Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1882)
- Date
- 1882-12-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. - Diese Zeitung erscheint wöchentlich. : Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem ■ durch den Buchhandel. .Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsoll in Bonn. Grepeöitiorr: Leipzig, Woßpkah 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Phrlippson in Bonn direct, 'in allenübrigen an die Berlagshandlnng. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls'-an letztere einzusenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 26. December 1882. Ko. 53. Jahalt. Leiten-e Artikel: Zum Schluffe des Jahres 1882. — Die Auswanderung der russischen Juden. III. — Literarischer Wochenbericht. -- Zettungsuachrichten: Deutschland: Berlin, Rostock, Herford, Stuttgart. --7- Oesterreich-Ungarn: Pest, Rzeszow. — Großbritannien: London.—Italien: Rom. — Rußland: Petersburg, Odessa. — Palästina: Jerusalem. — Asien: Teheran. — Feuilleton: Erinnerungeir an vr. Morgenstern. — Eine Antwort von Herrn Graf in-Essen. Mit dem 1. Januar 1883 beginnt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren 47. Jahrgang'. Wir ersuchen uw baldigste Bestellung bei den Postämtern oder Buchhandlungen, damit die Zusendung des Blattes nicht unterbrochen werde. Kaumgkirtner's Buchhandlung in Leipzig. Äei-fe'VwJe €Viti&eC. Bonn, 20. December. Zum Schluffe des Jahres 1888. In der vielbewegten Zeit, .in welcher wir' leben, in der Ereignisse auf Ereignisse, Kämpfe, auf Kämpfe, Fragen auf Fragen sich drängen, und die Stimmungen' in der ^öffentlichen Meinung sich , schnell verändern, bedeutet ein Jahr, so schnell es auch vergeht, einen nicht unbedeutenden Zeitraum. Wir mögen wohlam Ende desselben einen Rückblick werfen, der uns Mer .den Gang der Dinge und Verhältnisse einigen Aufschluß giebt.-^- Das Jahr, begann 'unter deni niederbeugenden Eindruck der Hetzen in Warschau und der aufs Aeußerste getriebenen antisemitischen Wühlerei bei Gelegenheit der Wahlen zum deutschen Reichstage. Dennoch erweckten beide Ereignisse eine gewisse Hoffnung auf Besserung. Die antisemitische Agitation hatte sich bei den Wahlen, obschon sie von Seiten dev Conservativen mit aller Kraft befördert worden, als völlig erfolglos erwiesen: in Berlin selbst waren die antisemitischcönservativen Candidaten fämmtlich durchgefallen, und kaum zwei Abgeordnete waren im ganzen Deutschem Reiche aus den Namen des Antisemitismus gewählt worhem Die Vorgänge in Warschau waren so schreiend, daß ein Staat/ der solche noch länget dulden mochte/sich selbst für banterntt) für der Auflösung völlig heimgegeben erklärt hätte. Diese Hoffnungen sind denn auch in Erfüllung gegangen. ' In Deutschland hat die antisemitische Bewegunggrößtentheils aufgehört. Es versteht sich von selbst, daß hiermit die Antisemiten nicht aufgehört haben, daß diese immer noch Versuche zur Wiederbelebung ihrer, eine Zeitlang. für sie fruchtbaren Agitation machen und machen 'werden, wie sie denn einen immerhin kläglich ausgefallenen internationalen Congreß in Dresden, abgehalten haben / nicht/ minder dürfen wir uns nicht verhehlen, daß die soziale Mißstimmung, welche die antisemitische Hetzerei gegen die Juden hervorzubringen gewußt hat, noch lange nachklingen wird, bevor sie. , sich wieder ganz ausgleichen-konnte. Dahingegen ist doch die 'Hochfluth der antisemitischen Literatur, der Broschüren/ Flugblätter und Plakate gänzlich verlaufen;' ebenso haben - die antisemitischen Volksversammlungen * und Reden ihr Ende genommen- .und wo dies .nicht der Fall ist,' haben sie .den Reizfür das Volk verloren und die öffentliche Presse nimmt keine Notiz mehr "von ihnen.. So hat' denn auch z. B: bei den jüngsten Wahlen zum preüßifchen Landtage der Antisemitismus gar keine Rolle mehr gespielt. Ueberhaupt zeigt" es sich bei allen Wahlen von Vertretern in'den verschiedenen Staaten und bei städtischen Wahlen, daß der ganze antisemitische Schwindel in den Wählern das Vertrauen auf diejenigen'jüdischen Männer, die es früher besaßen, nicht -vermindert hat und den, rechtmäßigen"Einfluß, den jüdische