Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-07-11 · Heft 28 (11.7.1882) · p. Seite 466

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 28 (11.7.1882)
Date
1882-07-11
Page
Seite 466 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227422--40034-3257649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Münster, im Juni. (Privatmitth.) Die Marks-Haindorflsche Stiftung (Lehrerseminar) hat ihren 30. Bericht über die zwei letzten Rechnungsjahre erstattet, dessen Ergebnisse folgende sind: Seit der Bekanntmachung vom 15. Oktober 1880 sind in die Lehrerbildungs-Anstalt neu ausgenommen 4 Seminarschüler, geprüft und mit dem Wahlfähigkeitszeugnisse entlassen 6. Im ganzen sind bis jetzt 280 Schulamtskandidaten aus-' gebildet worden. ‘ Die Seminarklasse zählt im laufenden Semester 17, die Elementar- und Religionsschule 55 Schüler. Nach der letzten Uebersicht des Kassenzustandes beträgt die Gesammteinnahme in beiden Provinzen einschließlich einer Schenkung des verstorbenen Herrn M, Löwenstein 300 Mk. und der verstorbenen Wwe. Thirza Steinberg 300 Mk. 17075,74 Mk. Hierzu treten: 1 1. Ausgaben-Rest aus 1879/80 . . . 1260,00 „ 2. Vom Grundeigenthum. . . . . . 2880,00 „ 3. An Zinsen von Kapitalien . . . . 288,96 „ 4. Zuschuß aus der Königlichen Staatskasse 12000,00 „ 5. An Schulgeld der Elementar- und Religionsschüler . . . . . ... 1271,37 „ 6. An Beköstigungs-Zuschuß von Seminaristen . . . .. . . . . . . 1830,48 „ 7. An erstatteten Ausbildungskosten resp. Pflichtbeiträge ausgebildeter Lehrer. . 1758,17 „ 8. Aus dem Judenschaftsfonds des ehemaligen Herzogthums Westfalen von der Königlichen Regierung zu Arnsberg. . 400.00 „ Summa 38764,72 Mk. Die Ausgabe beträgt: , 1. An Besoldungen der Lehrer . . . . 17880,00 Mk. 2. An persönlichen Ausgaben . . . . 3600,00 „ 3. Zu Unterrichtsmitteln . ... . . 115,50 „ 4. Zur Unterhaltung der Utensilien . . 319,26 „ 5. Zur Beköstigung der Zöglinge . . . 8416,05 „ 6. Für Heizung und Erleuchtung der Lehr- und Wohnräume . . . . . . . 328,58 „ 7. Für Reparaturen am Seminargebäude 1522,01 „ 8. An Zinsen, Steuern und Einquartierungskosten . . . . . . . . . . . 2264,84 . 9. Für den Pensionsfonds . ... . 600,00 „ ^10. Insgemein: An Druckkosten . ... . . . 312,90 „ Für Schreibmaterialien und Porto. 242,05 „ An Lehrgeld' und für Turnunterricht 412,60 „ Entschädigung für Halten einer Magd 240,00 „ An Reisekosten, für. Ankauf von ’ Werthpapierew, von Legaten und verschiedene andere Ausgaben . 1248,43 ,, 11. Ausgabe-Rest aus 1879/80 . -. . 1260,00 „ LuraniZ, der Ausgabe 38762,22 Mk. Verglichen mit der Einnahme 38764,72 „ Bleibt ein Bestand von 2,50 Mk. Die beschränkten Mittel, welche noch immer der Stiftung zu Gebote stehen, ließen es nicht zu, die Zahl der zu unter/ stützenden Zöglinge über ein gewisses Maß hinaus zu vermehren und wünschenswerthe Verbesserungen Herzustetten. Das Curatorium bittet daher eindringlich, daß die Zahl der isr. Gemeinden Rheinlands und Westfalens, welche einen jährlichen Beitrag aus dem Cultusetat bewilligten, sich vermehre, und die bisherigen festen Beiträge uns auch ferner gewährt, womöglich erhöht werden. . . Wir empfehlen dies dringend den Vorständen und Repräsentanten der Gemeinden Westfalens und der Rheinprovinz. Oesterreich-Ungarn. Bonn, 28. Juni. (Privatmitth.) Ein ungeheures Com volut ungarischer Zeitungsblätter liegt vor uns, und die unzähligen-Spalten, welche sie mit der Tista-Eßlarer Affaire füllen, bezeugen einerseits, /wie groß .die Aufregung über diesem von den Antisemiten inscenirten Vorgang in Ungarn ist, andererseits aber auch, welchen Antheil an der Urheberschaft dieser Aufregung die Tagespresse hat. Da werden wahre und unwahre Notizen, Berichte, Erklärungen-und dgl. in Masse aufgetischt, und in jeder Zeitung das wiedergegeben, was in den anderen gestanden, hat. Mit einer, die Existenz des ganzen Staates betreffenden großen Aktion, könnte nicht so viel Lärm gemacht, nicht so viel Raum ausgefüllt werden, wie mit dieser Geschichte, von der Jedermann weiß, daß ihr Lug und Trug zu Grunde liegt. Dabei hält die gerichtliche Untersuchung pflichtgemäß Alles geheim, was sich ihr als Thatsache ergeben hat, so daß noch Niemand weiß, wie es um die^ Sache steht. Ein die Sachlage verwirrender Zwischenfall war, daß eine Leiche, mit den Kleidern der Esther Salomossy angethan, aus der Theiß gezogen wurde und die Untersuchung herausgestellt haben .soll, daß dies nicht die Leiche der Esther gewesen. In diesem Falle lag der Versuch vor,, das Gericht zu täuschen,/und woher waren nun die Kleider der Esther genommen? Ob diese noch lebt od,er nicht, kann selbst hieraus mit Gewißheit nicht gefolgert werden. Einstweilen ist ein früherer Schächter Rosenberg, der einen kleinen Laden in Dad hält, gefänglich eingezogen worden, wie es heißt, wegen Theilnahme an jenem verunglückten Versuche. So weit die Nachrichten bis heute. Unterdeß wird die ganze Gegend mit antisemitischen Flugblättern, Pamphleten, und Siegelmarken überschwemmt, und wenn Seitens der Regierung eine Anzahl dieser confiszirt ist, taucht eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.