Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1882)
- Date
- 1882-06-20
- Page
- Seite 411 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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wir Veranlassung zu der Mittheilung, daß die betreffenden Damen die Töchter des Rechtsanwalts Enfil Friedläpder, eines Enkels des weilqnd OberraLLiner Fr. in Beilou, sind. Wir geben von dem an sich ja bedeutungslosen, wenn auch gerade in unserer Zeit immerhin sehr auffallenden Borgange besonders um deßwillest Kenntniß, um unliebsamen Verwechselungen mit einem andern hiesigen hochachtbaren und fest auf dem Boden des Judenthums steheyden Rechtsanwälte vorzubeugen. Was über die Gründe des Uebertritts verlautet, ist zu sehr discreter Natur, um an dieser Stelle besprochen werden zu können. Bremen, 9. Juni. (Privatmitth.) Es freut mich, Ihnen mittheilen zu können, daß sich auch in Bremen ein Comito für "die bedrängten russischen Juden gebildet hat. Unter dem von demselben in den hiesigen Lokalblättern und der „Weser- Zeitung" erlassenen Aufruf befinden sich folgende Namen: H. H. Meier (Vorsitzender des Comitäs, Reichstagsabgeordneter für Bremen), F. E. Schütte (Rechnungsfübrer, Kaufmann). Julius Abraham (Repräsentant der israel. Gem., Kaufmann), George Albrecht (Kaufniann), G. Bloch, Präses der israel. Gem., (Kaufmann), Prof. Dr. Bulle (Direktor des Gymnasiums), Heinrich Claußen (Präsident der Bürgerschaft), Justus Finger (Redakteur der „Bremer Nachrichten"), Victor Gielen (Reichstagsabgeordneter für Aachen), H. M. Hauschild, (Präsident des Gewerbe- und Jndustrievereins), M. Lewinger, (Prediger der israel. Gem.), Dr. Löning (Senatssekretär), Hermann Melchers (Kaufmann), N. Mohr (Redakteur der „Weser-Zeitung"), Prof. Br. Motz (Direktor her Vorschule), Heinrich Neuberger (Repräsentant der israel. Gew«, Kaufmann), Christian Papendieck (Kaufmann), Dr. jur. Schräder (Rechtsanwalt). Für Bremen, wo bis 1848 keine Juden wohnen durften, dürfte die Bildung dieses Comitäs als ejp moralischer Sieg zu betrachten sein. Aschersleben, 6. Juni. (Privatmitth.) Auch hier hahen die angesehensten Bürger einen warmen „Aufruf für die verfolgten russischen Juden" erlassen. Unterzeichnet sind: Dr. Brasack, Professor. Bernhard Gerson, Kaufmann. Ad. Grübler. Dr. med. Gründler, Sanitätsrath. Joseph Herzfeld, Banquier. Isidor Hirsch, Kaufmann. Gustav Hörning, Stadtrath. C. Hugo, Director. König, Amtsrath. Krüger, Stadtverordneten' Vorsteher. Michaelis, Bürgermeister. Riecke, Amtsgerichtsrath. Steinbrecht, Stadtverordneter. Wolf, Stadtverordneter. Bis heute sind über M. 500 eingegangen, die an das Comitä in Berlin befördert werden. , Japhet. Stuttgart, Z. Junü Andem schwarzen Brett des Stuttgarter K. Realymnasiums ist folgender Aufruf andie Schüler dieser Anstalt von dem Rektor, Oberstudienrath Dillmann, zu lesen: „Der gegenwärtige Auszug der Israeliten aus Rußland ist mit einem Jammer und mit Drangsalen verbunden, wie wip sie nur in vergangenen und entflogenen Jahrhunderten finden zu können geglaubt hätten. Denjenigen Schülern, welche ihr Erbarmen und Mitleid mit den Unglücklichen betätigen wollen, will der Unterzeichnete dazu Gelegenheit bieten; sie geben damit ihrem Danke über die glücklichen Verhältnisse in Württemberg Ausdruck und den Unglücklichen Anlaß zum Vertrauen, daß auch ihnen noch eine Zukunft blühe. Ich werde die Namen der Geber, bezw. der Klassen, die etwas zusammen schießen, dem hiesigen Ausschuß für die auswandernden Israeliten übergebem" Oesterreich-Ungarn. . Wien- 4. Juni. Man schreibt von hier: „In Lemberg, Brody und in den Grenzbezirken Galiziens wurde heute mit der Repatriirung der zur Emigration untauglichen russischen Flüchtlinge begonnen. Denjenigen, welche ohne zwingenden Anlaß ihren, von Judenexcessen gar nicht betroffenen Heimathsort verlassen haben, werden die Reisekosten vergütet und ein Handgeld zur Wiederaufnahme ihrer früheren Beschäftigung in Rußland gezahlt. Die Repatriirung geht bisher anstandslos vor sich. Die russischen Grenzbehörden haben sich endlich entschlossen, den jüdischen Emigranten beim Verlassen des russischen Territoriums Pässe abzuverlangen. (Das wird nur zur Folge haben, daß den unglücklichen Flüchtlingen von den Grenzbeamten die letzte Kopeke abgepreßt wird.) Man glaubt nun. erwarten zu dürfen, daß hierdurch die Einwanderung eingedämmt,werden wird." Wien, 8. Juni. (Privatmitth.) Die warme Teilnahme, welche der Kaiser bei Gelegenheit der Audienz, die er dem Rabbiner Löwenstein aus Lemberg gewährte, .für das Geschick der russischen Juden bezeigte, hahen einen hocherfreulichen Eindruck hervorgerufen. Ja, es ruht ein Zauber auf den Lippen dieses Monarchen, und die Ehrfurcht, die ihm speziell die Juden in Oesterreich zollen, wird, womöglich, durch derartige Kundgebungen ' noch erhöht. Das Häuflein von Antisemiten, die es bei uns giebt, glaubte aus der Ansammlung der vertriebenen russischen Juden in Brody Capital schlagen zu können. Zur rechten Zeit kam ihnen das abhanden gekommene christliche Mädchen zu Tissa-Eßlar zu Hilfe. Doch wird ihnen alles das nichts nützen. Wir bringen es hier nicht zu einer derartigen Antisemitenhetze, deren sich Berlin und andere preußische Städte erfreuen(?). Nicht ohne Interesse ist es, daß das hiesige katholische Casino, dessen Mitglieder auch keine Judenfreunde sind, aus das entschiedenste das Vorgehen Schönerer's verurtheilte. Es scheint mir überhaupt,, daß manche preußische Journale, und darunter auch jüdische, den antisemitischen Regungen in Oesterreich eifle größere Tragweite beilegen, als ihnen zukommt. Munster von Schönerer ist eine zu unbedeutende Persönlichkeit und man schießt , nicht mit Kanonen auf Spatzen. Requiescafc,