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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-12 · Heft 50 (12.12.1882) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 50 (12.12.1882)
Date
1882-12-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Äudcnthums. Ein unparteiisches Organ fiir alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippen in Bonn. GXpeöitron: Leipzig, Woßpkcrh 18. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 12. December 1882. JVo. 50. InKalt. Leitende Artikel: Gegen Eduard von Hartmann. — Aus dem Ungarischen Abgeordnetenhause. I. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aachen, Bamberg. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Czernowiß. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Ein Abenteuer in Rußland. — Vermischtes. — Nachtrag. Mit dem 1. Januar 1883 beginnt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren 47. Jahrgang. Wir ersuchen um baldigste Bestellung bei den Postämtern oder Buchhandlungen, damit die Zusendung des Blattes nicht unterbrochen werde. Zaumgärtner's Duchhandlung in Leipzig. Zcii'a'i'xDe d-zl'ific€. Bonn, 6. December. Gegen Eduard von Hartmann. Eduard von Hartmann hat in den jüngst verflossenen Monaten (Berlin, Carl Dnncker, 1882) wieder zwei Schriften veröffentlicht, eine an Umfang stärkere (627 S.): „Das religiöse Bewußtsein der Menschheit im Stufengang seiner Entwickelung", und eine schwächere (328 S.): „Die Religion des Geistes". Wir wollen uns zuvörderst mit der ersteren beschäftigen, soweit sie uns heute besonders interessirt. Seit Herder hat die Philosophie der Geschichte einen weiten Weg zurückgelegt, namentlich die Philosophie der Religionsgeschichte. Nur scheint uns dieser Weg über eine Höhe gegangen zu sein, vor; welcher der Abstieg bereits angetreten ist. Je bedeutender die religionsgeschichtliche Wissenschaft sich in den letzten Jahrzehnten ausgedehnt und vertieft hat, desto schneller folgte ihr die religionsgeschichtliche Philosophie und versuchte aus den Ergebnissen jener, mögen diese auch noch in Halbdunkel schweben, ihre Systeme zu bilden und diese für die bewußten Jdeenkreise der vergangenen Geschlechter auszugeben. Es ergeht eben der Religionswissenschaft, wie es der Naturwissenschaft in der „Naturphilosophie" erging. Man kennt ja diese Art Shstematisirung. Aus dem vorhandenen Material wird der Spiritus gezogen, auf Flaschen und Fläschchen gefüllt, und mit Etiketten versehen, worauf sie in die wohlabgetheilten Schubfächer des Regals Hineinpassen,' Die Etiketten bilden dabei eine Hauptsache. Denn, je hochkliugender und unverständlich^: sie an sich und der Mehrheit der Leser sind, destomehr imLoniren sie und bürgen für den tiefen Gehalt. Oft genug verdecken sie nur die inneren Schwächen und daß der Autor weder mit eigentlicher Sach- und Quellenkenntniß, noch anders gearbeitet hat, als indem er sich an äußerliche Erscheinungen und an Voraussetzungen noch zweifelhafter Hypothesen gehalten. In einem anderen Lichte erscheint uns auch die religionsgeschichtlich-philosophische Schrift Eduard von Hartmann's nicht. Auch hier spielt das Etikettenwesen die Hauptrolle; es wird uns „der naturalistische, ästhetische, utilitarische, tragischethische Henotheismus, der naturalistische Monismus, der Seminaturalismus, der absolute Illusionismus, der primitive Monotheismus, die Heteronomie, die realistische Erlösungsreligion" nach einander vorgeführt, und jede dieser Etiketten auf das wohlbemeffene Fläschchen einer bestimmten Religion geklebt. Man kann sich denken, daß hier alles, was einst lebendig in den Herzen der Menschen pulsirte, was sie ihre Knie beugen und ihre Hände zum Himmel erheben ließ, was sie mit zitternden Lippen stammelten, oder in lautem Schmerzensrnfe hören ließen, oder im Jubelruf des Glückes emporjauchzten, 50

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