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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-13 · Heft 24 (13.6.1882) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 24 (13.6.1882)
Date
1882-06-13
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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- AuS Ungarn, 2. Juni.- Die Tißä-Eßlärer-Affaire wirbelt vielen Staub auf * und die Zeitungen -enthalten die widersprechendsten Berichte-/- die jedoch jeder Authenticitat ermangeln, weil die Untersuchung noch im Gange -ist/ und . deshalb. kein Resultat bekannt sein kann? Das betreffende Dienstmädchen ist weder' lebendig noch tobt bis jetzt wiedergesunden. Im Ganzen befinden sich zehn Personen in Untersuchungshaftdoch sind; ■ noch einige Verhaftungsbefehle ausgegeben worden.- Unter den -Verhafteten befinden sich der: Mißa-EMrer Tempeldiener Joseph Schärf sammt- Frau, der' Schächtes-SalomonSchwdrz, der sechzehnjährige Sohn Joseph S^arsts, Adölph Junger > Abraham Braun,' Samuel ■ Lustige- und -Martin-- - Groß^.- - - Am-'' >1.- April sollen in Tißa- Eßlür bebufs der Schächterwahl vier fremde - Schächter -erschienen sein. Dieswird jedoch von den Verhafteten, mit Ausnahme.des 16 jährigen Scharf, standhaft in Abrede gestellt.- Die erwähnten- und -nochnicht effektuirten Haftbefehle sind eben gegen die vier fremden Schächter gerichtet. Von der. Aufregung unter der christlichen Bevölkerung ist viel gefabelt wordendoch ist glücklicherweise bis jetzt. nichts geschehen -was Besorgniß erregen könnte. In Emöd ist der Richter ein Jude und eine allgemein beliebte Person. ----• — In unserm Leitart. Nr. 23 S. 371 Sp. 2. Z. 6. v. o. ist durch 'einen leidigen Druckfehler „unzweifelhaft" gesetzt' -statt „zweifelhaft": Denn die Meldung ist, als aus - einer Verwechselung entstanden, zurückgenommen worden. Pestkrr Blätter bringen eine'ganz ungeheuerliche Nachricht zur Tißä-Hlarer Affaire:. Nach dieser Meldung soll der Reichstags-Abgeordnetem Onody, welcher neben Jstoczy diese Affaire im ungarischen Abgeordnetenhause zur- Sprache brachte, seit Sonnabend in Tißa-Eßlar vedweilenwo - er - im jüdischen Tempel das'Allerheiligste durchsuchen, den. Boden anfreißen und nach dem Leichnam der Esther Solimossysuchen ließ. Auch im Orte ließ er überall, wo er Erdhügel fand, Bcmern-? wachen .-aufstellen, damit die. Juden den vergrabenen Leichnam nicht, stehlen können.' Nach dem ,)Egyetertes" ist übrigens der in dieser Angelegenheit in Untersuchung gezogene Erlauer Schächter bereits' auf' freien Fuß gesetzt' worden/ nachdem derselbe den Nachweis ' erbracht-hatte-, daßer sich zur kritischen Zeit an einem anderen Orte befunden hatte. " Frankreich. ' Paris, 30. Mai. Baron Hirsch hat seinen Bevollmächtigten mit einer halbem Million- Francs" nach Wien geschickt, um mit diesem Gelde dem ComitS für die ^russichjüdischen'Flüchtlinge unter die Arme zu greifen? Der ge^- - wesend Sekretär der Mdanoo israslits; Julien See, reist heute in derselben Angelegenheit nach'Wien. Baron Hirsch wird, wenn die Notwendigkeit sich heraüsstellt, seine Spende aber^ .mals. bis zu einer-Million'erhöhen? 1 , - - Italien. Modena,12. Mai.. In diesen Tagen fand hier eine Conferenz zur Begründung eines .Rabbinerseminars für Italien statt. - Es' hatten sich auf die ^Einladung der Herren Mortarä und Treves mehrere angesehene - Persönlichkeiten -ausverschiedenen, italienischen Gemeinden eingefunden,-.und zwar aus Rom/Triest, Padua, Venedig, Ancona, Vercelli,. Turin, Livorno und Ferrara.: Man kam überein, daß das neue Institut in Rom gegründet werde, wo die Mittel zu theologischen Studien ganz besonders vorhanden sind;- auch würden die Gemeinden dieser Wahl am ehesten sich fügen. Die -Versammlung wählte auch ein Comits,' um einen Aufruf an alle italienischen Gemeinden zu richten,. sowohl auf ihr Budget bestimmte Beiträge zu übernehmen, als auch besonders etwaige Capitaledie bei ihnen für die Förderung .religiöser Studien vorhanden sind, auf? dieses Sewinar zu übertragen. Das Comite soll auch Pas Status für das. Seminar ausarbeiten, das später von den Vertretern der Gemeinden, welche zur Herstellung desselben - beitragen werden- und von den Individuen, welche wenigstens eine beständige Rente' von 150 fr. spendenwürden, berathen und' beschlossen - werden soll. Wir hoffen, daß auf'diesem Wege Italien, welches, das erste moderne Rabbinerseminar, besessen hat, wieder zu einem solchen gelangen werde. : , Rußland,. ~ Petersburg, 30. Mai. Der Protestier Moskauer Kaufleute blieb nicht vereinzelt. In Nicolajew" legte die . dortige Stadtverordneten-Bersämmlung (Duma) die feste Absicht an den Tag, bei sich keine Judenhetze zu duldenin Charkow plant die Kaufmannschaft eine der Moskauergleiche Petition, worin. eine mit der Humanität und Würde des russischen Volkes übereinstimmende günstige Entscheidung der Judenfrage verlangt werden soll. Auch in-anderen Städten werden gleiche Petitionen vorbereitet. Von der Zeitungspresse ist. .nur - allein noch' die? ,-Nowoje Wremja" Jgnatiew treu gebliebenUnter söchen Umständen M -es wohl -möglich, daß die Judenfrage eine günstige und vernünftige Lösungfindet, ~ günstig in dem Sinne," als sie-die Staatsinteressen nicht schädigt und.-der jüdischen? Bevölkerung eine vom Standpunkt moderner. Forderungen wünschenswerthe? geistige und moralische. Entwickelung möglich macht. -. Petersburg, 30. Mai. (Privatmitth.X Es ist -offenbar, daß in der hiesigen Gesellschaft immer mehr dieErkenntniß? Platz greift, -welchen unübersehbaren Schaden sich Rußland durch-die Verfolgungder -Juden von .unten undvon oben zugefügt hat und immer mehr zufügt. ' Giebt mansich? auch,-den. Anschein) -als ob man sich, .um die Meinungder übrigen- Weltüber -dem. Culturstand des Volkes ' 24* . ..

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