Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-21 · Heft 47 (21.11.1882) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 47 (21.11.1882)
Date
1882-11-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227441--40356-3257990
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

'Allgemeine -es Judenthums. Ein im-arteiWes Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. GspediLron: Leipzig, WoßptcrH 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 21. November 1882. No. 47. Inhalt. Leitende Artikel: Zu Baruch Spinoza's 250sten Geburtstage. S3on.Dr.phil. Hugo Ginsberg. — Petersburger Briefe. XVI. — Die Auswanderung der russischen Juden. I. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Dresden, Mainz, Koblenz, Darmstadt, Aus Gr. Hessen, Aus Süddeutschland, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Preßburg, Nyiregyähza. — Frankreich: Oran. — Amerika: Cincinnati. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Korrespondenz. — Vermischtes. Zeitevidc , Bonn, 15. November. 3tt Saruch Spinoza's 250 jien Geburtstage. Von Dr. phil. Hugo Ginsberg. Der 24. November d. I. ist der Geburtstag eines Mannes, der vor 250 Jahren inmitten der jüdisch-portugiesischen Gemeinde zu Amsterdam geboren, als Schüler der Talmudlehranstalt schon früh wegen seines Fleißes und seiner Begabung die Aufmerksamkeit seiner Lehrer und Mitschüler auf sich lenkte', bald aber auch erkennen ließ, daß seine Geistesrichtung über den Gedankenkreis einer derartigen Lehranstalt hinausstreben und sich heimisch zu machen bemüht sei auf allen Gebieten der Zeitwissenschaft der anderen Kulturvölker. In den Kreis des Zeitwissens gehörte auch die Zeitphilosophie wie sie eben erst durch die Werke des Cartesius neue Anregung und neue Bahnen erhalten hatte. Der Zögling der Talmudlehranstalt brachte zu diesen Studien eine , genaue Bekanntschaft mit der Religionsphilosophie des jüdischen Mittelalters mit. Den Geist, welchen die großen Lehrer des jüdischen Mittelalters ihren Erörterungen ausgeprägt hatten, wissen wir nicht treffender zu charakterrsiren als durch die Bemerkung Or. M. Joel's, diese Männer seien aus Religionsphilosophen unversehens Philosophen geworden. Sie zogen eben alle philosophischen Probleme, welche den seiner natürlichen Entwickelung überlassenen Menschengeist bewegten, in den Kreis ihrer Erörterung. Wer wie Spinoza diese Erörterungen gründlich kannte, der brachte nicht bloß Interesse für die Philosophie, sondern eine gereifte philosophische Anschauung zum Studium der Zeitphilosophie mit, konnte sich aber als er sich ganz dem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften neben der Beschäftigung mit den altklassischen Sprachen und ihrer Literatur zuwandte, nicht willkürlich des Gedankeninhaltes entledigen, den er als Zögling der Talmudlehranstalt mit Ernst und Fleiß sich erworben hatte. Als der Bannstrahl des Rabbinerkollegiums ihn von der Gemeinschaft seiner Glaubensgenossen ausschloß, da mochte er wohl augenblicklich glauben, mit dem Gedankenkreise ab- 'schließen zu können, welchen er aus seiner Jugendbildung geschöpft hatte, ohne sich klar bewußt zu sein, daß seine wissenschaftliche Bedeutung für die geistige Bewegung seines Zeitalters darauf beruhe, die Grundanschauungen jenes in gewissem Sinne fremdartigen Gedankenkreises der wissenschaftlichen Welt zu vermitteln. Spinoza ist nicht nur als 'Bibelkritiker, sondern als Begründer einer eigenthümlichen Weltanschauung bahnbrechend geworden, wenn auch erst unser Jahrhundert durch die Fortschritte der Wissenschaften berufen war, die Entwickelung des geistigen Lebens von dem Gedankenbau Spinoza's aus weiter zu führen. In seiner Bibelkritik ließ sich noch jene Er- und Verbitterung erkennen, welche das Vorgehen des Rabbinerkollegiums in ihm hervorgerufen hatte. Seine theologisch - politische Abhandlung zeugt von der gründlichen Beschäftigung mit der rabbinisch-theologischen Literatur, aber auch von Befangenheit dem echten Geiste und den Institutionen des Judenthums gegenüber; sie beweist aber auch, daß der Bann- 47

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.