Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1882)
- Date
- 1882-08-22
- Page
- Seite 561 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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m zu einem richtigen Urtheil zu kommen, eine Stadt von 200,000 Einwohnern, die folgende öffentlichen und gemeinnützigen Institute erhält: Hospitäler: Es giebt sechs oder mehr Hospitäler, die von den Juden der Vereinigten Staaten erhalten werden. Es sind sämmtlich umfangreiche Anstalten und Muster in Bezug auf Einrichtung und Leitung, dabei sind sie keineswegs ausschließlich für Kranke mosaischer Konfession. Sie sind an folgenden Orten belegen: Mount Sinai in New Aork, Jewish Hospital in Philadelphia, Hebrew Hospital in Baltimore, Jewish Hospital in Cincinnati, Toury Jnfirmary in New Orleans, Michael Reese Hospftal in Chicago. Waisenhäuser und Heimathen giebt es elf in den bedeutendsten Städten der Union, außerdem in fast jeder Stadt andere wohlthätige Anstalten für Armenunterstützung, freie Beerdigung und dergleichen. Wohlthätige Orden existiren ihrer vier: Unabhängiger Orden der B'nai Brith, der in den fünf Jahren vor dem 31. December 1878 an Krankengeldern, Ausstattungs-Benefizien 1,007,029 Doll, auszahlte, und Fonds im Betrage von 560,089 Doll, zur Verfügung hat. Unabh. Orden der Freien Söhne Israels, der in 2 Großlogen und 86 Unterlogen 8604 Mitglieder zählt. Der Orden Kesher Shel Barzel, 10,000 Mitglieder, bezahlte 1878 an Aussteuer-Benfizien 120,803 Doll, und verfügt über 112,693 Doll. Der Verbesserte Orden der Freien Söhne Israels, 2849 Mitglieder, bezahlte 1879 39,038 Doll. Außerdem giebt es verschiedene unabhängige kleinere Unterstützungsvereine. An Schulen und Kollegien giebt es 13 Freischulen für hebräische Sprache und Religionsunterricht, davon 5 in New Aork, 4 in Philadelphia, und je 1 in Cincinnati, St. Louis, Chicago und San Francisco. Das Hebrew Union College in Cincinnati hat.Lehrstühle für höheren Unterricht im Hebräischen und in rabbinischen sowohl wie in klassischen Wissenschaften, der Unterricht ist frei, das College hat das Recht akademische Grade zu ertheilen und steht auch Studenten nicht-mosaischen Glaubens offen. In allen größeren Städten giebt es hebräische Jünglingsvereine, welche durch Vorlesungen über wissenschaftliche und literarische Themata die allgemeine Bildung fördern und Bibliotheken und Lesezimmer besitzen. Die Union der amerikanischen israelitischen Kultus gemeinden umfaßt 118 Gemeinden und hat sich außer der Pflege des Cultus auch noch Bestrebungen zum Schutze der Juden gegen politische Unterdrückung und ihre moralische und intellektuelle Hebung in allen Ländern der Erde zur Aufgabe gemacht. Außerdem giebt es noch 150 israelitische Kultusgemeinden, die nicht zu dieser Union gehören, in den Bereinigten Staaten. Der Werth des Grundeigenthums dieser Gesellschaften, hauptsächlich in Synagogen bestehend, beträgt in den Vereinigten Staaten 6,900,000 Doll., wovon auf den Staat New Jork der Löwenantheil mit 2,750,000 Doll, kommt. Zum Schluß faßt der Verfasser des Artikels, dem wir das Vorstehende entnommen haben, seine Ansicht über die Zukunft der russischen jüdischen Einwanderer hier in folgenden Worten zusammen: „Da das. Kolonisationssystem in irgendwie beträchtlicher Ausdehnung praktisch außer Frage ist, so wenden die lokalen Comitbs ihre Aufmerksamkeit andern Mitteln zu, um diesen Vertriebenen Beschäftigung zu verschaffen. So unangenehm ihnen die Thatsache ist, so sind sie doch gezwungen zuzugeben, daß die große Masse von ihnen in den großen Städten Beschäftigung finden muß. Viele sind intelligent, wenige aber nur zur Handarbeit geeignet, sie entbehren die erforderliche Körperbeschaffenheit. Nimmt man alle die oben detaillirten Umstände zusammen, so sieht man leicht, daß das durch die russischen Juden aufgeworfene Problem keineswegs leicht zu lösen ist, und in nicht langer Zeit wird nationale Aktion irgend welcher Art ohne Zweifel von der Situation gebieterisch erheischt und veranlaßt werden." Deutschland. Berlin, 8. August. Eine gleiche Aufstellung, wie sie kürzlich vom Unterrichtsminister hinsichtlich der Volksschullehrerstellen angeordnet ist, um einen Ueberblick zu gewinnen, wie sich die Zahl der ordnungsmäßig besetzten Stellen zu den aushilfsweise versorgten oder ganz unbesetzten verhält, ist jetzt auch hinsichtlich der jüdischen Lehrerstellen angeordnet. Die „Weser-Ztg." bemerkt dazu: „Es ist durchaus dankenswerth, daß auch den Verhältnissen der israelitischen Schulgemeinden seitens der Regierung ernste Aufmerksamkeit zngewendet wird, da diese Gemeinden regelmäßig ganz enorme Opfer für ihre Schulen bringen müssen." — Wir müssen wider Willen noch einmal auf die bevorstehenden kirchlichen Wahlen in Berlin zurückkommen, weil da Ausdrücke seitens Stöckers fallen, die den Mann und seine Gesinnungen zu sehr charakterisiren, um sie mit Stillschweigen übergehen zu können. Es handelt sich da um Neuwahlen in die Kirchenvorstände und aus diesen in die Kreissynoden. In einem desfallsigen Wahlaufrufe sagt Stöcker unter anderem: „Alle Fortschrittler, alle Mitglieder des Protestantenvereins, sowie jene Notablen, welche