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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-26 · Heft 39 (26.9.1882) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 39 (26.9.1882)
Date
1882-09-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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'Allgemeine Ein im-arlciiskhes Organ für Oes jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Luhwig Philrppson m Bonn. Gzepeörliorr: Leipzig, Woßptcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L.PHUippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshanülung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden: > , Diese Zeitung erscheint wöchentlich.' Preis vierteljährig 3 Marl. Abonnement in Deutschland . „ , . Sir. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. 46. Jahrgang. Leipzig, den 26. September 1882. InKsit. Leitende Artikel: .Eine alte Frage. I. — Petersburger Briefe. XIV. — Zeitnngsnachrichlen: Deutschland: Berlin, Dresden, Bromberg, München. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Brody, Lemberg, NyiregyhLza. — Frankreich: Paris.-Rußland: Petersburg. — Amerika: New-York. — Fenilleton: Vermischtes: Graf Jgnatieff und die Juden. — Sittenpolizei in Konstantinopel. . Zettende Bonn, 20. Septenlber. - Eine alt^ Frage. '''' ' i/ Unser Petersburger Korrespondent schrieb'in Nr. 35 (siehe au ch den folg. Brief), daß die „ moderne russisch - jüdische Intelligenz", die auf dem Wege der russischen Intelligenz überhaupt den religiösen Glauben verloren hat und den materialistischen Richtungen anheimgefallen ist, bei ihrer gegenwärtigen Rückkehr zum Judenthuine das nationale Moment allein aufgefaßt habe, die Erhaltung der jüdischen Nationalität als das Strebeziel ansehe, daß eine Concentration dieser, eine sichtbare, greifbare, geschaffen werden müsse und dazu am geeignetsten eine große Colonisation in Palästina sei. Wir haben in einer Anmerkung hierüber kurz unsre Meinung ausgesprochen. Aber bei der Größe und Wichtigkeit der russischen Judenheit müssen wir diesen irrigen Ideen eine weitere Erörterung widmen. Sie sind übrigens nicht neu. Abgesehen davon, daß derselbe Gedankengang noch vor Kurzem außerhalb unsrer eigenen Kreise von George Eliot in ihrem „Deronda" verfolgt worden ist, erinnern wir uns jenes geistreichen, jedoch absonderlichen Moses Heß, wie er vor zweiundzwanzig Jahren in unsrem Zimmer uns vordemonstrirte, daß, wenn das vor uns stehende Wasserglas zerbrochen würde, das Wasser auseinanderliefe und nicht wieder zusammengebracht werden könnte. Ich lächelte, und als er, etwas heftig, wie es seine Natur war, eine Erklärung forderte, erwiderte ich ungefähr: Bor 18 Jahrhunderten hätten diese These und dieses Gleichniß gewiß eine große Wirkung hervorgerufen. Als die Säulen des Tempels zusämmengebrochen, Jerusalem in Asche, die Städte Judäa's und Galiläa's in Trümmern lagen, als das jüdische Volk über alle Länder'dev Erde zerstreut und an vielen Orten blutig' verfolgt wurde damals konnte -sich die Frage äüfdrängen: vermag wohldieserStämm sich noch länge Zeit zu erhalten ohne Selbständigkeit,- ohne Besitz eines Landes, ohne einen geographischen Mittelpunkt, zu welchem alle auslaufenden Strahlen. immer wieder - zurttckkehren könnten — das Gefäß ist zerbrochen, muß sich das Wasser echt verlaufen? Die Geschichte hatdie Antwort gegeben. Die achtzehn Jahrhunderte haben gelehrt, daß das Gefäß, in welchem eine Gemeinschaft trotz aller Angriffe und Verfolgungen,-trotz der riesigen Mächte, die sich auf sie stürzten, dennoch bestehen zu bleiben -vermöge, nicht ein äußerliches, nicht ein materielles, ein sichtbares und greifbares zu'sein brauche,' sondern vielmehr in einem geistigen, in einem großen, festen und durchgearbeiteten Gedanken vorhanden sein müsse! Ob bewußt oder unbewußt, aus dem innersten Gefühle dessen was Noth thue, haben unsre Väter während dieser achtzehn- Jahrhunderte, nachdem der.letzte Versuch unter Barkochba fehlgeschlagen und den ganzen Stamm fast bis an den Rand, des Untergangs gebracht Hatte, niemals wieder den Gedanken gefaßtdurcheine neue Colonisation in Palästina oder durch den Eriverb irgend eines abgeschlossenen Landes die jüdische Nationalität von Neuem aufzurichten und zu erhalten. Und doch hatten sie

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