Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1882)
- Date
- 1882-10-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Ein nn-arteiisches Organ für alles jüdische Jntcresie. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. GXpeörtion: Leipzig, Woßptcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr. L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die I Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr | 12 M.) sind gleichfalls an letztere einl zusenden.! 46. Jahrgang. Leipzig, den 31. Oktober 1882. JVo. 44. Inhalt. Leitende Artikel: Drei Siege. — Das Charakteristische an den Excessen.gegen die Juden in der letzten Zeit. — Das Ungarische Abgeordnetenhaus. 11. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt a. M., Neu- Stettin. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Prag, Pest, Brünn, Krakau. — Rußland: Petersburg, Moskau, Odessa. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Nachum-Jsch-Gam-su. Aus dem „Rußki Jewrej", übersetzt von H. Mendelsohn. (Schluß.) Bonn, 25. Oktober. Drei Liege. "Rach' tzew'öüstern Vorgängen, welche bis in die jüngsten Tage reichen, thut es dem Herzen Wohl, schließlich doch die Sache der Gerechtigkeit und der Humanität siegen und von der Elite des Volkes mit Entschiedenheit verfochten zu sehen. In drei Versammlungen der Volksvertreter innerhalb Oesterreich-Ungarns wurden binnen weniger Tage die Antisemiten mit ihren Anträgen in so entschiedener Weise abgewiesen, daß sie ihre Sache als gänzlich verloren betrachten müßten, wenn sie nicht nach Art der echten Wühler auf ihre eigene Hartnäckigkeit und immer noch auf die Möglichkeit rechneten, die Leidenschaften des Volkes zu entzünden. Im Niederösterreichischen Landtage wurde der Antrag Schönerers auf Veränderung der Rechtsverhältnisse der Juden nicht einmal zur Erwägung zugelassen, und dieser Ritter von der traurigen Gestalt fand im ganzen Landtage nur einen einzigen Kumpan an seiner Seiten Im Galizischen Landtage wurde der Antrag eines Antisemiten durch den Ausschuß seines feindlichen Charakters-völlig entkleidet und in den Wunsch verwandelt, die Regierung möge die israelitischen Gemeinden mit angemessenen Statuten versehen, und zugleich brachten zwei jüdische Mitglieder durch glänzende Beweisführung den Antisemiten so zu Falle, daß wiederum nur ein einziges Mitglied ihn in eine Art von Schutz zu nehmen sich bewogen fand. Endlich im ungarischen Abgeordnetenhause, wo das edle Antisemitenpaar Simonyi und Onody in Interpellationen die Maßregeln der. Regierung zur Unterdrückung des Preßburger Aufstandes und das Verhalten der Staatsanwaltschaft im Tißa-Eßlarer Prozesse zu rügen unternommen hatte, wurden diese' vom Ministerpräsidenten Tißä und vom Abg. Csernatony so-?nachdrücklich niedergeschlagen, und das Haus stimmte den letzteren bis aus einige Glieder der „äußersten Linken" so entschieden bei, daß sie sobald nicht wiederkehren werden. Dies ist die Antwort auf den Kongreß in Dresden; und wenn dieser einen Erfolg in den Pöbelexcessen im Preßburger Komitat zu verzeichnen hatte, so ist er ihm schnell durch die Verurtheilung seitens der österreichischen Parlamente verbittert und entwunden worden. Wir wären ebenso undankbar wie thöricht, wenn wir aus allen diesen Vorgängen .nicht die Ueberzeugung zögen, daß wir außerhalb Rußlands und Rumäniens in den Regierungen und in den Parlamenten die Bürgschaft der Sicherheit und der Rechtsgleichheit besitzen. Mögen daher die antisemitischen Hetzer ihre Wühlereien noch eine Zeitlang sortsetzen und hier und da vielleicht einen örtlichen Exceß zu erwirken vermögen: die öffentliche Meinung und alle Freunde der gesellscbaftlichen. Ordnung und des Rechtes haben sie verurtheilt und verworfen. Das Charakteristische an den Ercessen gegen die Juden in der letzten Jeit. Jetzt, wo auch in Ungarn die Ruhe und Sicherheit wieder 'eingetreten, läßt sich wohl ein vergleichender Blick über die Unruhen, die in Pommern und Preußen, in Ruß-