Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein unparteiisches Organ fiir alles jiidische Interesse. „ erscheint wöchevttich- | ,Lhrig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste I Nr. SS) und Oesterreich-bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. I Herausgegeben von .Rabbiner vr. Ludwig Philippson irr Bonn. Gspsörlron: Leipzig, WoßpLcrh 18. - In «dactionelleir Angelegenheiten wendeman sich anDr.L. Phrlippson in Bonn direct^ in allen übrigen an die Verlagshandlüng. Beilagen (Gebühr iS M.) sind gleichfalls an letztere ein- - zusende«. 46. Jahrgang. ^'Lerpzig, den 1. August 1882. JVo. Bl. IrrKült. Leitende Artikel: Vom Darwinismus. Die Wende in Rußland. —. Zur Emigration. >— Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt a. M. — Oefterreich -Ungarn: Wien, Pest, Lemberg,Brünn, Bon der Donau. — Belgien: Brüssel. — Dänemark: Kopenhagen. — Großbritannien: London. — Türkei: Konstantinopel, Smyrna, Alexandria. — Amerika: New-York. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Einige.charakteristische Züge aus unserm synagogalen*Gebetbuche. (Forts.) Seite'nde ClvU&ef. ■ , Botin, 26. Juli. Vom Darwinismus?) . Der vor Kurzem erfolgte Tod des genialen und unermüdlichen Charles Darwin veranlaßt die Anhänger des. großen Naturforschers die Theorien desselben dem Publikum wieder in Erinnerung zu bringen, und mit der gewöhnlichen Entschiedenheit der Jünger, die der Meister kaum theilte, die Unfehlbarkeit jener Hypothesen zw verkünden. Es wird daher nicht auffallen, daß einige Freunde dieser Zeitung uns ersuchten, uns über den sog. Darwinismus und unsere Stellung zu ihm zu äußern, was wir bis jetzt nicht gethan hätten. Wir wollen uns diesem Ansuchen -nicht entziehen, bemerken jedoch voran, daß wir uns nicht anmaßen, über die Richtigkeit der Beobachtungen zu urtheilen, die der große Naturforscher in.reicher Fülle gemacht hat. Wir haben es hier nur mit den metaphysischen Eonsequenzen zu thun, welche der. Meister und noch mehr seine Jünger aus jenen Beobachtungen gezogen, obschon, oft noch die Mittelglieder fehlen und nur: hypothetisch vorausgesetzt werden. Denn was die Geschichte, der Philosophie seit Plato und Aristoteles bis auf Hegel und Schelling lehrt, daß nämlich« die Jünger stets 1) Der-Revisionsbogen von Nr. 30 ist'uns nicht rechtzeitig zugekommen, und bitten wir, im. ersten Leitart. zuverbessern: S. 4SI Sp. 1 Z. iS v. o.: „Aus dem Alterthum .leuchten nur zwei Beispiele -ff/' — Z. ll v. u.: „daß alle?änderen Nationen vom israelitischen Bürgerrecht nicht ausgeschlossen waren." Vielen, kleineren Druckfehlern möge man freundlichst Nachsehen. Die Redattion. über die Lehren ihres Meisters hinausgehen, sie ins Extreme und Conjekturelle hinausführen und oft bis zur Unkenntlichkeit ummodeln, das hat man hinlänglich beim Darwinismus erfahren: Wir erklären aber mit voller Entschiedenheit, daß wir uns denen nicht anschließenwelche die.Schrifterklärung und die Theologie überhaupt so lange und so künstlich zurechtkneten, bis daraus eine scheinbare Übereinstimmung mit dem Modetheorem der Zeit, also jetzt mit dem Darwinismus herausgefölgert ist/ Nein, die Weltanschauung, welche auf dem Boden des Mosaismus das Judenthum erfüllt und mit ihm die anderen Positiven Religionen, ist völlig verschieden, ja entgegengesetzt mit der Weltanschauung, welche aus den Lehren des ^Darwinismus gezogen worden ist. Niemals werden wir zügeben, daß der lebendige Gbtt, der ewig schaffende und erhaltende, der die Vorsehung und. der gerechte und barmherzige Vergelter ist, identisch sei mit dem, was die Darwinisten, wenn sie nicht weiter können, mit der ,-Urnatur", oder schlichtweg „Natur" benennen, und was bei ihnen doch nur ein inhaltloser Begriff bleibt, womit ein ihnen. unerklärbares Geheimniß zugedeckt wird. Wir geben zu, und haben selbst es' so ausgelegt, daß die mosaische Schöpfungsgeschichte die Lehre der Entwickelung .in der Reihenfolge und Gestaltung der Wesen enthält und erst mit der Sintfluth die Evolution der Erdschöpfung abschließt *); Weiter aber können wirnicht gehen/ ohne dem einfachen Schristworte Gewalt anzuthun2). ' . 1) Bergl.. 1 Mos. 1,11. 16. 20. 24. 26., 2,5. 8,22. * ' 2) Wir meinen hier die jüngst gemachten Versuche, die h. Schrift mit dem Darwinismus durch künstliche Auslegungen in Uebereinstimmung zu. bringen, in welche näher einzugehen, heute nicht zu unserer Aufgabe gehört.