Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1896)
- Date
- 1896-01-17
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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durch eine echt künstlerische und mehrere hundert Unterschriften enthaltende Adresse zu dieser Feier beglückwünscht; ebenso kamen dem Gelehrten von vielen Seiten werthvolle Geburtstagsgeschenke zu. — Der Polizeikommissar Moriz S tu kurt wurde vom Sultan durch Verleihung des Offizierskreuzes des Medjidie-Ordens ausgezeichnet. Großbritannien. — London, 12. Januar. Das Hinscheiden Sir Julian Goldsmid's, das wir bereits gemeldet, hat eine tiefe Lücke im englischjüdischen Gemeindeleben gerissen. Der Verstorbene, schon in der dritten Generation Baronet, war am 2. Oktober 1838 zu London geboren. Er war der einzige Sohn von Fr. D. Goldsmid. Die Familie ist eine altenglische, deren Stammbaum bis auf 1593 zurückzuführdn ist. Julian Goldsmid besuchte die Universität Oxford. Dann trat er ins öffentliche Leben ein. Im Jahre 1868 heirathete er Virginie Philipson in Florenz; aus dieser Ehe stammen acht Töchter. Eine Schwester Goldsmid's ist die Gattin Frederik Moccatta's. Seit dem Jahre 1870 gehörte Sir Julian dem englischen Parlament an, wo er oft und entschieden für die Juden in Rumänien u. a. O. das Wort ergriffen hat. Besonders wichtig war aber seine Thätigkeit in der Anglo Jewish- Association, deren Präsident er seit 1886 war und in der er mit unermüdlichem Eifer für die Rechte seiner Glaubensbrüder gewirkt hat. Ebenso eisrig war er im russisch-jüdischen Komitee und im Vorstande der West-Synagoge, die in London das reformistische Element vertritt. Besonders hervorzuheben ist die außerordentliche Wohlthätigkeit, die Sir Julian gegen alle Armen, nicht nur in England, geübt und die in ihrer Art geradezu imposant war. So ist es denn erklärlich, daß der Tod dieses „Edlen in Israel" von Allen gleich betrauert wird. Aber sein Andenken wird fortleben und uns noch lange zum Segen gereichen. Amerika. 6. II. New-Uork, im Dezember. Das in San Francisco erscheinende Blatt „The Jewish Progreß" vom 22. November enthält folgende Notiz: Es ereignet sich sehr selten, daß ein Rabbiner seinen Beruf aufgiebt, um sich einem andern Geschäfte zu widmen, aber wir erfahren, daß Rabbi Jsaac Rubenstein, der die letzte Zeit Barbier war, wieder einen Ruf erhalten hat und jetzt als Geistlicher der ansehnlichen Gemeinde in Brunswick, Georgia, sungirt. — In San Francisco erscheint ein neues Batt unter dem Titel „Emanuel", herausgegebeu von dem dortigen Rabbiner Jacob Voorsanger. Es ist das vierte jüdische Wochenblatt, welches in der Metropole der pacifischen Küste erscheint. Auch in Atlanta, Georgia, erscheint seit 22. November eine Zeitung unter dem Titel „The Jewish Tribüne". Nach ziemlich genauer Schätzung erscheinen in den Vereinigten Staaten 26 Wochenschriften und zwei Monatsschriften („The Menorah Monthly" und „The American Jeweß") in englischer, je eine Wochenschrift in deutscher und hebräischer Sprache („Deborah" und „Haibri") und etwa ein Dutzend , Jargonblätter. — Ex-Rektor Ahlwardt, der am 5. d. in New-Iork gelandet ist, um, wie er behauptete, auf Einladung der Deutschen in Milwaukee Vorträge zu halten, ist ziemlich kühl von der Presse behandelt worden. Am meisten Reklame haben, wie die New-Porker Staatszeitung behauptet, die Juden für ihn gemacht. Der Cincinnatier Distriktsverein der deutschen evangelisch-protestantischen Prediger von Nordamerika hat gegen Ahlwardt's Agitation einen Protest erlassen und einen Ausschuß mit der Ausarbeitung einer diesbezüglichen Denkschrift beauftragt. Uebrigens glaubt Niemand, daß Ahlwardt von irgend einer deutsch-amerikanischen Körperschaft eingeladen wurde. Er wußte den Reportern Niemanden zu nennen und wurde auch von Niemandem bei der Landung empfangen. Bis jetzt hat man nur von ihm erfahren, daß er das amerikanische Bier gut, aber viel zu theuer finde. — Die Ge-, meinde Adath Israel in Boston hält seit dem 24. November Gottesdienst am Sonntag Abend. Außer dem Rabbiner der Gemeinde, Charles Fleischer, werden auswärtige Gäste bei diesem Gottesdienste predigen.— Rabbiner Dr. Groß mann in Detroit ist von der Uaiversity of Michigan eingeladen worden, eine Anzahl von Vorlesungen über Sociologie zu Hallen. — Der Methodisten-Bischof Joseph F. Key hielt am- Danksagungstage, 28. November, in Houston, Texas, eine Predigt, in: welcher er von den Aussichten der Judenmission sprach, worin folgendes Worte Vorkommen: „Die Juden sind ein sittliches Volk. Ein jüdischer Polygamist ist mir unbekannt. Sie sind ihren Weibern und Kindern mit Zärtlichkeit ergeben. Es giebt keine besseren Nachbarn und keine opferwilligeren Freunde als Juden." Kon Nah und Fern. Herr Geh. Rath Professor Lazarus ist von der Akademie der Wissenschaften in Petersburg zum korrespondirenden Mitglied«: ernannt worden. — Frau Louise Weißstein in Glogau hat dem Vorstand der Gemeinde 30 000 Mark zur freien Verfügung überreicht. Der verstorbene Gatte der Frau Weißstein hat bei seinen Lebzeiten und sodann durch letztwillige Verfügung beträchtliche Summen der dortigen Gemeinde geschenkt, wie überhaupt als Vorsteher um Aufbau und Schmuck des prächtigen Gotteshauses sich große Verdienste erworben. Die Stiftung der Frau Weißstein soll zum Jnstandhalten des Tempels und für gottesdienstliche Zwecke verwendet werden. — In Oels wurde der Alterspräsident der Stadtverordnetenversammlung, Mendelssohn, in der ersten Sitzung d. I. besonders gefeiert, da er gerade vor 30 Jahren in dieselbe eingeführt worden war.— In der Synagoge zu St. Ingbert in derPfalz brach ein Feuer aus, welches das Innere vollständig zerstörte. Sämmtliche Thorarollen sind verbrannt. — Aus Anlaß der Feierliä)keiten bei Einweihung der Neubauten der Technischen Hochschule zu Darmstadt hat der bewährte Gönner der Hochschule, Herr Rentner Ludwig Joseph Pfungst zu Worms, die von ihm auf 1000 Mk. normirte Jahresschenkung zu Stipendien für Studirende für das Studienjahr 1895 bis 1896 auf den Betrag von 2000 Mark erhöht und damit einer An" zahl Studirenden eine wesentliche Beihilfe gewährt. Für das Studienjahr 1896/97 hat Herr Pfungst wieder die Summe von 1000 M. zu Studienbeihilfen bereit gestellt. — Madame Calmann-Levy, die Wittwe des berühmten Verlegers, hat die gesammte Bibliothek Renans angekauft, um sie dem französischen Staat zu schenken. — In Paris sind ernannt worden zu Kommandeuren der Ehrenlegion außer dem bereits schon erwähnten Professor M. Loevy noch A. PH. d'Ennery, der bekannte Dramatiker, und Oberst Marx, Direktor der Artillerieschule in Epinal, zu Offizieren der Ehrenlegion: Dr. Strauß, ehmaliger Präfekt, P. Worms de R omilly, Chefingenieur im Geniekorps, G. S. Lövy, Büreauchef im Marineministerium, und Heymann, Bataillonschef im 2. Infanterieregiment, zu Rittern der Ehrenlegion: A. Bernheim, Regierungskommissar der subventionirten Theater, L. Lövy, Professor, G. Mossä, Unterpräsekt in Valeneiennes, G. Weill, Büreauchef der Generaldirektion der Domänen, Bloch, Ingenieur, Aron, Hauptmann in der Artillerie, Cers, Batterieführer der Artillerie. Von Auswärtigen haben das Offizierkrenz der Ehrenlegion erhalten: Der Maler Max Liebermann in Berlin und der Senator G. Ascoli in Florenz Außerdem haben E. Kahn, Adjutant und I. Beth, Feldwebel im 13. Infanterieregiment, die Tapserkeitsmedaille für Madagaskar erhalten. — Mr. Joseph Sebag Montefiore, der Neffe des unvergeßlichen Moses Montefiore, nicht Sir Francis Montefiore, ist zum italienischen Generalkonsul in London ernannt worden. — Auf dem von Libau mit jüdischen Auswanderern in Hüll angelangten Dampfer „Hermann" erstickten sechs Personen, welche ohne Fahrschein die Fahrt nach England unternahmen. — Am 19. Januar sind es 25 Jahre, seit Hofrath Dr. Dembo in Petersburg sich als Arzt in den Dienst der leidenden Menschheit gestellt hat. Seine russischen Freunde haben jedoch beschlossen, den Tag als Jubiläumstag festlich zu begehen, an welchem er vor fünf Jahren zuerst die Ueberlegenheit der jüdischen Schächtmethode, deren Vertheidigüng seitdem seine Lebensaufgabe bildet, auf dem russischen Kongreß der Thierschutzvereine dargethan hat. Den zahlreichen Ovationen, die ihm zu diesem Tage, dem 8. Februar, seitens seiner Freunde dargebracht werden, wird sicherlich die gesammte Judenheit sich anschließen. — In den Telegrammen aus Traysvaal spielen natürlich auch die dortigen Juden eine Rolle — und zwar auf beiden Seiten. Ein Mr. Albu gehört zu den Protektoren der Uitländer und des Präsidenten Krüger, und Mr. Lionel Phillips vertritt die Rechte der englischen Banken in Johannesburg. Druck und Verlaa von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.