von Rabbiner Dr. Groß in Augsburg verwandt werden. Nach Schluß der Generalversammlung hielt Marcel Dieulafoy, Mitglied des Instituts, einen Vortrag über König Davids Kriegführung, vom strategischen Standpunkte aus betrachtet. — In Petersburg ist am 26. v. Mts., der Generalstabsarzt und wirklicher Geheimrath Dr. Viw otzoff im 60. Lebensjahr gestorben. Derselbe war während des russisch - türkischen Krieges Militärinspektor der gesammten Armee. Später wurde er zum dirigirenden Arzt des Militärhospitals ernannt. Viwotzoff istbiszumLebensende ein guterJude geblieben.— Der Kaufmann Peter Bekermann in Radom hat die goldene Medaille, am Bande des Stanislausordens zu tragen, mit der Inschrift: „Für emsige Arbeit" erhalten. Dieselbe Auszeichnung erhielt noch M. Herz in Petrikau, die silberne Medaille, am Bande des Annen-Ordens zu tragen, M. Landau und I. D. Mejzner in Kalisch, I. Monte in Sjerad, die silberne Medaille am Bande des Stanislausordens M. Kaufmann in Pinczow. — Wie der „Jew. Chron." mittheilt, stammte der letzter Tage verstorbene liberale Minister Child ers sowohl mütterlicherwie väterlicherseits von Sampson Gideon, dem Rothschild der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ab. Gideon wurde von der Königin Anna zum Lord Eardley erhoben und war der Freund Sir Robert Walpoles. Zugleich war er der Enkel des berühmten hebräischen Grammatikers Moses ben Gideon Abudiente von Hamburg. Die Familie war von Lissabon nach London ausgewandert. — In London (St. Paneras) ist Kapitän L. H. Jessel, der Schwiegersohn Sir Julian Goldsmids, als unionistischer Kandidat mit großer Majorität ins' Parlament gewählt worden. — Der Sekretär eines sonst völlig unbekannten Anti-Judenbundes (Anti-Jewish League) in London wurde unlängst wegen Unterschlagung verurtheilt. — Ueber das Kolonisationswerk in Argentinien erfahren wir folgende Einzelheiten: Es sind bis jetzt dort angesiedelt 1222 Familien in den Kolonien Mauricio, Clara, Mosesville und S. Antonio. 1894 hatten diese Kolonien 13801 Hektar Getreidesaat und 1240 Hektar Korn, 1895 hatten sie 14137 Hektar Getreide und 4073 andere Aussaat. Die Gesellschaft besitzt aber noch außerdem ein großes Terrain von 189 023 Hektar, auf welchem bis jetzt nur 20000 Landleute beschäftigt sind. Die Schulen der Gesellschaft blühen; die in Mauricio wurde von 110 Kindern, die in Clara von 190 Kindern besucht. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redattion: Mar Bauchwitz in Berlin.