Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-30 · Heft 22 (30.5.1882) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 22 (30.5.1882)
Date
1882-05-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227416--39915-3257524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Zeitung des Judenthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. .——-—i—n. Herausgegeben von Diese Zeitung erscheint wöchentlich. - . WFWWÄÄKuWW Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buch- - - ~ - ' Handel.. . - Expedition und Verlag: / Baurngärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man fich^an vr.L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen: (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere ein- 'zusenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 30. Mai 1882. No. 22. Juball.' Leitende Artikel: Ist der Staat die Quelle alles Restes? I. — Die Großmächte und die Judenverfolgungen in Rußland. II. — Die Auswänderungsfrage und die Statistik. — Neuere wichtige Nachrichten. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Potsdam, Elberfeld, Aus Schlesien, Posen, Straßburg, Furth. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Lemberg, Brünn. — Rußland: Petersburg.— Amerika: New-Work. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Leopold Kompert. \ Bonn, 23. Mai. M der Staat die ©welle alles Rechtes? I. . In einer der jüngsten Sitzungen des deutschen Reichstages .hielt der sozialdemokratische Abg. v. Bollmar eine Rede, von welcher die Berichterstatter sagen, daß sie einen großen Eindruck. und auch außerhalb des Hauses Aufsehen gemacht habe. In derselben sprach er den Satz aus: „Der Staat ist die Quelle alles Rechts", und deshalb habe er auch das Recht , alles Privateigenthum einzuziehen, also, das Eigenthumsrecht. aufzuheben. Aus dem Schooße der Versammlung ging keine. Erwiderung oder Widerlegung hervor, wahrscheinlich weil man die. Rednerbühne des Reichstages für eine/ Erörterung solcher Theoremen nicht bestimmt glaubte. Jndeß weiß man, wie unsre Zeit geneigt ist, derartige Schlagwörter aufznuehmen und ihnen eine allgemeine Geltung einzuräumen, und wie: besonders die Jugend sich ihrer im raschen Fluge bemächtigt. Die Kühnheit, mit welcher da den in der menschlichen Gesellschaft seit uralter Zeit herrschenden Anschauungen widersprochen wirdimponirt und blendet, und,wird erst ein solcher Satz von allen Seiten nachgesprochen, sä belächelt man jede Widerlegung. Man denke nur an den Spruch vom „Kampf ums Dasein." Unsre Zeit ist,für dergleichen Dinge darumbesonders geeignet, weil die Masse der Halbgebildeten so groß, das. Interesse an den allgemeinen Verhältnissen so stark ist, ohne daß damit ein tieferes Nachdenken und eine sorgfältigere Prüfung verbunden wird. Aber abgesehen von der allgemeinen Pflicht, dergleichen gefährlichen Sophismen entgegenzutreten, befinden wir' uns hier aus.dem ureigensten Böden des Judenthums. Dieses unter den bestehenden Religionen allein hat , die Fundamentalgesetze der. menschlichen Gesellschaft bestimmt und consequent ausgesprochen und mit religiös-sittlicher Weihe umgeben. Um so mehr fühlen wir uns aufgefordert, jene sozialdemokratischen Sätze, die sich selbst gewissen Gesetzesvorlagen der deutschen Regierung als Begründung aufdrängen wollen, unsrerseits zu beleuchten.; Bekanntlich bringt die h.. Schrift in ihren ersten 11 Kapiteln Umrisse von den ersten Entwicklungsphasen des menschlichen Geschlechts Mag man nun diese Berichte einerseits buchstäblich als Geschichtserzählung, ' oder andererseits als. Sage und Mythe auffassen: sicherlich enthalten sie Züge aus der Urgeschichte des- Menschen, oder . offenbaren uns doch über diese Urgeschichte die Gedanken einer Zeit, welche jener ungleich näher stand als die ünsrige. Die allererste Ent^ wickelungsstufe ist da das Entstehen des Eigenthums (1 Mos. 4, 2.): „Da ward Abel ein Schafhirt, aber Kain ward ein Landbebauer." Abel betrachtete also seine von ihm gepflegte Heerde und deren Ertrag, und Kain seinen urbar gemachten Boden und dessen Früchte als sein Eigenthum. Daher heißt es weiter: „Kam brachte von der. Frucht .des Bodens ein Opfer dem Ewigen dar, mtd Abel brachte auch j von den Erstlingen seiner Heerde und von ihrem Fette dar."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.