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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-06 · Heft 23 (6.6.1882) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 23 (6.6.1882)
Date
1882-06-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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WAW^^MI^MDMMWÄMKWZHNOK^WMKEk-KMMMWWMW liiaemetn e : Ein nn-Mensches Organ für alles Wische Interesse. -Diese Zeitung erscheint wöchentlich. ar4.»rs «r orti«;****' SSf l# -ämtern /• ■ außerdem durch den S Handel. . Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in. Bonn: Expedition und Verlag: ' Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redaktionellen Angelegenheiten .*■ ------ ”' - ',r'r.S.5ßmIi“-r" “!- wende man sich an vr.L. Philippson in Bonn directin allen-übngen an die BerlagShandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere ein-/ zusenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 6. Juni 1882. > iNo. 23. : Inhalt." Leitende Artikel: Ist -der Staat die Quelle alles Rechtes? II. — Eine Blamage im ungarischen Abgeordnetenhause. —- .Die Wende in Rußlands — Rassische Briefe. VI. — Die Lage der Flüchtlinge in Brody und- Lemberg. —? ZeitungsNachrichten: D e uts chland: Berlin, Hamburg, Meiningen. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Aus Böhmen, Lemberg, Serajewo. — Italien: Rom. Portugal: Lissabon. Rußland: 'Petersburg,-Moskau. — Bonn: Notizen. — Pest: Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine goldene Hochzeit. — Vermischtes: Antisemitische Bübereien. , ' - . 1 ■ Zcik&l'ldc Bonrp, 31. Mai. Ist der Staat Ne Orrelle aües Hechtes l II. In unserem ersten Artikel.haben wir nachgewieftn, daß der Staat nicht die Quelle alles Rechts sei und darum nicht die freie Verfügung über alles . Recht habe, weil esvor ihm Rechte, gab — das Eigenthums-. und das Familienrecht — die unmittelbar aus der Natur des -Menschen erflossen, und aus deren Boden der. Staat..erst erwachsen ist. Er vermag, diese Rechte-nach den veränderten Verhältnissen zu regeln und 'zu, modificiren, niemals' aber astszuheben) ohne seine eigene Existenz in 'Frage . zu stellen. Fahren ‘ wir »hierin fort.. ' ' \ , 4 Ein bekannter. Ausspruch des ' Talmuds,' besagt: ' N3v“iv 'Nno^pl .(Baba kama 113, 1. Baba batra 54, 1.), b: h. „das durch -den'Staat festgesetzte Recht ist Recht," also vollgiltiges Recht. Dieser Ausspruch ist ein'jüdisches -Dogma geworden/-von allen späteren jüdischen Rechtslehrern anerkannt. Mast wird fragen:, heißt -dies etwas Anderes, als der Staat ist die Quelle alles Rechts? Wenn das Recht, wie es vom Staate'festgestellt worden,'nicht blvs.Sache des Gehorsams, den der Staat allenfalls zu erzwingen vermag, sondern auch des Gewissens ist, "das dje^ getreue^ Befolgung des staatlichen^ Rechtes , als'Pflicht-betrachtet, so ist damit ausgesagt,.-daß das Recht vom Staate-ausgeht, daß-er es .ist, derbem'Rechte den-Charakter des. Rechts ertheilt. Jn- .deß: dies ist, es> dochnur^scheinbar. Mit Nichten ist damit ausgeschlossen', daß der Staat auf dem Rechtsboden nicht, an bestimmte, Bedin gnngen,/nicht än^Fundamentalrechte gebunden sei',- deren'Verletzung eine:.schwere Rechtskränkung enthielle. Wir müssen hierbei -auf. die historischen.Umstände rücksichtigen, unter.'welchenjener Ausspruch entsprungen ist. .Er-rührt von Mar-Samuel her, der in Babylonien unter der neupersischen Herrschaft wirkte und um 250 stacht der gew. Zeitr. verstorben ist. Man berichtet von ihm-, daß-er ein Freunds des Königs Schapur gewesen- und' sogar Liber-, ditz. Niedermetzelung. von^ 12,000. Juden in der kappadoeische'n Hauptstadt, als dieft von Schapur eingenommen, wurde, nicht'getrauert stabe, weil 'sie'gegen Schapur gekämpft.hattest.- Die Lage.der Juden unter der: neupersischen Herrschaft wgr aller keine, sehr' günstige, da .sie ihrer bisherigen Selbständigkeit allmälig beraubt und von dem Bekehrungseifer'der Magier, der neupersischen Staatsreligion, bedrängt wurden. Der Ausspruch. Samuels entsprang also einentheils' aus seinem Vertrauen zu seinem königlichen Freunde, anstrentheils aber, und sicherlich noch unmittelbarer, aus seinem Scharfblick, haß die Juden bei hartnäckiger Widersetzlichkeit gegen die pon den persischen-Machthabern-erlassenen Gesetze,sowohl ihr Bestehen, äls -auch den Bestand ihrer Religion gefährden'würden. ^Durch seinen Ausspruch trennte er das. .eigentliche- Religionsgesetz von. ^em.

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