Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1882)
- Date
- 1882-07-11
- Page
- Seite 468 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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468 T Juden tödtlich,. einen anderen schwer verwundet hatten,. zur Entziehung der Staatsrechte und Verschickung in Zwangsarbeit. — Nach einer Meldung des Golos aus Balta hat daselbst am 27. d. M. vor einer Abtheilung des mamenetyschen Bezirksgerichts die Prozeßverhandlung wegen der in Balta gegen, die Juden begangenen Ausschreitungen stattgefunden. Von den Angeklagten sind sechs (!!!) verurtheilb worden, darunter einer wegen tödtlicher Verwundung zu 33 monatlicher Einstellung in eine Arrestantencompagnie (!!!), ein zweiter wegen Nothzucht zu vierjähriger Zwangsarbeit. — Nach einer anderweitigen Mittheilung hat Graf Tolstoi angeordnet, daß die aus Brody repatriirten Juden, die anfänglich in's Gefängniß geworfen wurden, ganz unbehelligt bleiben sollten. — Petersburg, -29. Juni. In Okna im Kreise . Balta haben neuerdings wieder Judenverfolgungen stattgefunden; die Censur hielt die directen Telegramme, welche dem Auslande .darüber berichten sollten, an. Sämmtliche Residenzblätter haben heute Nachrichten über diese traurigen Vorgänge. Moskau, 20. Juni. Es war bis jetzt nicht-recht erkärlich, was den Vater des Panslavismus, den einflußreichsten Publizisten Rußlands, Katkow, bewogen hatte, plötzlich wegen der Judenverfolgungen Front gegen Jgnatiew zu machen und auf die energische Beseitigung jener Hetzer zu dringen, während doch die panslavistische Presse und darunter besonders Katkow's „Moskauer Zeitung" Jahre lang gegen die Juden gewühlt hatte. Ein jüngster Leitartikel giebt darüber einigen Aufschluß. An den jüngsten Ministerwechsel anknüpfend, schreibt-das Organ des Geheimraths Katkow: „Der Wechsel in unserer höchsten Administration hat sich aus der Börse sofort fühlbar gemacht. Die Fonds sind mit einem Schlage um zwei Procent gestiegen. Die Erhöhung wäre, wie kundige Leute versichern, noch bedeutender gewesen, wenn in Europa Alles gut stände. Wir müssen um so mehr .darum sorgen, unsere inneren Angelegenheiten auf solider Grundlage zu ordnen und sie aus den unruhigen Verhältnissen, in welchen sie sich gegenwärtig befinden, zu befreien, .da die Geschichte, wie wir .sehen, nicht stehen bleibt, da in der politischen Welt. sich vielleicht Ereignisse vorbereiten und dann rasch zum Ausbruch kommen können, zu welchen auch wir vorbereitet sein müssen." Hierauf fährt K. fort, die äußerst gespannten Beziehungen zwischen den europäischen Großmächten zu schildern und betont nachdrücklich, daß irgend ein plötzliches Ereigniß die Katastrophe herbeiführen könne. Um dieser Katastrophe willen soll in Rußland also Alles beruhigt werden, d. h. müssen besonders auch die Judenhetzen aufhören. — Durch die letzten - Regierungsverfügungen in der Jud en-Ang elegenheit sind die Güter, in den von den. Juden bewohnten Gouvernements ganz auffallend im Preise gesunken. Die Gutsbesitzer wissen nicht, was sie anfangen sollen, um ihren verschiedenen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen/ da es bereits vorkommt, daß in Folge. abgelaufener Eontracte mitjüdischen Großpächtern und Hypotheken-Besitzern Güter verkauft werden müssen. Rumänien. Galatz, 31. Mai. Der enthält folgende Mittheilung: „Der „Hajoetz" bestätigt seine bereits producirte Nachricht von der Gründung einer Gesellschaft aus reichen und wohlhabenden Juden in Bukarest, mit einem Capitale ' von einer Million Francs, um im heiligen Lande eine Colonie zu installiren, deren Ertrag zehn Jahre hintereinander zu deren Gunsten verbleibe und dann erst bestimmt werde, ob eine Verkeilung stattfinde. Die Gesellschaft gedenkt verschiedene Fabriken in Palästina zu etabliren und andere Handelsoperationen zu machen, um nach und nach Hunderten, ja Tausenden von Familien Beschäftigung gewähren zu können. Es wurde bereits der Beschluß gefaßt einen geeigneten Delegirten nach jenen Gegenden zu senden, um das Terrain an Ort und Stelle zu sondiren." Wenn diese Nachricht auf Thatsachen beruht, so wäre freilich ein fruchtbarer Keim zu einer bedeutenden Entwickelung gegeben. Warten wir. die . Bestätigung ab. Türkei. Konstantinopel, 25. Juni. Das hiesige israelitische Komits hat in der vergangenen Woche eine größere Anzahl russischer Juden nach Salonichi, Smyrna, Brussa und Rodosto transportiren lassen. Die türkischen Behörden der genannten Städte bewährten den . alten Ruf der Türkei als gastfreundliches und tolerantes Land. Sie nahmen die Flüchtlinge in bester Weise auf und sorgten für deren Jnstallirung.- Der Vali von Brussa, Achmet Vefik Pascha, betheiligte sich persönlich an der Unterbringung der jüdischen Handwerker, ließ sie mit Werkzeugen versehen und verschaffte ihnen Arbeit auf mehrere Monate. Bonn, 2. Juli. (Notizen.) Das amerikanischeJudenthum hat-abermals einen schweren Verlust durch den am 5; Juni erfolgten Tod des Rev. Prof. Abraham de Sola erlitten, der durch seine Wirksamkeit und seine Schriften sich in der Geschichte des amerikanischen Judenthums einen ehren- > vollen-HPlatz erworben.. Er war in London 1825 geboren, - und erhielt seine theologische Bildung' von seinem Vater Rev. D. Ä. de Sola und^ dem Rev. David Meldola, den. geistlichen Beamten der spanisch portugiesischen Gemeinde in / London. Im Jahre 1847 schon wurde, er in die portugiefische-Gemeinde von Montreal (Canada) berufen, und ver- - blieb in dieser Stellung durch sein ganzes Leben? Er hielt lange Zeit Vorlesungen über Gegenstände der jüdischen. Ge-