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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-17 · Heft 42 (17.10.1882) · p. Seite 694

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 42 (17.10.1882)
Date
1882-10-17
Page
Seite 694 (sequence 14)
Language
German
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zu schützen und vor diesem „gefährlichen" Element möglichst zu verschonen, und da nach seiner (Kozerskis) Ansicht die Juden in Polen ebenso, schädlich als in Rußland wären, sich durch andere Tracht-;unterscheiden, deutsch sprechen und dadurch dem Slaventhum schädlich sind, „das Land überhaupt nur den Slaven offen sein sollte, und die Verordnung vom slavischen Gesichtspunkte beurtheilt werden müsse, ferner die Juden ihr Land nur so lange lieben, als bis sie es nicht ausgesogen, so müsse die Verordnung analog auf Polen Anwendung haben." Die angeführten, dem Judenthum gemachten Vorwürfe sind nur ein kurzer Auszug aus dem Stöckerschen Register und es durfte Jedermann Wunder nehmen, von einem Richter derartige subjektive Auffassung zu hören, und daß derselbe in seinem Antisemitismus und Antigermanismus so weit geht, sich der Insubordination gegen seinen höchsten Vorgesetzten, den Justizminister, schuldig zu machen. Um so erfreulicher ist es, daß das Oberappellgericht, welches ganz unabhängig als höchste Justizbehörde im Lande besteht, sein Urtheil heute dahin abgegeben hat, „die Verordnung habe keine Anwendung auf das Königreich Polen." Mit Genugthuung begrüßen wir diese Entscheidung, welche uns die Beruhigung des Gesetzschutzes verleiht und uns das Gefühl der Sicherheit erhält. Man ist begierig, wie. der Justizminister diesen Fall von Insubordination, welcher dem Lande viel Schaden gebracht, ahnden wird." Bonn,8.Okt. (Notizen.) Man schreibt uns aus Berlin vom 3. Okt.: Es hat sich hier ein Konnte ehemaliger Zöglinge der hiesigen Friedrichsstädtischen israelitischen Religionsschule unter dem Vorsitze des Herrn Rechtsanwalt Guhrauer gebildet, das für den 4. Novbr. c. das 25 jährige Stiftungsfest der Schule vorbereitet, welches zugleich mit dem 60. Geburtstage des Begründers und bisherigen Leiters der Anstalt, des Predigers Dr. Landsberger gefeiert werden soll./Das Komitö entfaltet eine Thätigkeit, die dem Unternehmen den besten Erfolg verspricht, und von der treuen Anhänglichkeit der jungen Leute zu ihrem Lehrer das schönste Zeugniß giebt. In den Festsälen der Gesellschaft der Freunde wird ein Banket vorbereitet. Zu einer Ehrengabe für den Jubilar ist eine Subskription eröffnet worden. Auswärts weilende ehemalige Schüler und Schülerinnen des Jubilars, denen eine Betheiligung wünschenswertst wäre, mögen sich an den genannten Vorsitzenden in Berlin, Kommandantenstraße 85, wenden. — Man schreibt aus Lemberg: In diesen Tagen verstarb hier Jakob Mendel Schütz im 77. Lebensjahre.. Seine aufopfernde Thätigkeit als Verwalter des hiesigen israelitischen Spitals lebt noch in Aller Gedächtniß. Er verband mit einer untadelhaft orthodoxen Gesinnung die weitgehendste Toleranz und Achtung jeder ehrlich gemeinten. Üeberzeugung. Von seiner Vorurtheilslosigkeit zeugt schon sein originelles Testament, in welchem sich am besten auch sein origineller Charakter widerspiegelt. Er vermachte nämlich einen Betrag von circa 20,000 Gulden zur Gründung einer Leihanstalt, in welcher auf Pfänder, gegen jährlich 2 prozentige Verzinsung, an Jedermann, ohne Unterschied der Konfession, Geld ausgeliehen werden soll, und verfügte deren Unterstellung unter die Oberaufsicht des Magistrates. — In Hanau verstarb am 291 Sept. der Provinzialrabbiner S. Felsenstein nach längerem Leiden; er hat 47 Jahre sein Amt in der dortigen Gemeinde verwaltet. — Am 1. Oktober beging — ohne daß etwas davon nach außen bekannt geworden wäre, — der verdienstvolle Rabbiner Dr. S. Form st echer zu Offen bach sein 50 jähriges Amtsjubiläum. Selten ward wohl ein solches Fest unter einer so allgemeinen Theilnahme des Publikums aus allen Ständen, und Konfessionen gefeiert. Zu her - Feier lud ein Komitö ein, das aus den Honorationen der Stadt bestand, darunter z. B. fünf Pfarrer (allerdings kein römisch-katholischer), die Geh. Medizinalräthe Köhler und Mogk, mehrere Schuldirektoren u. s. w. Form siecher ist in Offenbach geboren und wurde gleich nach Vollendung seiner Studien als Rabbiner an die Gemeinde seiner Vaterstadt berufen! Daß sich Formstecher auch als Schriftsteller, namentlich durch sein Werk „Die Religion des Geistes" mannigfache Verdienste erworben, können wir.als bekannt voraussetzen. Vormittags fand ein Festgottesdienst in der blumengeschmücktenSynagoge statt vor einer andächtigen Festgemeinde aus allen Ständen und Konfessionen, an ihrer Spitze die Regierungsbehörden und die Stadtverordneten, sowie die Geistlichen der verschiedenen Religionsgemeinden, mit Ausnahme der römisch-katholischen. Die Festpredigt hielt der Landesrabbiner vr. Landsberger aus Darmstadt. Der Gefeierte antwortete und sprach seinen Dank aus in tiefer Seeleubewegung. Nach Beendigung der durch Gesangsvorträge des Vereins „Sängerkranz" noch besonders gehobenen Synagogen-Feier fand in der Wohnung des Jubilars große Gratulationskour statt, wobei der großherzogliche Kreisrath Rothe demselben in warmen Worten auch die Glückwünsche der Staatsregierung aussprach und ' ihm Namens des Großherzogs die Insignien des Ritterkreuzes erster Klasse des Philipps-Ordens überreichte; — die Stadt ihrerseits durch ihre Vertreter das von dem Leiter unserer Kunstgewerbeschule, Herrn Schurig, höchst kunstvoll in Holz gebrannte Ehrenbürger-Diplom, Des Weiteren beglückwünschten Formstecher noch und überreichten theilweise kostbare Geschenke: die Vertreter seiner eigenen wie der übrigen hiesigen Religions-Gesellschaften, die römisch-katholische ausgenommen; der Frankfurter israelitischen Gemeinde; der Frankfurter Loge „zum Adler" (Sprecher: Meister vom Stuhl, Herr Rosenberg); des Vereins für Naturkunde u. s. w. Nachmittags! fand ein großes Festessen statt, an welchem sich die hervor- ^ragen^sten Persönlichkeiten der Stadt betheiligten.

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