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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-12 · Heft 37 (12.9.1882) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 37 (12.9.1882)
Date
1882-09-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps«« in Bonn. GXpeöitiorr: Leipzig, HloHptcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. L. Phrlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 12. September 1882. Xo. 37. lalrstt. Leitende Artikel: Zu den bevorstehenden Feiertagen. III. — Die Juden und die politische Lage. II. — Die Vorgänge in Ungarn. Zeitnngsnachrichten: Deutschland: Berlin, Dresden, Trier, Wolfenbüttel, Lyck. — Italien: Neapel. — Rußland: Petersburg. — Das Capland: Augsburg. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Moses Mendelssohn und Joh. G. Zimmermann. Von Dr. M. Kayserling. (Fortsetzung.) Seilei-vt’e CUl'ifscI7. Bonn, 6. September. Zu den bevorstehendes Merkägen. in. .. ° -- . „Auf! Hinan laßt uns ziehen zum Berge des Ewigen, . Zum Hause des Gottes Jakobs, Daß er uns lehre von Seinen Wegen Und wir wandeln in Seinen Pfaden." (Jesaias 2, 3.): Das ist der Unterschied zwischen dem religiösen und dem irreligiösen-Menfchen, zwischen dem, der zu Gott aufschaut, und dem, der -allein auf den Stoff, dessen Formen und Wandelungen blickt — daß der erstere aus den-Wirren und Mühsalen des täglichen Lebens-sich loszulösen und zu der Höhe zu erheben vermag,- auf welcher er das Göttliche allein, das Gute und Schöne in seiner Vollendung, -die Erhabenheit und Majestät des Weltgeistes, des Vaters der Liebe und der Weisheit vor'sich hat. Wer den Festen mit Weihe und Andacht sich nähert, mit erhobenem Geiste sie empfängt, der Anbetung Gottes sie widmet, von dem Verlangen erfüllt ist, sich an ihnen zu läutern, zu veredeln, zu heiligen, wer sie also mit ganzem-Herzen und mitganzer Seele feiert, der empfängt - auch für die übrigen Beiten des Jahres-- für alle Bestrebungen, die seinen Willen und - seine ThatWst in. Anspruch nehmen, das Bewußtsein - der höheren Menschennatur,, der Sittlichkeit und des erhabenen Berufes, zu welchem jed.e Menschenseele bestimmt ist. Aber selbst für weniger innerliche Naturen enthält die Feier solcher Feste/die Theilnahme an den gottesdienstlichen Handlungen eine Anerkennung, daß es ein Höheres giebt als die Wege des täglichen Lebens, die Anerkennung/ der ' göttlichen Waltung und des Zusammenhanges zwischen dem Menschen und Gott. Unwillkürlich drängt sich ihm das Bewußtsein des Besseren und sittlich Reineren auf, und so ebnet sich für ihn der Pfad, um aus dem Wüste der Triebe und Leidenschaften, wieder -heraus und zu edleren Zielen zu kommen. Wohl wissen wir, daß, um die Wirkung dieser Feier tiefer und stärker zu machen, die bloße äußerliche Theilnahme nicht genügt. Niemals hat.das Judenthum diesen Festen eine mysteriöse Kraft zugeschrieben, die an sich und durch sich die Läuterung, die Befreiung von Schuld und Vergehen erwirke; zu aller Zeit hat es vielmehr gelehrt, daß ohne wirkliche-Umkehr, ohne aufrichtige Reue und -Besserung das'Werk der Versöhnung, die Heiligung des Herzens nicht gelinge. Es kommt also Alles darauf an, ob der Geist eine Einkehr in sich selbst vollführe, ob er sich aufrafft und genugsam stärkt, um in die Kammern seines Herzens hineinzublicken und in v ollem Lichte den wahren'Zustand seiner Seele zu schauen, sich über sein Thun und/-Lassen Rechenschaft zu geben, sich nicht vor sich selbst zu verbergen und zu verhüllen. Aber , da dies 'eben nicht das Werk - der meisten Menschen ist, so ist es doch schon von unendlichem Werth e, wenn diese Feste Alle und Jeden an-seine menschliche-Unzulänglichkeit-au seine-Abhängigkeit von einer höheren Machö, an das Dasein.der Wahrheit und des Rechtes,- an -die Wirklichkeit der./göttlichen Vergeltung erinnern und daran 37

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