Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1882)
- Date
- 1882-11-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227393-3227440--40337-3257970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'Allgemeine Ein unparteiisches Organ fiir alles siidische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Gxpeöition: Leipzig, Hloßplah 18. 46. Jahrgang. Leipzig, de« 14. November 1882. JVö. 46. Inhalt. Leitende Artikel: Petersburger Briefe. XV. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Mühlhausen i. E., Aus Westfalen, Tholey. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Preßburg, Brody. — Frankreich: Paris.— Großbritannien: London. — Italien: Rom, Florenz. — Rumänien: Bukarest. — Serbien: Belgrad. — Bonn: Notizen.— Feuilleton: Die Rebecca im „Jvanhoe". — Vermischtes: Eine blutige Scene. — Aus staatlich ungesetzlicher Ehe. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. L.PHrlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagsbandlmig. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. XcU'c-i'idv di l-iß cf. Petersburger Sriese. xv. Petersburg, 21. OkK 1882. Poljakoff. Fast eine runde Woche ist bereits verstrichen, seitdem die gesummte Presse unserer Residenz, ohne Unterschied der Parteien und Farben, nicht müde wird mit seltener Uebereinstimmung die Wohlthaten eines Juden in den wärmsten Worten zu, verherrlichen. Von unserem ausschließlich offiziellen „Regierungsboten" und der strengkonservativenKatkoffschen „ruff. Moskauer Ztg." bis auf die ultraoppositionellen und äußerst liberalen „Golos" und „ Nowosti" hat kein Blatt von einiger Bedeutung es unterlaßen, spaltenlange Artikel über die verdienstvolle Thätigkeit jenes Juden zu bringen. Es ist auch kein Wunder. Zählte doch unser Minister der Volksaufklärung, der W. Geheimrath Deljau off, in einem Toast, den er auf's Wohl dieses Juden— auf einem Dejeuner-Di - natoire in einer in, der Aula der hiesigen Universität stattgehabten zahlreichen und glänzenden Versammlung, die aus den ersten Würdenträgern des Staats, den vornehmsten Vertretern des Hofes und den würdigsten Repräsentanten der Wissenschaft, der Schule, der Literatur, der Presse und des Heeres bestand, ausbrachte, ihn, diesen Juden zu den edelsten und verdienstvollsten Mäcenaten Rußlands, wie z. B. Schermetiew, Galizyn, Demidow, Besborodko, Lasarew, Kuschelew rc., auf welche das russische Volk mit Stolz und Verehrung hinaufschaut. Bereitete ja selbst die studirende russische Jugend, die sonst wohl nie mit einem Minister der Bolksaufklärung in irgend etwas übereinstimmt, und die auch nie an Judophobie laborirte, jenem Juden, den sie in einer am. denselben gerichteten Adresse ihren „gütigsten WohUhäter" Nennt, die begeistertesten Ovationen. Dieser Jude ist der Wirkliche Staatsrath Samuil Salomonowitz Poljakoff, weiland ein armer Jude Smul aus Orscha. Die Gelegenheit, welche Anlaß gab, die Verdienste dieses Mannes zu feiern, war die Einweihung und Eröffnung des an der kaiserlichen St. Petersburger Universität aus den Mitteln des Herrn Poljakoff (200,000 Rubel) gegründeten „Kollegium Alexander II." Es ist ein großes Studentenkonvikt für 150 Jünger der Wissenschaft, das auf das Komfortabelste, nach den besten Forderungen der Hygiene eingerichtet, welches den Studenten alles zum Leben Erforderliche, Wohnung, Tisch, Wäsche, Kleider, 2 Rub. 50 Kop. monatlich Taschengeld re. rc. bietet. Von diesen 150 Studenten sind 100 Stipendiaten, d. h. die 300 Rb. des kaiserl. Stipendiums werden der Verwaltung des Konvikts angewiesen, die übrigen 50 sollen aus Studenten bestehen, die zwei Mal jährlich im Voraus 150 Rubel einzahlen. Alle Zeitungen heben besonders die volle Zweckmäßigkeit dieser Stiftung hervor. Der „Regierungsbote" wie der „Golos", also beide Pole, bringen auch ein langes Register der edlen Stiftungen des Herrn Poljakoff, welches sie mit den wärmsten Worten, jedes dieser Organe in seiner Art, begleiten. Es dürfte nicht ' 46