Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1882)
- Date
- 1882-07-11
- Page
- Seite 470 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Esche Leselfibel vorgelegt. Das Resultat der. eingehenden und sehr lebhaften Debatte über diesen Gegenstand war die von der Conferenz einstimmig angenommene These: „Hebräischlesen-Lehren ist eine.sehr einfache und leichte Sache, die sich in einigen Monaten, ja Wochen, erzielen läßt. s Fertiges Lesen ist nur durch fortgesetzte Uebung zu erzielen, wobei die Mithülfe des Elternhauses als Bedingung vorausgesetzt werden muß." Um 71/2' Uhr Abends wurden die Verhandlungen .des ersten Tages geschlossen, und der, Synagogen-Vorstand lud die Teilnehmer der Conferenz zu einer gemächlichen Zusammenkunft ein. Da der Vorsitzende Blumenau abzureisen genöthigt war, so übernahm für den. zweiten Conferenztag der zweite Vorsitzende, Herr Blumenfeld, den Vorsitz. Vor der Tagesordnung macht Herr Seminarlehrer Treu auf die von ihm herausgegebeue „Liederlust für israel. Elementarschulen" aufmerksam und verthcilt eine Anzahl Exemplare, die der Verleger den Conferenzbesuchern gratis zur Verfügung gestellt hatte. Herr Levi-Neuß hielt nun seinen Vortrag über das Thema: „Nach welchen Prinzipien ist bei der Auswahl eines Buches für den biblischen Geschichtsunterricht zu verfahren, und welche Bücher entsprechen diesen Prinzipien?" — Um den guten Eindruck, welcher die wohldurchdachte Arbeit auf alle Anwesenden gemacht hatte, nicht zu verwischen, wurde beschlossen, keine Discussion daran zu knüpfen; vielmehr wurden folgende vom Referenten aufgestellte Thesen en Kloo angenommen: 1) Der Unterricht in der biblischen Geschichte ist der wichtigste Religions-Unterricht. 2) Das Buch enthalte nur diejenigen Erzählungen, die des geschichtlichen Zusammenhangs wegen oder durch ihren erziehlichen Inhalt von Bedeutung sind. 3) Die Erzählungsweise sei eine kurze, züsammenfasfende, leicht verständliche, nur da wörtlich nach dem Urtexte, wo ein wörtliches Auswendiglernen verlangt werden muß. 4) Dem Geiste nach hat sich das Lehrbuch strengstens nach dem Urtexte zu richten, ohne auf irgend eine religiöse Richtung im Judenthum Rücksicht zu nehmen. 5) Lehren und Nutzanwendungen sind den Erzählungen nicht beizudrucken' ein entsprechender Vers aus der heiligen Schrift kann beigefügt werden, und zwar am Ende der Erzählung. - Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Dortmunds hat sich erboten, den Vortrag drucken zu lassen; er wird demnächst in Brochürenform erscheinen. Für die nächstjährige Conferenz wurden außer der Revision der Statuten der Unterstütznngskasse noch folgende Themata festgesetzt: } 1) Die Freunde uu'd Feinde der jüdischen Schule. Referent: Oppenheimer-Mülheim a. d.. Ruhr. . 2) Der Pessimismus undbie '/©riieljuijjji ^efemtt: , Oßwald-Witten. In den nun folgenden „freien Besprechungen" legt Herr Oßwald-Witten den Kollegen warm ans Herz, mehr noch als bisher für die Unterstützung der in Rußland verfolgten Glaubensgenossen zu wirken. Herr Seminarlehrer Treu . . macht auf die von ihm und Herrn Seminarlehrer Feinstein redigirte „israelitische Lehrerzeitung" aufmerksam. Herr Löb- Cöln bringt, die Lesebuchfrage zur Sprache, und es wird eine Commission 'gewählt, bestehend aus dem Seminardirector Herrn vr. Steinberg und den Seminarlehrern Herren Treu und-Feinstem in Münster, die der Conferenz im nächsten Jahre ihre Ansicht darüber-mittheilen soll, welches von den vorhandenen Lesebüchern für jüdische Schulen sie als das beste empfehlen kann. Hierauf wird zur Sprachegebracht, daß Herr Di-. Philippson in Bonn in einer der jüngsten Nummern der „ Allgem. Ztg. d. Judenthums" bei Besprechung des vom Kollegen Wolff in Rostock herausgegebenen Buches „der jüdische Lehrer/ sein Wirken und Leben" den jüdischen Lehrern eine ungenügende Vorbildung/ und mangelhafte Charakterbildung zum Vorwurf gemacht hat. Die Couferenz spricht ihr ' tiefstes Bedauern darüber aus , . daß Herr vr. Philippson dem ganzen jüdischen Lehrerstande diesen Borwurf ins Gesicht geschleudert hat.*) . Um 12lJ2 Uhr schließt Herr Blumenfeld die Conferenz .mit herzlichen Dankesworten an die Mitglieder, des Vorstandes/ des Schulvorstandes, der Repräsentanten und der Gemeinde überhaupt für die überaus, große Gastfreundschaft, die die Conferenzbesucher in Dortmund genossen haben. . ' ' Der Schriftführer > _____ ' Joseph Gossel, Camen. 1) Wir müssen unsere Verwunderung darüber aussprechen, > daß sich die Conferenz durch Herrn Treu hat verleiten lassen, das Miß verstandniß fortzusetzen, auf. welchem das Ganze beruht. ' Der polemische Art. des Herrn Treu' kam uns erst spät auf Privatweg zu, und wir haben uns sofort in Nr. 24 darüber erklärt. Wir begreifen nicht, wie man aus unsren Worten in der Verthekdigung der jüdischen Gemeinden einen Borwurf.für den ganzen Lehrerstand . heranslesen kann! So wenig, wie Lehrer Wolff alle Gemeinden schildern wollte, so wenig konnten wir alle. Lehrer meinen. Wir könnten zur Charakter isirung dieser Anklage gegen uns Vieles sagen, überlassen aber den Gegenstand der Einsicht der Lehrer selbst. Die Redaktion.