Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1882)
- Date
- 1882-07-25
- Page
- Seite 501 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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501 übertrifft, namentlich wurde auf seine Veranlassung Chorgesang an Sabbathen und Feiertagen eingeführt. Was sein talmudisches Wissen anbelangt, so ist Herr Rabbiner Cohn sicher einer der größten Gelehrten unter den Rabbinern Baierns; mehrere christliche Gelehrten, z. B. Herr Professor Delitzsch aus Leipzig, verdanken ihm einen Theil ihrer Kenntnisse auf diesem Gebiete. — Heute Morgens begab sich der hiesige Cultusvorstand zu ihm, um ihn im Namen der Gemeinde zu beglückwünschen und ihm eine kalligraphisch ausgestattete Adresse zu überreichen. — Jeuille ton. Die Ruinen einiger alten Synagogen in Palästina. Wir lesen über diese Ruinen in „Palästina in Bild und Wort von Ebers und Guthe" Lief. 20. S. 343: In Galiläa besaßen die Juden einst eine große Anzahl von Synagogen. Man hat die Ueberreste von wenigstens 12 solcher Bersammlungshäuser entdeckt. „Diejenige in Meron liegt auf einem hohen, künstlich geebneten Felsen, sogar die westliche Wand besteht aus lebendigem Gestein. Von dem Maurerwerk hat sich nur noch die Südfront aufrecht erhalten. Das Dorf Meron hat eine herrliche Lage; nicht weit von ihm liegt ein eigenthümliches Bauwerk, das zu gewissen Zeiten als Altar dient, auf welchem Tücher und Gewänder von den Pilgern verbrannt werden. Denn Meron ist das angesehene Ziel jüdischer Wallfahrten in Palästina. Hier befindet sich nämlich in einer Felsenkammer mit zweiunddreißig Steinsärgen — fünf Stellen sind leer — die Ruhestätte des berühmten Gesetzeslehrers Hillel und seiner sechsunddreißig Schüler, sowie die Gruft seines großen Gegners Schammai und seiner Frau. Aber am meisten Verehrung genießt Meron, weil es die Gebeine des Rabbi Simeon ben Jochai birgt, der im Mittelalter das Buch Sohar, eine mystisch - theosophische Auslegung der fünf Bücher Moses, verfaßte. Nicht nur von Damaskus und den Städten Palästinas, sondern auch von Aleppo, Konstantinopel, Kairo und Bagdad strömen alljährlich die Pilger hierher. Bei dieser Gelegenheit wird der Ort prächtig erleuchtet, man schwelgt in Speise und Trank, Tänze werden aufgeführt und das Fest des Heiligen, das nicht nur den Tag, sondern auch die Nacht in Anspruch nimmt, soll mit mancherlei bedenklichen Ausschweifungen sich verbinden. Die vollkommenste Ruine einer Synagoge in Palästina findet sich in Kefr. Bir'im, einem Dorfe zwei Stunden nordwestlich von Meron. Der innere Raum hat 14 Meter Länge und 18 Meter Breite. In der südlichen Fayade sind noch drei Thore erhalten. Die zwei Fufi dicke Mauer ist aus schön behauenen und großen Steinen aufgebaut. Das mittlere Portal zeichnet sich durch seine Höhe und treffliche Arbeit aus, über ihm spannt sich ein reich verzierter Bogen. Eine Halle lief einst vor diesen Eingängen hin, deren Säulen meist umgestürzt sind. Die Leisten, Reben, Trauben, Blätter, Rosetten und andere Ornamente sind sorgfältig gearbeitet. Von einer kleineren Synagoge finden sich Trümmer im Nordosten des Dorfes im offenen Felde. Das Gebäude ist bis auf das Hauptportal fast verschwunden. Dasselbe hat ebenfalls reiche Verzierungen und die Oberschwelle trägt eine hebräische Inschrift, welche lautet: „Friede sei an dieser Stätte und an allen Stätten Israels. Jose Levita, Sohn Levi's hat diese Oberschwelle angefertigt. Der Regen komme über sein Werk." Renan setzt sie in das zweite Jahrhundert n. Chr. Geburt. Ein» anderer Ruhni des Ortes sind die Gräber des Helden Barak und des Propheten Obadja, welche schon im dreizehnten Jahrhundert hier erwähnt werden." — In Bädeker's „Palästina und Syrien" heißt es S. 393 über dieselben Ruinen: „Das Dorf Meron, übrigens schon im Talmuds genannt, ist der berühmteste und verehrteste Wallfahrtsort der Juden. Es befindet sich dort die Ruine einer alten Synagoge, von der besonders die aus großen Quadern erbaute Südmauer erhalten ist; die beiden Thürpfosten bestehen aus beinah 3 M. hohen Monolithen. Bei dieser Synagoge, deren N. Seite am Rande eines Abhanges steht, liegt das Grab von Rabbi Jochanan Sandelar (Schuhmacher); in der Einfriedigung des Begräbnißplatzes das Grab von Rabbi Simeon ben Jochai, welcher das Buch Zohar geschrieben haben soll und das seines Sohnes Rabbi Elnazar. Auf den Pfeilern sind kleine Becken, in welchen man an Festtagen Oel verbrennt. Etwas weiter unten am Hügel ist das Grab des Rabbi Hillel und „36 seiner Schüler" in einem großen Felsengemach mit 7 Gewölben." — Kefr Bir'im. Auch dieser Ort war früher ein bedeutender jüdischer Wallfahrtsort (am Purimfeste) und berühmt als Grabstätte des Richters Barak und des Propheten Obadjah; von den Synagogen, die hier standen, sind noch einige Trümmer erhalten. Die eine Ruine liegt in N.-O.-Theile des Dorfes. Vor der Fayade bildeten zwei Reihen von Säulen einen Porticus; er ist wie in Schutt versunken, aber die Säulen der Vordecreihe stehen noch großentheils. Die Capitäle bestehen aus Reifen, die gegen den 1) So z. B. Jez. Schebi 38 d. In Koh. rab. 96 bc. wird erzählt, daß R. Simon bei Meron, aber sein Sohn R. Elasar bei Giskala begraben war. Da erschien R. Simon den Einwohnern von Meron und beklagte sich darüber, daß sein Sohn nicht neben ihm beigesetzt sei. Hierauf holten jene die Leiche, aber die Einwohner von Giskala widersetzten sich mit Stöcken und Speeren. Dennoch führten die Meroniter ihren Vorsatz aus. Redakt.