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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-02 · Heft 18 (2.5.1882) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 18 (2.5.1882)
Date
1882-05-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. S8) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. ' Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 46. Jahrgang Leipzig, den 2. Mai 1882. No. 18. InKsU. Leitende Artikel: Frieden oder Krieg? — Der Antisemitismus in Wien und sein Fiasco. — Der Ausspruch des Kaisers von Oesterreich. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M., Berlin. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg, Pnßt6, Spalato. — Rußland: Petersburg, Moskau, Warschau. — Feuilleton: vr. Max Lilienthal. XcU'c^tDc €Uttfi,e£ Bonn, 26. April. Frieden -der Krieg? Es ist gegenwärtig ein Zeitpunkt eingetreten, wie er in der Geschichte der Menschheit bis jetzt selten gewesen: Sämmtliche Völker könnten die Thüren des Janustempels schließen, wie die Römer thaten, wenn sie? was höchst selten eintraf, keinen Krieg zu führen hatten. Nachdem selbst Chili und Peru Frieden geschlossen, Tunesien von Aufständischen gereinigt und Bosnien zur Ruhe gebracht worden, ist der Frieden zwischen den Staaten und Nationen ein allgemeiner. Die Waffen sind auf dem ganzen Erdenrund niedergelegt. Es ist dies sicher eine wohlthuende Erscheinung. Aber ob diese Friedenszeit von längerer Dauer seien und einen chronischen Charakter annehmen werde, das ist die Frage, die kein Sterblicher zu lösen vermag. Denn wenn wir sagten: die Waffen sind überall niedergelegt, so meinen wir dies nur in dem Sinne, daß sie gegenwärtig nicht zum Kampfe verwendet werden. Die ungeheuren Rüstungen, welche alle Völker, die kleinen so gut wie die großen, gemacht haben, werden zu immer größerem Umfange ausgedehnt. Die Groß-' Mächte wie die kleineren, selbst die neutralen Staaten, wetteifern miteinander in der Vervollkommnung und Aufhäufung der Waffen, in der Ausbildung der Soldaten, in den strategischen Vorbereitungen zum Kriege nach allen Seiten hin. Jedes Land umgiebt sich mit einer Reihe starker Festungen und sucht seine Grenzen möglichst unangreifbar zu machen. Dies sieht natürlich nicht darnach aus, daß man auf die Erhaltung des Friedens große Hoffnungen setzt. Jeder Zeitungsleser weiß, wie stark selbst in diesem Augenblick, die, Spannung zwischen mehreren Großmächten ist, die leicht einen allgemeinen Brand herbeiführen könnte. Die Völker erschöpfen ihre Kräfte unter den drückenden Lasten, welcher dieser „bewaffnete Frieden" ihnen auferlegt, denen sich dennoch' kein Volk entziehen kann, das es mit seiner Freiheit und Selbstständigkeit ernst nimmt. Welche großartige Schöpfungen könnten mit diesen Jahr für Jahr ausgegebenen Milliarden vollbracht werden! Wie leicht könnten mit diesen Mitteln die schwersten Probleme der sozialen Frage friedlich und segensreich gelöst werden! Jedermann weiß dies und Niemand vermag. es zu ändern. Und doch ist dies nicht das gefährlichste Moment. Viel bedrohlicher sind die inneren Kämpfe, die in mehreren Staaten den gefährlichsten Charakter angenommen haben, gewaltige Zuckungen, welche den Staatskörper nicht bloß erbeben machen, sondern die wesentlichsten Organe ergriffen und außer Funktion gesetzt haben; .Erschütterungen, die den ganzen Aufbau der Gesellschaft umzustürzen drohen. Es handelt sich hier nicht mehr blos um den Streit politischer und kirchlicher Parteiey, welcher die Kämpfenden schließlich doch in den Gefühlen und. 8er Opferwilligkeit für das, Heil, des Vaterlandes sich vereinigen-läßt, nur daß sie über Wege, die dahin führen, Verschiedener Ansichten und Ueberzeugungen sind — sondern um ,l. >8 \

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