Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1882)
- Date
- 1882-06-13
- Page
- Seite 394 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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trieben wurde, äußerst wenige erreicht werden könne:? Die große Gefahr,'von der Oesterreich durch die Judenverfolgungen in Rußland'bedroht. sei, könne nur'durch energisches Einschreiten des Staates in seinem. eigenen Interesse und . im Interesse der Humanität endgiltig beseitigt werden, vr. Löwenstein schilderte darauf die^ schwere Schädigung, welche nebst..vielen anderen Interessen speziell der Handel Galiziens mit Rußlanddurch die Barbareien gegen die Juden erfahren habe, in' Galizien seien. Bankerotte an der Tagesordnung , da alle Zahlungen aus Rußland stocken kurz,.die wirthschaftliche Kalamität' wachse durch die russischen Judenhetzen - ins Mesen? große. ' Graf Taaffe erkundigte sich darauf um die Details der bisherigen Hilfsaktion und. sprach sichsodann in ziemlich rückhaltsloser Weise über die Situation aus./ Die Lage sei in der Thät eine derartige — -so meinte der Minister-Präsident — daß sie die vollste Aufmerksamkeit der Regierung deräusfordere. Auf die Dauer seien, solche Zustände für Oesterreich-Ungarn unerträglich. Für den Augenblick,sei es die erste Pflicht, die in Brody weilenden Exulanten in ihre neue Heimath ,? nach Amerika, r weiter zu befördern; dabei müsse man imwer darauf achten, daß: nicht - etwa . nur die jungen kräftigen Leute nach Amerika gesendet und. die gebrechlichen, hilflosen und alten Leute in Galizien zurückgelassenwerden? „Wenn Amerika aus der Emigration Vortheil zieht, -muß es sich - auch die damit verbundenen Nachtheile gefallen lassen,, es muß mit den Arbeitsfähigen auch die Arbeitsunfähigen aufnehmen." Weiter meinte Graf Taaffe, diplomatische Schritte - zu machen in der Absicht, die Iudenchetzen in 'Rußland, einzudämmen, das sei nicht seine Sache, das hänge von dem Ermessen des. Ministers des Aeußern ab,- der. gewiß die ganze Angelegenheit mit größter Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit verfolge. Man könne aber leider nicht nur -mit den^Fprderungen. der Humanität rechnen,: die Interessen: des Staates-' seien ausschlaggebend::; Unter allen: Umständen aber ' werde die Regierung Alles, was in ihren -Kräften stehtthun, um den Weitertransports der nach Galizien geflüchteten Juden, bestens zu ermöglichen.----: wenn auch freilich bis jetzt, -zu diesem Zwecke aus Staatsmitteln nichts geschehen sei. -Freilich, — äußerte endlich Graf Taaffe — wenn der Zudrang der Flüchtlinge aus Rußland allzugroße Dimensionen annehmen, sollte, dann werde die Regierung mit Ernst und Energie einschreiteu müssen.. .. ..-Zum Schluffe . der mehr als halbstündigen Audienz theilte Graf Taaffe Herrn vr. Löwenstein mit, daß .ihm die nachgesuchte Audienz bei Sr.^ Majestät -bewilligt: worden sei.. — Nach neuen Meldungen ans Brody sollen die allarmirenden Nachrichten ein-- ^zelner Blätter über die dortigen sanitären Verhältnisse falsch sein. Brody hatetwa 18,000 Seelen/' worunter -14,000 jüdische Einwohner sind. Die Zahl derrussischen Emigranten ist noch nicht sestgestellt, dürste aber nach neuerer Annahme die Ziffer 12,00.0 nicht' überschreiten.- Im Brodyer jüdischen Spitale liegen jetzt-au Patienten 22 Brodyer und 44. Russen? Bei den . Brodyern ist zu bedenken, daß dieden- -b esseren Klaffen Angehörigen in häuslicher Pflege: sinh,während. von den durch Emigranten oceupirten Maffenquärtieren, die-täglich von zwei Aerzten besucht werden, alle Kranken, an. das Spital abgegeben werden. Der Gesundheitszustand der Emigranten ist also, nicht bloß /relativ , sondernd absolut befriedigend. Der Zuzugvon Flüchtlingen: .ist in den - letzten Tagen viel geringergewesen als bisher, doch scheint dies, auf Rechnung,-der jüdischen Feiertage gesetzt werden zu. müssen? Wien, 1. Juni. Die officiöse „Wiener Abendpost" meldet: Der: deutsche Reichskanzler Fürst Bismarck hat im Wege der hiesigendeutschen.-Botschaftgegen Isidor Singer als Verfasser und David Löwy. als Verleger der.Flugschrift mit dem Titel „Wien und Berlin oder der Antisemitismus" wegen der darin gegen ihn enthaltenen ehrenrührigen Ausfälle die Ehrenbeleidigungsklage angestrengt. Da diese Flugschrift auch dem Reichsraths-Abgeordneten Ritter v. Schönerer hart zusetzt, hat auch dieser sich zur Ehrenbeleidigüngsklage gegen die oben Genannten veranlaßt gesehen. (Die an sich mit großer Schärfe und dem. wärmsten Eifer * geschriebene Broschüre (Wien? D. Löwy, Praterstr. 15,1882.) .vergleicht die Vorgänge in Berlin und Wien /inantisemitischer Beziehung, und weiß dann Berlin nicht genug herabzusetzen, Wien nicht genug zu preisen. Der Verf. geht mach, beiden Seiten' zu-weit-,'.und das ist nicht gut.- Aie Hauptanklage besteht. ihm: darin, daß der Antisemitismus, -als Volksaust wiegelung micht sofort; gerichtlich verfolgt worden sei? wie dies.in Wien geschehen ist. Die angestrengte Beleidigungsklage wird wahrscheinlich. dem Vers, eine Strafe, seiner Broschüre aber große Verbreitung verschaffen. -Redaktion.), Lemberg, 30. Mai. Das Centralcomitö beschloß,, vonden hier weilenden 068 russischen Emigranten 212 unter allen Umständen, zu repatriiren. _ Polenblätter melden, die .Statthalterei werde einen ordentlicheil Commissär zur Ueberwachu.ng der Hilfsaktion nach Brody-entsenden.' Der- Zuzug der Flüchtlinge aus Rußland nimmt feit;: $0(^11^096». merf» ■ lich ab. — „Gazeta Lowowska" signalisirt die Verstärkung der Polizei-Organe Brodys durch eine Abtheilung^ von fünfzig Soldaten? um den Zu- und. Abzug der russischen Juden in Ordnung durchzuführen. - : " . Lemberg, .4.. Jnni. Die von verschiedenen .Blättern gebrachte - Nachricht von/der Aufstellung eines MilitäreyrdMs an der russischen Grenze zur Verhinderung der Einwanderung der jüdischen/Bevölkerung aus Rußland ist unbegründet.?. Es ist nur eine, strengere Handhabung der Vorschriften überden -Grenzverkehr angeordnet, und die. Geysdarmerie angewiesen worden, darüber zu wachen,, daß die. Juden nur an'den.erlaubten Punkten über'die .Grenze gehen.. 88