Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1882)
- Date
- 1882-11-14
- Page
- Seite 758 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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tationen des hiesigen Magistrats, der Stadtverordneten, des Frauenvereins und der Litteraria brachten im Laufe des Vormittags ihre , besten Glückwünsche dar, aber auch viele andere Bekannte und Freunde des Herrn Rath übermittelten theils Persönlich, theils Per Brief und Telegraph ihre Gratulationen. — Der „Frank. Kur." schreibt aus Nürnberg, 3. Nov.: In Fürth verstarb gestern den 2. November der Fabrikbesitzer Dr. Morgenstern, (Israelit.) Mit ihm scheidet wieder einer der alten achtunvierziger Kämpfer aus dem Leben. Dr. Morgenstern wurde noch als Rechtsconcipient im Jahre 1848 in den Landtag gewählt und gehörte demselben bis zum Jahre 1855 an. Seine politische Stellung als Mitglied der damaligen Linken im Landtag sollte ihn aus der juristischen Laufbahn drängen. Der damalige Ministerpäsident von der Pfordten erklärte ihm eines Tages rundweg, daß er nie darauf hoffen dürfe, zur Advokatur zugelassen zu werden. Dr. Morgenstern trat' zunächst als Kassier in das hiesige Bankhaus Mayer Kohn ein und errichtete später eine eigene Fabrik zu Forchheim. Als das politische Leben in Deutschland wieder einen neuen Aufschwung nahm und der Nationalverein im Jahre 1859 ge-l gründet wurde, trat Dr. Morgenstern bald auch diesem bei; er war ebenso in den ersten Jahren des Bestandes ein eifriges Mitglied der bayerischen Fortschrittspartei und saß in deren Landesausschuß. Mit der Führerschaft Preußens aber hat er sich nie befreunden können, und Dieß sollte , ihn, als diese Führerschaft von der Idee in die Wirklichkeit überzugehen. begann, mit dem Jahr 1866 vollständig von seinen alten politischen Freunden trennen. Die Abneigung gegen Preußen theilte er mit seinem Freunde Kolb üoii Speyer. Die Ereignisse des Jahres 1866 forderten eine entschiedene politische Stellungnahme bezüglich der Neugestaltung Deutschlands. Während nun die große Mehrzahl seiner bisherigen politischen Gesinnungsgenossen, wie sich später ja als richtig erwies, ein deutsches Reich mit Preußen an der Spitze als den allein möglichen politischen Weg erachtete, trat Dr. Morgenstern grollend bei Seite. Er schied aus der Fortschrittspartei und .war einer der Führer der Volkspartei in Fürth. War nun Dr. Morgenstern so in einer Reihe von Jahren auch von Denen getrennt, welche die Fahne der Deutschen Fortschrittspartei stets hochgehalten haben, so gedenken wir doch seiner als eines hochachtbaren ehrenhaften Charakters. Wir | wollen nicht vergessen, daß er wiederholt im bäyer. Landtage mannhaft für seine Glaubensgenossen eingetreten ist. A e u i l t e t o n. Sie Rebecca im „Ävanhoe". In einem frühern Jahrgang theilten wir schon mit, daß Walter Scott seine Rebecca im „Jvanhoe" einer amerikanischen Jüdin entlehnt habe. Ein Aufsatz in Nr. 52 der „Deutschen Roman-Zeitung" (Otto Janke, Berlin, 1882) bringt Ausführliches hierüber, und wir entlehnen ihm folgende Stellen: Es dürfte kaum allgemein bekannt sein, daß die Ehre, zu der Gestalt und dem Charakter der Heldin des vielgelesenen Romans „Jvanhoe" das Vorbild geliefert zu haben, einer amerikanischen Dame gebührt, deren Schönheit und edle Charaktereigenschaften Scott von einem Freunde rühmen hörte. Dieser Freund war Washington Irving und jene Dame Rebecca Gratz aus einer angesehenen jüdischen Familie Philadelphias. Michael Gratz, Rebecca's Vater, war aus Steiermark in Oesterreich gebürtig. Nachdem er se.in Erbtheil von seinem Vater ausgezahlt erhalten, wanderte er, noch als ganz junger Mensch, 1750 nach Amerika aus, wo er das Geschäft eines Warenlieferanten für die Jndianerhändler betrieb und bald zu bedeutendem Vermögen gelangte. 1769 verheirathete er sich mit Miß Miriam Symons aus Lancaster in Pennsylvanien. Am Schluffe des Unabhängigkeitskrieges zog er sich von dem merkantilischen Leben zurück und widmete sich der Verwaltung seines ausgedehnten Grundbesitzes. Das Gratz'sche Haus in Philadelphia war weit und'-breit als eine Stätte edler und .glänzender Gastfreundschaft bekannt. Talentvolle und distinguirte Gäste — berühmte Staatsmänner und hervorragende Fremde, welche eigene Wahl oder Zufall dorthinführten — fanden daselbst eine hochgeschätzte gastliche Aufnahme. Um das Jahr 1811 starben Rebecca's Eltern und ließen eine Familie von elf Kindern zurück, von denen mehrere später wichtige öffentliche Aemter bekleideten, während andere sich^ zu Handelsfürsten ihrer Zeit aufschwangen. Simon, der älteste Sohn, war der Gründer der Pennsylvania-Akademie der Schönen Künste und zeichnete sich durch seltene Intelligenz, wohlthätigen Sinn und männliche Schönheit aus. Sein Bruder Hyman, eine elegante Erscheinung, war Präsident der pennsylvanischen Assekuranzcompagnie. Rebecca war am 4. März 1781 geboren und in ihrer Jugend und bis über die mittleren Jahre hinaus von seltener Schönheit. Sie hatte schön geschnittene, große, schwarze, mildleuchtende Augen, ein feines, edles Profil, eine Gestalt, in der sich Anmuth und Würde paarten — Reize, welche durch ihr elegantes und liebenswürdiges Benehmen noch erhöht wurden. Sanft, menschenfreundlich, von natürlichem Zartgefühl und innerer Reinheit, nahm sie Jeden für sich ein, der mit ihr in Berührung kam, und da sie zugleich die beste Erziehung genossen hatte, welche die Zeit und das Land damals gewähren konnten,