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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-23 · Heft 21 (23.5.1882) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 21 (23.5.1882)
Date
1882-05-23
Page
Seite 347 (sequence 15)
Language
German
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' 347 melden, /.daß für 16,20') Familien mit 67,90t) Mitgliedern und über 18,000 einzelne jüdische Emigranten Auslandspässe im Süden Rußlands ausgefertigt sind. Statistiker behaupten, durch diese Emigration gingen Rußland dreizehn Millionen Vermögen und jährlich sechzig Millionen Rubel Umsatz verloren. Es geht das Gerücht, daß zu Gunsten der in Polen geplünderten Juden dieses Mal der katholische Clerus namhafte Beträge gespendet haben soll, theilweise als Protest gegen seine eigenen russischen Unterdrücker, theilweise als Revanche früherer jüdischer Spenden. Rumänien. Jassy, 1. Mai. (Privatmitth.) In den europäischen Blättern ward bereits vielfach berichtet, daß unter den rumänischen Juden eine große Bewegung stattfinde, um eine Auswanderung nach Palästina in größerem Umfange zu bewerkstelligen, daß zu diesem Zwecke Comites in den größeren Städten des Landes zusammengetreten, daß man eine Commission aus drei Männern nach dem heil. Lande entsandt habe, um die dortigen Verhältnisse zu untersuchen. In Jassy erscheint seit vorigem Jahre eine „Neue jüdische Zeitung" in hebräischer Quadratschrift, in ziemlich gutem Deutsch, welche sich in energischer Weise für diesen Plan bemüht. - Um nun zu erfahren, wie es mit jenen Zeitungsberichten sich verhalte, kann das genannte Blatt am füglichsten dienen. Die Nr. 56 vom 28. April lehrt uns nun, daß die oben angegebenen Thatsachen richtig sind. Aber sie zeigt uns auch, daß die Dinge ganz anders liegen. Der Redakteur des Blattes hat eine Rundreise durch Rumänien gemacht und beklagt nun bitter, daß man sich für diese Angelegenheit völlig abgekühlt habe, die Comitös nichts thun und noch kein Pfennig Geld zusammengebracht worden. In Jassy sagte man, die Provinz solle erst schenken, ebenso in Fokschan und Botuschan; in der Provinz verlangt man hingegen das Vorangehen der Neichen in größeren Städten. Ich sage „Städten", denn die jüdischen Gemeinden in Rumänien haben als solche eine klägliche Beschaffenheit. Dieselbe Nummer bringt einen Bericht jener nach Palästina gesandten Männer. Diese waren in Bairut angekommen und machten eine Fahrt durch die Umgegend. Nun ist bekanntlich diese fruchtbar und zum Theil gut angebaut. Die Herren sind davon entzückt, und versteigen sich sogar zu der Bemerkung, die Alliance, die von der Auswanderung nach Palästina abgerathen hat, sei „belogen worden." Die drei Männer werden es uns nicht verdenken, wenn wir der Autorität des Herrn Charles Netter, der. über 10 Jahre in Palästina gewohnt und es nach allen Seiten hin durchforscht hat, .mehr Glauben beimessen', als ihrer Beobachtung auf einer zweistündigen Fahrt vor den Thoren von Beirut. Wir werden' die weiteren Berichte abzuwarten haben. Uebrigens bemerken sie selbst, daß der Transport der Waaren nur aus Eseln und Maulthieren geschehen könne; es fehlen also alle Straßen, und das ist von keinem geringen Belang.- Ein Drusengeistlicher hat ihnen gerathen, nicht mehr Land anzukaufen, als für 50 Personen genüge. Ob dieser Bericht das erlöschende Feuer für diesen Plan wieder anfachen werde? Die nächste Bedingung ist doch Geld -— und die Alliance, auf deren Beiträge man rechnet, wird sich schwerlich dazu bestimmen, wenn die rumänischen Juden selbst der Sache gleichgültig gegenüberstehen. Jassy, 5. Mai. Die in hebräischer Quadratschrift hier erscheinende „Neue jüdische Zeitung" enthält einen kurzen Bericht über eine Generalversammlung von 29. Delegirten ebensovieler Comitos für die Auswanderung rumänischer Juden nach Palästina an: 3. Mai. In derselben erschien Herr Olifant aus London. Nach einer ' Besprechung der traurigen Lage, in welcher sich die Juden in Rumänien befinden, wo sich die beschränkenden Dekrete der Regierung immer mehr häufen — in den letzten Tagen z. B. wurde den jüdischen Händlern verboten, auf kleinen Wagen oder Karren ihre Waaren zu colportiren — ergriff Herr Olifant das Wort in französischer Sprache, und zeigte, daß auch nicht im entferntesten ein politischer Zweck verfolgt werde, sondern nur die Lage der unterdrückten Juden zu verbessern. Die Flüchtlinge aus. Rußland sollten nach Amerika, die rumänischen nach Palästina. Er werde alsbald nach Constantinopel reisen, um das Nöthige bei dem Sultan durchzusetzen. Die. Hauptsache wäre, Boden anzukausen und dazu wäre eine besondere Commission zu wählen und recht viel Geld herbeizuschaffen. Herr Neuschatz machte darauf aufmerksam, daß man nicht blos auf die Reichen zählen solle; selbst die wenig Begüterten müßten monatlich 1 Frank zahlen, dann würden bald die nöthigen Summen zusammen sein. Herr Neuschatz zeichnete 20,000 Fr., Posner 2,500 Fr., Chajim Lehrer 500 Fr. Man wählte drei Männer aus Bukarest, Tulzia und Galatz in die Commission. Hoffen wir, daß sich noch ein Weiteres daraus ergiebt. Türkei. Konstantinopel, 2. Mai. Herr Alexander, der Vertreter des Comitos für die Auswanderung der bedrückten Juden in Rußland, ist nach mehrmonatlicher Abwesenheit/ wieder hier eingetroffen. Die Frage, welche früher die Hauptschwierigkeit bildete, ist erledigt; die Regierung und das Comito sind dahin übereingekommen, daß die anzusiedelnden Juden türkische Unterthanen werden, müssen.' Eine besondere Bürgschaft, daß. sie solche bleiben -wollen, wird indessen von der Pforte nicht mehr verlangt; sie ist in der That durch das türkische Gesetz hinreichend sicher gestellt, > welches bestimmt, daß nur osmanische Unterthanen Grund-

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