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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-03 · Heft 40 (3.10.1882) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 40 (3.10.1882)
Date
1882-10-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Ein impartciisches Organ für alles Mische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonne- | ment in Deutschland (Postzeitungsliste | Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Bllchhandel. Herausgegeben, von Rabbiner vr. Ludwig Philipps»» in Bonn. G«peSition: Leipzig, Woßplah 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr.L.Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 3. Oktober 1882. No. 40. Inhalt. Leitende Artikel: Die veränderte Weltlage. Eine alte Frage. II. — Stöcker's acht Thesen auf dem antisemitischen Kongreß zu Dresden. — Zeitnngsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt a. M., Kassel, Gießen, Kolberg. — Oesterreich-Ungarn: Bon der Donau, Pest, Lemberg. — Großbritannien: London. — Italien: Turin. — Amerika: New-York. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Korrespondenz. — Vermischtes: Antisemitische Propaganda in der Oper.' Xeiie'wOc dzti&cC Bonn, 27. September. Die vMa>Me-WMage.- Das 19. Jahrhundert ist reich an umwälzenden, eine weite Zukunft bestimmenden Ereignissen, die sich zwar in der Vergangenheit angesponnen hatten, erst jetzt aber ihre Ausführung und Tragweite erlangen. Die Geschicke erfüllen sich; aber erst zur Zeit dieser Erfüllung vermag man die Fäden zu erkennen, die sich allmählich zu einem dichten Gespinnst vereinten, das, ein unabwendbares Geschick, über die Häupter derer zusammenschlägt> die davon betroffen werden, deren Untergang in ersichtliche Nähe gerückt ist. Firns Turciae! kann heute mit noch viel größerer Sicherheit ausgerufen werden, als einst Finis Polöniae! ■ von den Lippen des verwundeten Feldherrn erklang. Aber mehr noch, nicht das Ende des türkischen Reiches, sondern aller mohamedamschen Herrschaft, der ganzen politischen Existenz des Islam gehört der nächsten Zukunft an. Der große Prozeß zwischen Europa und Asien, zwischen Orient und Occident, der im grauen Alterthume seinen Anfang nahm und seitdem .durch alle Jahrhunderte reichte, entscheidet sich wieder einmal zu Gunsten Europas. Nachdem dem Vordrängen der orientalischen Völkerhorden auf den Schlachtfeldern Spaniens, Ungarns und Rußlands, ja selbst Oesterreichs und Schlesiens ein Halt! zugerufen und die militairische Kraft der Türken und Araber rasch rückgängig geworden, war der Aufstand der Griechen und die Unfähigkeit der Türken, ihn zu unterdrücken, so wie die Parteinahme der europäischen Großmächte für /■ die Griechen der Anfangspunkt für den Zerfall des türkischen Reiches. In den nächsten sechs Jahrzehnden wurden mächtige ' Länderstriche der asiatischen Türkei'von Rußland' in immer ^größerer Ausdehnung in Besitz genommen, Algerien und nun auch Tunesien von den Franzosen occupirt, Rumänien, Serbien, Montenegro, Bulgarien zu selbständigen Staaten konstituirt, Bosnien und die Herzogowina von Oesterreich annectirt, Cypern und nun auch: Egypten von den Engländern eingenommen. Wie klein und umgrenzt dadurch das Reich des Sultans geworden, ist ersichtlich; aber noch ersichtlicher wurde die innere Schwäche, die völlige Unfähigkeit dieses Volkes, eine der Kultur unserer Zeit, der Verbindung mit den civilisirten Staaten entsprechende Regierung herzustellen, durch den Versuch von Reformen in Konstantinopel und Kairo, die ein gänzliches Fiasco machten. Hiermit mußten die letzten Hoffnungen derer schwinden, welche den Glauben an die weitere Existenzfähigkeit mohamedanischer Staaten festgehalten hatten. Die Logik der Thatsachen zwingt, wie man gerade an dem jetzigen englischen Ministerium wieder ersehen kann, auch die Widerstrebenden, die nothwendigen Folgen der vorangegängenen Ereignisse auszuführen. Die Integrität des türkischen Reiches war lange Zeit ein Dogma der europäischen Politik, und wiederholt ergriffen europäische Mächte die Waffen, um die Angriffe auf jene zurückzuschlagen. Nachdem aber so bedeutende Theile von diesem Reiche losgerissen worden, strecken jene Vertheidiger selbst die Hände nach den ihnen Zusagen-

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