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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-10 · Heft 2 (10.1.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Berlin, 10. Januar 1896. 60. Jahrgang. Nr. 2. I Begründet von - Rabbiner D* Eubuna Vkilivojon-Bonn T* J YYl ' Verlags-CrpeLition: ßeritit, Jerufalemerflr. 48/49 Alle Zuwendungen fftr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SV/., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. Inhalt. Leitartikel: Ter Verband der jüdischen Lehrcrvereine im Deutschen Reiche. — Die Woche. — Aus Ostvreußen. Von Moritz Scherbel.,—Zur Frage der Bernfserziehnna. Von Konsul A. M. Simon. — Die Juden in Konstantinovel. Von Pros. Dr. Ludwig Stein. II. — Von den Samaritanern. Von Dr. B. Königsberger. — Femlletorrr Josef der Träumer. Erzählung von I. Zangwill. — Leib Weibnachtskuchen und sein Kind. Novelle von Karl Emil Franzos. — Sprechsaal. y. Der Gemeindebote. Korrespondenzen nnd Nachrichten: Berlin. Aus der Provinz Posen. Ostrowo, Lissa. Erkürt. Weißenfels. Chemnitz, Aus Westfalen. Brakel.. Bonn, München. Wien. London. New-Pork. — Bon Nah nnd Fern. — Miscellen. Der Derband der jüdischen Lehrernereine im Deutschen Reiche. Berlin. 8. Januar. fas Stiefkind unter afleit Beamtenkategorien des Deutschen Reiches ist unstreitig der Volksschullehrer; hier hat die Gesetzgebung vieler Bnndesstaaten große Unterlassungssünden auszuweisen. die sich in der Folge Zeiten noch einmal bitter rächen können. lind doch, — kaum glanblich kliugt's — fließt es im lieben deutschen Vaterlande einen Stand, der aus jene dom Staate augestellten Lehrer mit stillem Neide blickt und sein Loos gern mit dem jener vertauschen möchte — es ist dieses die jüdische Lehrerschaft. In einem trefflichen Artikel: „Die Aufgaben des zn begründenden deutsch-israelitischen Lehrerverbandes", von Lehrer Steinhardt-Magdeburg wllrde schon vor Monaten ans die ganze Misere des jüdischen Lehrerstandes hingelviesen, die sich ungefähr in. folgende Punkte zusammenfassen läßt: Völlig nngenügeiide'Besoldnng, Anstellung auf Kündigung nnd somit willenloses Spielzeug in den Händen der Vorgesetzten, keine Pensionsberechtigung, keine Versorgung Hinterbliebener und eine oft unwürdige Konkurrenz seitens nicht . genügend vorgebildeter Elemente. Es ist daher begreiflich, wenn innerhalb der jüdischen Lehrerschaft der Ruf nach Befreiung ans solch unwürdigen Verhältnissen immer lauter erscholl, wenn endlich zur Erreichung dieses Zweckes der obenerwähnte Verband, der alle jüdischen Lehrervereine Deutschlands umfassen soll, ins Leben trat. „Nur vereinte Kräfte führen zum Ziel". Schon einmal, vor etwa einem Vierteljahrhundert, hatte ein Altmeister der jüdischen Lehrerschaft, der selige Klingenstein in Oberingelheim, der Schöpfer der Achawa, die Gründung eines israelitischen Lehrervereins, der sich über Alldentschland erstrecken sollte, versucht, — damals mit Mißerfolg. Die ganze Basis Wardeine zu unsichere. Nach mehr als 25 Jahren ist nunmehr, Dank der energischen und zielbewußten Mithilfe des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes, der lang ersehnte Wunsch der jüdischen Lehrer Deutschlands in Erfüllung gegangen. Fast sämmtliche jüdische Lehrervereine hatten Delegirte zn diesem Verbandstage entsendet, und wer diese Herren in der zweitägigen Redeschlacht zu hören Gelegenheit hatte, der mußte wahrlich zu der Ueberzeugung kommen, daß der jüdische Lehrerstand ein besseres Schicksal verdiene und es sich auch wohl sicher erkänipfen werde. Die Versammlung war eine ausschließlich konstituirende; galt es doch lediglich, den vom Gemeiudebnnd den Delegirten unterbreiteten Statutenentwurs zu berathen, und nur iu großen, allgemeinen Zügen konnte die geplante zukünftige Thätigkeit des Verbandes gekennzeichnet werden. Gar Heftig platzten oft die Gegensätze aufeinander, besonders da es sich um die Stellungnahme denjenigen Vereinen gegenüber handelte, deren Mitglieder sich vielfach aus nicht beruflich vorgebildeten Kultnsbeamten rekrntiren, denen die Gemeinden den jüdischen Religionsunterricht übertragen haben. Diese Frage, an welcher das ganze Werk zu scheitern drohte, wurde schließlich durch einen ehrenvollen Ausgleich gelöst. Der Verband soll das weitere Eindringen nicht genügend vorgebildeter Kräfte in den Religionslehrerstand verhindern, er muß aber gleichwohl auch die Fürsorge für die nicht staatlich geprüften Lehrer in den Kreis seiner Aufgaben ziehen. Läßt es sich doch nicht in Abrede stellen, daß auch unter den! Religionslehrern, die keine staatliche Prüfung bestanden haben, sehr tüchtige, gewissenhafte und pädagogisch-geschulte Männer sind. Andererseits ist es freilich nothwendig, ans eine gewisse Uniformität im Lehrerstande gerade nach dieser Richtung hin zu arbeiten, da sie doch wohl die sicherste Gewähr für eine ausreichende Vorbildung bietet. Eine besondere Bedeutung dürfte das Werk des neuen Lehrerbnndes für die Besserung der materiellen Lage unserer Lehrer haben. Rechtsschutz nach Innen wie nach Außen — darauf müssen alle unsere Gemeindebeamten hinarbeiten, und zwar nicht blos auf juristischen, sondern vor Allem auf moralischen Rechtsschutz, der ihre Stellung im Gemeindeleben zu einer dem Berufe allein entsprechenden Höhe erhebt und.auf dieser dauernd erhält. Erfreulich war es auch, daß der von der südwestdeutschen Orthodoxie sich allerdings nur schüchtern hervorwagende Versuch, Mißtrauen und Zwietracht zwischen Gemeindebund nnd Lehrerwelt zu erregen, energisch zurückgewiesen wurde. Das Einignngswerk ist vollzogen; die jüdische Lehrerschaft Deutschlands steht nunmehr als ein geschlossenes Ganze da. Nicht alle Wünsche und Hoffnungen, die bei seinem Enstehen laut wurden, werden sich alsbald erfüllen, allein sicher werden die Männer, denen man vertrauensvoll die Leitung des Verbandes in die Hände gelegt hat, alle Kräfte aufbieten, um das Los der jüdischen Lehrerschaft zn einem würdigen zn gestalten, zum Heile der Schule, zum Wohle des Judenthums!

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