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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-24 · Heft 43 (24.10.1882) · p. Seite 698

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 43 (24.10.1882)
Date
1882-10-24
Page
Seite 698 (sequence 2)
Language
German
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diese beiden gottbegeisterten Geistesheroen gegen einander abzuwägen. Wenn allerdings Jesaias die Gotteslehre aus dem besonderen Rahmen des israelitischen Volkes heraushob und sie als für die gesammte Menschheit bestimmt verkündete: so Hatte er doch diese Gotteslehre von Moses empfangen, der sie in den Nachkommen Abrahams wurzeln machte, um dereinst das Eigenthum des Menschengeschlechts zu werden, und zu diesem Zwecke diesen Stamm fest zusammenschließen mußte. Alle wirklichen allgemeinen Lehren, von Gott, von der Welt, vom Menschen, von der Heiligung, von der Nächstenliebe, von der persönlichen Freiheit und Gleichheit, sie sind schon Lei Moses von allgemeinem Charakter. Noch mehr. Wenn Jesaias und mit ihm auch andere Propheten die Gotteslehre verallgemeinern, so thun sie es, und mußten es auf dem Boden der gegebenen Verhältnisse thun dadurch, daß sie Lehre und Leben, die im Mosaismus identifizirt wurden, von einander schieden, also auf Kosten eines religiös-ethischen Grundgedankens, welcher Verlust in den späteren religiösen Erscheinungen der Religion einen unübersehbaren Schaden that, wie wir dies schon in unseren Vorlesungen über die Entwickelung,der religiösen Idee auseinandersetzten. Dies ist die Stellung, die aus höherem Gesichtspunkte Jesaias zu Moses einnimmt und welche zu einer Abwägung von Größe und Bedeutung gar keinen Raum bietet. Es sind denn auch in der That ziemlich bedeutungslose Momente der Vergleichung, die uns in dem Vortrage geboten werden und 'die, da. sie mehr dem Drusch als der. ernsten Exegese angehören, j.leicht ins Gegentheil gekehrt werden können. Zum Beispiel die „unbeschnittenen Lippen" Mosis werden von Gott selbst zu jener Beredtsamkeit erhoben, die wir, und zwar nicht bloß in der pathetischen nnd poetischen Rede, im Pentateuch, na« mentlich im fünften Buche, zu bewundern haben, während die „unreinen Lippen" .des Jesaias (6, 5.) erst durch einen Seraph mit einem Glühstein gereinigt werden. Daß Dr. S. einen Vorzug des Jesaias darin findet, daß .er das „Heilig" drei Mal vernahm, während Moses es nur einfach, aber wiederholt und energisch verkündet, ist uns unerfindbar. Wir führen dies auch nur an,, um bemerkbar zu machen, daß Herr Dr. S. noch zu denen gehört, welche nicht anerkennen wollen, daß das Buch Jesaias Kapp. 40—66 von einem anderen Propheten herrührt als 1—35. Er stellt daher beide Bücher Jesaias als eines gegenüber. Nach allen den gründlichen Untersuchungen über diesen Gegenstand , welche als ein allgemein anerkanntes Resultats festgestellt haben, daß, während der Autor des ersten Theiles der zur Zeit des Königs Hiskijah und der Zerstörung Samarias durch Salmanassar lebende Jesaias war, das zweite Buch von einem im babylonischen Exil zur Zeit des Königs Cyrus wirkenden Propheten herrührt, erregt es unser Verwundern, daß ein so tüchtiger Kenner des Hebräischen und eifriger Forscher sich noch , von der alten Ansicht nicht trennen kann. Ohne in Details einzugehen, wollen wir deshalb nur übersichtlich die Gründe Herstellen. *) Im Voraus bemerken wir nur für ängstliche Gemüther, daß die Frage, ob ein Prophet Vorgänge, die Jahrhunderte später eintreten sollten, durch die Inspiration des göttlichen Geistes vorher verkünden könne, hierbei gar nicht in Betracht kommt, da schon die ganze Form und Art der prophetischen Rede in diesem zweiten Theile des Buches unwiderleglich erweist, daß in solcher Weise ein Prophet über Ereignisse von zwei Jahrhunderten später sich nicht ansdrücken konnte. Von äußerlicher Seite ist noch hervorzuheben , daß die Anordner des Buches Jesaias selbst dieses unverkennbar in . zwei, eigentlich nicht zusammengehörige Bücher getrennt haben, indem sie die Kapp. 36—39, von geschichtlichem Inhalt, die in 2 Kön. 18—20 wiederkehren, zwischen beide Theile scho- - ben, absichtlich als einen Anhang zum Buche der Prophetien des eigentlichen Jesaias, welches letztere sie mit dem Siegesgesange Kap. 35 abschlossen. Hätten'sie dies nicht gewollt, so würden sie diesen Anhang nach Kap. 6A hinzugefügt haben. Dies erscheint um so absichtlicher, als in oen gedachten Kapiteln bei Jesaias Vieles, sowohl Sachliches wie Wörtliches fehlt, was im Buche der Könige vorhanden und ungern im Buche Jesaias vermißt wird, so daß es im BüHe der Könige nicht etwa von späterer Hand hinzugefügt, sörrdern absichtlich bei Jesaias der Kürze wegen weggelassen ist. Aus der weiteren Vergleichung geht hervor, daß ein älteres Original Vorgelegen, aus welchem beide ihre verschiedene Redaktionen gemacht haben, wodurch es möglich wurde,^ daß auch der Chronist noch Einiges heranbringen konnte, was durch Zes. 22, 9—11 gesichert ist, also vom Chronisten -us dem Original entnommen ward. Der wesentliche Beweis kann natürlich nur'durch das Buch selbst, dessen Beschaffenheit und Inhalt geführt werden. Während nun der er^e Theil des Jesaias aus einzelnen, bald sachlich, bald chronologisch aneinander gereihten, aber für sich bestehenden und sehr verschiedene Gegenstände behandelnden Reden zusammengesetzt ist: bildet der zweite Theil ein einziges Ganzes, das einen und denselben Gegenstand in fortschreitender Ent-) Wickelung und in innerster Uebereinstimmung bespricht.; Dieses Ganze, aus drei Abschnitten sich zusammenschließend, die durch einen und denselben Schlußvers (48, 22. 57, 21. s 66, 24.) sich abzeichnen, richtet sich auf bestimmter Grundlage; auf: Jerusalem ist zerstört, der Tempel verbrannt, die Jsrae^ liten gefangen nach Babel geführt, Babel aber durch Cyrüs-. den König von Persien, theils der Unterwerfung nahe, theils bereits unterworfen, und durch diesen wird Israel die Rückkehr gestattet. Diese Situation ist als die gegenwärtige,) früher verkündete, nunmehr eingetroffene dargestellt. Das!" 2) Siehe unsren Kommentar zu Jesaias Kap, 40 und unsere Ein-.' leitung zum Je>aias t'Llvelwerk Bo. U. S. «4o u. 9^3 ff) |

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