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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-31 · Heft 5 (31.1.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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m Landesfonds schon einen schönen Anfang genommen. Pier Distriktspräsidenten haben diesem Zwecke 60 000 Kronen zur Verfügung gestellt. — Die für den 30. d. M. anberaumte Schwurgerichtsverhandlung gegen den Pfarrer Johann Fusz, der den tödtlichen Unfall eines kleinen Mädchens als Ritualmord in Wort und Schrift darstellte, wurde, nachdem der; Justizminister die Unlersuchungsakten abverlangt, vertagt. — Der israelitische : Landes-Lehrerverein betraute mit der Redigirung der aus Anlaß der i Millenniums herauszugebenden Monographie der jüdischen Schulen ' Jonas Warna und Philipp Czukasfy. — Anläßlich einer Verhandlung beim Neutraer Gerichtshof war Rabbiner Moses Katz als Sach-) verständiger citirt und sollte beeidet werden. Der Vorsitzende bestand aber j darauf, daß der Rabbiner sein Käppchen ablege. Der Rabbiner war aber dazu j nicht zu bewegen, weshalb er zu einer Geldstrafe von 20 fl. verurtheilt j wurde. Dieser Vorfall erregt peinliches Aufsehen, da diesem religiösen^ Bedenken überall Rechnung getragen wird. — Der Pfarrer in Temes-L Rekas wollte sich für ein Mandat in den Komitats-Munizipalausschuß^ erringen. Trotzdem er mit dem Kruzifix in der Hand von Haus zu ' Haus ging, um die Lehren der antisemitischen Volkspartei zu verkünden, stimmten nur Wenige für ihn. Um nun diese Schlappe zu repariren, reichte der Pfarrer einen Rekurs ein, in welchem er ansührte, daß das Votum des jüdischen Schächters null und nichtig sei, indem er nichts in eine Kategorie mit den Seelsorgern gestellt werden könne und somit auf Grund des Jntelligenzgrades keine Stimmberechtigung habe. Der Verifikationsausschuß des Komitates und auch die königliche Kurie ' bestätigten jedoch das Wahlrecht des Schächters, indem sie die Motiv irung acceptirten, daß der Schächter, der auch die Funktionen eines Kantors versieht, den Hilfsgeistlichen anderer Konfessionen gleichzustellen sei. — Dr. Andreas Forrai wurde zum Oberstuhlrichter gewählt. — Dr. Emanuel Herezl, bisher Privatdozent an der Heidelberger Universität,, habilitirte sich auch an der hiesigen Universität als Privatdozent. — Der Handelsgerichtsbeisitzer Markus Freudenberg in Szabaka wurde durch Verleihung des Titels eines königlichen Kommerzienrathes ausgezeichnet. — Die vor Kurzem verstorbene Wittwe B. Deutsch in Raab hat in ihrem Testamente 120 000 Kronen für^ wohlthätige und kulturelle Anstalten gewidmet. — Willy Deutsch, einer der besten und bekanntesten Pianisten, ist dieser Tage hier im jüdischen Spitale hier gestorben. j Italien. Padua, 18. Januar. Am 30. v. Mts wurde in Padua, dreißig Jahre nach dem Tode des gefeierten Gelehrten, ein bescheidenes: Monument auf dem Grabe Samuel David Luzzattos errichtet.^ Es ist ein Obelisk, der auf der einen Seite den Namen des Dahingeschiedenen, die Tage seiner Geburt und seines Todes trägt. David Morpurgo hatte in seinem Testament für diesen Zweck 500 Francs ausgesetzt. Den Rest hat ein Komitee, bestehend aus den Rabbinern Melli, Tedeschi und Castiglioni, gesammelt. Die Feier wurde durch eine Rede des Rabbiners Castiglioni eröffnet, der die Verdienste Luzzattos um die jüdische Litteratur schilderte und das Denkmal der Gemeinde Padua übergab. In deren Namen gab Ingenieur Saeerdoti die Versicherung ab, daß die Gemeinde es sich zur hohen Ehre anrechnen werde, das Denkmal des großen Mannes in treuer Obhut zu bewahren. Es sprachen außerdem Rabbiner Zammato aus Padua, Großrabbiner Jarö aus Ferrara und zum Schluß der Großrabbiner Lolli von Padua, der ein hebräisches Gebet rezitirte. Die ganze Feier machte einen sehr würdigen Eindruck. Amerika. 6. 8. New - York, im Januar. Die jährliche Botschaft des Präsidenten Cleveland enthält folgenden auf die Juden bezüglichen Passus: Verhandlungen sind im Zuge über die Praxis der russischen Konsuln im Gebiete der-Vereinigten Staaten, Bürger über ihre Rasse und Religion zu befragen und ihnen, wenn sie sich als Juden bekennen, die Visirung der Pässe oder anderer in Rußland nöthiger gesetzlicher Dokumente zu verweigern. Insofern als dieses Vorgehen eine Entrechtung involvirt und in Fällen einer Erbschaft zu einem Bruche der vertragsmäßigen Rechte unserer Bürger führen könnte und ndlich ein ungerechtes (obnoxious) Eingreifen in unsere territoriale' gebung ist, hat es auf unserer Seite zu entschiedenem Einspruch geführt, dessen Resultat die Ursache der Beschwerde aus dem Wege räumen wird. — Unter den Studenten der juristischen Fakultät des Columbia College gab es anläßlich der Wahl des Ausschusses eine antisemitische Bewegung, die aber erfolglos verlief. Von Nah und Fern. — Der Kaufmann Samuel Felix Eisenmann ist zum portugiesischen General-Konsul Hierselbst ernannt und in dieser neuen Eigenschaft anerkannt worden. — Zu stellvertretenden Handelsrichtern sind ernannt: der Kaufmann Josef Mayer in Berlin bei dem Landgericht I in Berlin, wieder ernannt: der Kaufmann Julius Friedemann, der Bankier Karl Kaskel in Berlin. — Wieder einmal ein antisemitisches Organ weniger! Die Zeitung „Frei-Deütschland" ist aus dem Verlage einer Gesellschaft m. b. H., die aus Parteigenossen bestand, in die Hand eines einzelnen Besitzers übergegangen, der nicht verpflichtet ist, sie im Sinne der Grundsätze und Forderungen der antisemitischen Partei fortzuführen. — Auch die antisemitische „Norddeutsche Reform" inPapenburg (Ostfriesland) ist nach nur einjährigem Bestehen eingegangen. — In Gelsenkirchen hatte am Abend des 3. September v. J^ eine von antisemitischen Agitatoren aufgestachelte Menge das Haus des israelitischen Handelsmannes Block, dessen Tochter am nächsten Tage Hochzeit halten sollte, arg verwüstet und einen beträchtlichen Schaden angerichtet. Nunmehr hat das Essener Landgericht gegen sieben der Unruhestifter verhandelt und drei wegen Landfriedensbruch zu je drei Monaten Gefängniß, dem niedrigsten Strafmaß, verurtheilt. — In Lautenburg wurde das 25jährige Jubiläum des Stadtverordneten- Borstehers Jaeoby, der schon vor 50 Jahren dort das Ehren-Amteines Beigeordneten und Stadtkämmerers bekleidete, festlich von den Behörden, der Liedertafel und zahlreichen Deputationen gefeiert. — Das Schwurgericht in Mannheim verurtheilte den evangelischen Pfarrer und Dekan Wilhelm Einwächter, einen waschechten Antisemiten von Hüssenhardt, wegen Unterschlagung von 37 000 M. Kirchengeldern zu sieben Jahren Gefüngniß.—Mit Hinterlassung bedeutender Schulden ist der bisherige Drucker des hiesigen antisemitischen Blattes „Kurpfälz. Herold", der Inhaber der sogenannien badischen Berlagsanstalt, Franz Lauer, flüchtig geworden. — In Grabow waren aus dem jüdischen Kirchhof eine Anzahl von Grabsteinen herausgerissen und zerstört worden. Als Thäter wurde der Arbeiter Stanislaus Szczegulski aus Ostrowo ermittelt, der vom dortigen Schöffengericht zu einem Jahr Gefängniß und drei Jahren Ehrverlust hierfür verurtheilt wurde. — Dem Großhändler Hermann Back in Konstantinopel wurde in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete des ungarischen Handels und der ungarischen Industrie der ungarische Adel mit dem Prädikate Suranyi verliehen. — Die jüd. Gemeinde Korfu hat einen schweren Verlust erlitten. Im Alter von 72 Jahren starb dort Marco Rie tti, Chef des gleichnamigen Bankhauses und Präsident des Komitees der „Alliance Israel.", der sich um das Kultuswesen und um das religiöse Lebender Juden der Insel sehr verdient gemacht hat. — Der Zar hat dem Staatsrath Lazar de Poljakoff in Petersburg den Großkordon des Stanislaus-Ordens verliehen. — Nach den letzten Nachrichten aus Algier hat dort die antijüdische Strömung, die von der radikalen Presse unterstützt, von der sozialistischen und kollektivistischen vertreten wird, einen großen Erfolg davongetragen, indem in der That sehr zahlreichen jüdischen Wählern, die hier allgemein gegen die Radikalen stimmen, das Wahlrecht entzogen wurde. So wurden allein in Oran 1200 jüdische Wähler gestrichen, obwohl selbst zahlreiche gediente Soldaten der französischen Armee dabei waren. Freilich steht den Betroffenen der Rekurs an den Staatsrath in Paris frei, und man zweifelt nicht, daß dort die Ziffern etwas verringert werden, damit die Sache nicht so ernst erscheine. Uebrigens kommen auch aus anderen Orten Algiers die gleichen peinlichen Nachrichten, wie aus Orau, so aus Bou-Saada w. — Aus Mogador kommt die Nachricht, daß dort die Cholera furchtbar wüthet. Besonders die Truppen des Sultans leiden sehr darunter und verbreiten die Ansteckung überall, so daß man für die Judenquartiere sehr fürchten muß, umsomehr, als sie ohnehin nicht gerade Muster von Sauberkeit sind. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.. - Verantwortlich für die Redaktion. Mar Bauchwitz m Berlin.

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