Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1882)
- Date
- 1882-04-25
- Page
- Seite 282 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Warschau wird uns telegraphirt, daß die Ruhe der Osterfeiertage attein den behördlichen Vorsichtsmaßregeln zu danken ist. Die Gensdarmerie war verstärkt und den Schanklokalen verboten zu öffnen. .. — Es ist höchst bemerkenswerth, daß die jüngsten Maßregeln des Ministers des Innern gegen die Juden selbst dem Herrn Katkow, dem Vater des Panslavismus, dem einflußreichsten Publizisten Rußlands zu arg erscheinen. Nach, dem Interdikt, welches die jüdischen.Apotheker betroffen, hat Graf Jgnatiew denjenigen Juden, welche wegen des hohen Miethzinses in den Petersburg umgebenden Ortschaften wohnen, aufs Strengste verboten, in Petersburg thätig zu sein. Katkow zieht nun gegen solche vexatorische Maßregeln zu Felde, welche einige hundert Familien brodlos machen, ohne auch nur den geringsten Nutzen zu schaffen. Ohne Eindruck wird diese Polemik des großen russischen Publizisten nicht bleiben. — „Sarja^ meldet, daß in Folge des Apotheker-Erlasses dort die besten Apotheken entvölkert, und daß in letzter Zeit über 5000 Juden aus Moskau ausgewiesen sind. Die Judenkommission, obwohl selbst antisemitisch gesinnt, mißbittigte die Verfügungen Jgnatiew's bezüglich der jüdischen Apotheker und des Verbotes, daß Juden, welche in der Umgebung Petersburgs als Kaufleute eingeschrieben sind, in der Residenz keinen Handel treiben dürfen. Bonn, 16. April. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin: Am 5. d. M. ist wieder ein Veteran der Freiheitskriege, der Dr. Aron Simon Hierselbst, aus dem Leben geschieden; er hat ein Alter von 84 Jahren erreicht und war somit der älteste Arzt Berlins. Im Jahre 1797 in Greifenberg in Pommern geboren, hatte er nach Absolvirung der Gymnasialstudien in Berlin die Universität bezogen, als er zu den Waffen gerufen wurde; er machte als freiwilliger Jäger im Colbergischen Infanterie-Regimente die Feldzüge mit- und legte nach der Rückkehr im Jahre 1817 das Doktor- Examen ab, Dann ließ, er sich in Colberg nieder und wurde bald der beliebteste und gesuchteste Arzt in der Stadt und dem Bade. In die Ehrenmänner der Stadt gewählt, that er ungemein viel für die Verschönerung der Anlagen, bis ihn eine Differenz mit der Regierung veranlaßt, im Jahre 1847 seine Stellen niederzulegen und nach Berlin überzusiedeln. Hier betheiligte er sich an der Bewegung des Jahres 1848, indem er die Bürgerwehr zu organifiren suchte und in der letzten Zeit als Major an ihre Spitze trat. In der - Reactionsperiode suchte er nach Kräften in freiheitlichem Sinne zu wirken, wie er denn bis in sein hohes Alter ein lebhaftes , Interesse an der politischen Bewegung gehabt, und 'selbst bei den letzten Wahlen sich noch betheiligt hatte. Eine Krankheit von wenigen Tagen hat seinem Leben ein Ziel gesetzt. Die Beerdigung fand am 9. d. statt. Es hatte sich eine stattliche Zahl Leidtragender, besonders viele der namhaftesten Aerzte unserer Stadt, eingefunden, während zahlreiche wissenschaftliche Vereine dem Entschlafenen Kränze und Palmen gewidmet hatten. Der Rabbinats-Assessor Dr. Frankl hielt die Gedächtnißrede, während die Beisetzung/auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee erfolgte. — Am 13. d. starb Bruno Bauer (geb. 1809) auf seinem kleinen Bauernhof bei Berlin. Derselbe ist als der eigentliche Vater des Antisemitismus anzusehen. Im Jahre 1842 trat er zuerst in den „ Deutschen Jahrbüchern für Wissenschaft und Kunst" mit einem Aufsätze „Die Judenfrage" auf, der alles im Keime enthielt, was sich seitdem Judenfeindliches in Deutschlaüd entwickelt hat. Diesem Aufsätze-folgten bald Broschüren im gleichen Sinne. Es ist nicht uninteressant, unsren Leitartikel gegen diesen Aufsatz in Nr. 48, Jahrg. 1842, nachzulesen, in welchem wir den späteren Lebensgang Bruno Bauers im Voraus skizzirten.— Anzeigen. , T-n CAVCl fo werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- (Xt l/C folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von E. Messe in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu. adressiren. Harante Schächterstelle zu Umstadt a. d. Haardt (bayr. Wal;). In der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wird bis Johanni a. 6. die Stelle eines vacant und soll an genanntem Zeitpunkte mit einer geeigneten Persönlichkeit wieder besetzt werden. Die Erträgnisse dieser Stelle dürften die Summe von 1000 bis 1200 Mark pro anno erreichen. Der anzustellende Schächter hat auch den zweiten Kantordienst zu versehen, wofür eine besondere Entschädigung geleistet wird. Bewerber wollen ihre Gesuche, denen Abschriften der Würdigkeitszeugnisse beigeschlossen sein müssen, in Bälde an den Unterzeichneten Synagogen-Ausschuß-Vorstand einsenden. Rücksendungen von Zeugnissen finden nicht statt. Neustadt a. d. Haardt, den 19. April 1882. [F. 6304] Der Synagogen-Ausschuß-Borstand William Wolff, Ich suche für meine Schulanstalten einen Lehrer zu engagiren. Fixum Mk. 750 und freie Wohnung. Einem tüchtigen gründlich gebildeten jungen Manne kann eine angenehme und einträgliche Stellung versprochen werden. . [5765] Dr. J. Riilf in Memel. Verlag von J. Kauffmann in Frankfurt a. M. Soeben erschien: [61101 Die Russischen Judenverfolgungen. Fünfzehn Briefe aus Süd - Rußland. Preis 60 Pf , bei frankirter Zusendung 70 Pf. Der Reinertrag ist zur Unterstützung der russischen Juden bestimmt.