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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-13 · Heft 24 (13.6.1882) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 24 (13.6.1882)
Date
1882-06-13
Page
Seite 398 (sequence 14)
Language
German
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Als sein Thema bezeichnte der Redner „die Hochziele eines jüdischen Tempels in unserer Zeit" und erläuterte dieselben an der Händ ler Stelle aus, dem Jesäias, welche mit den Worten schließt: -Mein 'Haus soll ein Bethaus ' genannt werden für-alle Völker.^ Danach seien -'jene'Ziele 1. Me Erhebung oder Seelenweihe, 2. die Andacht öder Herzenslveihe, 3. die Milde oder Thätenweihe^ und 4. die Humanität öder allgemeine Menschenweihe. Die Seele fühle die himmlische Weihe schon durch das. bloße- Bewußtsein des Weilens im" Hause Gottes, mehr aber noch im 'Aufnehmen jener erhabenen jüdischen Sittenlehren, Welche, vor Jahrtausenden verkündet, heute noch bei allen Völkern wie Grundlage ihres Lebens -und ihrer gesetzlichen- Verfassung avgeben. Das Herz empfängt seine Weihe von Neuem bei jedem jener wichtigen Schritte im menschlichen - Leben, welche nachheiligem Herkommendie Religionsgemeinde mit ihrem Segenbegleitet, wiein den.großen 'Augenblicken des gesammten Volkslebens; wenn das Vaterland ruft, welches die Lehren der jüdischen Religion von ganzem Herzen und mit ganzer Hingebung zu lieben verpflichten, und. dem das israelitische Volk trotz mancher - unwürdigen Anfechtung stets mit Gut und Blut gedient hat / wenn das Volk seine -patriotischen Feste feiert, dann ziehen auch die Juden als Söhne des großen gemeinsamen Vaterlandes in ihr -Gotteshaus, um für die deutsche Nation und ihren höhen Schirmherrn Gebete zum Himmel zu senden- . Wo aber sinö heutedie Brand- und Schlachtopfer, von denen Jesaias spricht? wv lernt das Herz Milde und gute Thaten, da der Altar im - Tempel- Salomo's umgestürzt liegt seit- Jahrtausenden? -Er - steht' heute - da, wo die Blutzeugnisse,-auf welche diejüdische Religion zurückblickt , nochmals abgelegt werden trotz aller Fortschritte der Kultur und der Wissenschaft; im/ hohen Norden Europas, in Balta und Kiew steht er, wo die Stammesgenossen verfolgt, getödtet, geschändet, geplündert und ausgejagt werden wie wilde Thiere: blutige 'Thaten fürwahr, -vor denen das Haar sich sträubt,/vor denen die^ schwärzesten Greuel des 'Mittelalters verblassen wie Phantome, fluchwürdige Thaten, und doch — fluchet nicht, deün das verbietet unsere Religion! ,betet aber, chaß Milde und richtigere Einsicht die Herzen unserer Feinde besseret Das Haus Gottes soll ein Bethaus sein für alle Völker, eine Pflanzstätte der. Humanität. Als Salomo seinen Tempel weihte, hörte man zum ersten Malern der Geschichte einen König beten,' ddß der Herr Alle erhören möge, die-hier zu ihm kommen würden; die Fremdlinge wie die/Stammesn genossen. Und in derDhat die jüdische Religion ist gänzlich '-frei'von jener Ausschließlichkeit,welche man ihr wegen der treuen- Anhänglichkeit ihren'Bekenner an die.alten heiligen Gebräuche fälschlich zuschreibt; wielmehr umschließt -sie als eine, universelle Glaubenslehre , Alle '''mit .demedlen' Bande der Menschlichkeit, d. h. des gleichen Rechts und' der gleichen Liebe , ' die beide zuerst auf dem Boden von Palästina erwuchsen. Die Seligkeit — so lehrt der vielgeschmähte und wenig gekannte Drlmud — ist kein Sonderrecht' Israels, sondern das gemeinsame Heil Wer Guten und Frommen unter allen Völkern^ Möge dieser Geist, der unverfälschten Nächsten-' liebe auch in dem' neuen Tempel der Gemeinde Bleicherode walten und'im'Laufe der Zeit alle jene Schranken beseitigen helfen/ -welche ohnewahren Rechtsgmnd/üüch im bürgerlichen und gesellschaftlichen Leben nochden Menschen vom Menschenden Bruder' vpm Bruder trennen!" Am Abend sHnd Banket' und Ball statt. Historische Notiz. Anläßlich der', neuesten -Beschuldigung ,' daß die Juden in Tißa - Eßlar ein Christenmädchen gemordet, hätten,' veröffentlicht' „P. Ll." folgenden „Auszug aus dem Protokoll' der am 27. Juli 1791 abgehaltenen „besonderen Kongre- , gation" des Szaboleser Komitats:" „40. Was die' vonder Judenschaft des Landes'erhobene Beschwerde ünbelangt, daß besonders beim gemeinen Volke das Börurtheil wieder aufgelebt ist, als ob die Juden zur Abhaltung des Osterfestes Christenblut , nöthig hätten und sie schon ' viele 'Verfolgungen. dieshalber ‘ erleiden mußten, — . möge, das-Komitat den Leuten dieses Bprurtheil nach . Thunlichkeit aus den Köpfen schlagen und sie belehken, daß ''fl^.weM^GeseMMofis-- und nach /dem alten Testament, auf. denen die mofaische'Religion zumeist beruht, der Mötd ebenso wie nach den' Gesetzen der christlichen Religion' verpönt ist; in Folge dessen" könne man, wenn sich ein oder der andere Jude aus Aberglauben in einen Mord einlasse, denselben, ebensowenig der ganzenjüdischen Nation zufchreiben, als ein von einem Christen verübter Mord zumHaß ^gegen / die ganze Christenheit verleiten dürfte. Uebrigens möge das . Komitat sorgsgm Warans achten, daß die Judenschaft ent-' gegen dem G.-A..XXLVIH dieses Jahres nicht verunglilnpft - werde undmöge das dem gemeinen Volke unter schwerer Strafe verboten sein, ähnliche Fälle aber sollen exemplarisch/ bestraft werden. ' ' Beschluß: -Diese- Verordnung wird' den Bezirks-Oberstuhlrichtern. . zu dem- Zwecke hinausgegeben, daß sie im ganzen/Komitate Kundmachungen üy diesem Sinne, erlassen - und. sollen /sie. jeden derartigen Fall sorgsam invigiliren,. um dadurch 'dem Geiste dieser-Verordnung zu entsprechen." ' / - Archiv': Nr. -11516, ^nno, 1791. Iläbet in' ärcbivo "Comttns de Szaboles Pr. I. 2orn. Nr/451, Nr. 40, Pol.. 7466/1791.' ' ' ' . -

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