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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-25 · Heft 17 (25.4.1882) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 17 (25.4.1882)
Date
1882-04-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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erneute ä ♦ J 4 4 Ein lm-arteiWes Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und.Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende inan sich an vr. L. Phtlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. . Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. 46. Jahrgang. Leipzig, deu 25. April 1882. JVo. 17. Inhalt. Leitende Artikel: Pindar and David. Eine vergleichende Skizze. IV. Schlußbetrachtung. — Fünf Wochen in Brody unter jüdisch-russischen Emigranten. — Anti-semitische Bestrebungen in Wien. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Fürth, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London.— Rußland: Petersburg, Warschau. — Bonn: Notizen. SciVc'i'iDc <0UlÜlei?. , Bonn, 19. April. pindar «nd David. Eine vergleichende Skizze. IY. Schlußbetrachiung. In den Psalmen wie in den Siegesgesängen Pindars Haben wir die lyrische Verklärung der Volksreligion. Nicht die dogmatische Fassung, nicht die philosophische Reflektion oder gar ein Philosophen! wird uns in denselben geboten, sondern wie die Religion, die Vorstellung des religiösen und sittlichen Mom ents das Leben des Volkes durch - fluthete und 'aus ihm, wiederum sich herausbildete und gestaltete, wiedergespiegelt in den Empfindungen und Anschauungen des Sängers. Hier ist es nun, wo sich die tiefeingreifende Verschiedenheit der hebräischen und der hellenischen Volksreligion offenbart, gerade weil beide in ihren Sängern sich von allem Gemeinen und Niedrigem losgelöst und in der Fülle der Gefühle und im Schwünge der Phantasie sich zu der Höhe emporgeschwungen haben, die zu erreichen ihnen möglich war. Diese Verschiedenheit zeigt sich uns zunächst in den historischen Thatsachen. Die. hellenische Religion, gleich der hebräischen aus grauer Vorzeit stammend, mit den Vätern der Volksstämme ins Land gekommen, bestand nach Pindar noch eine Reihe von Jahrhunderten, bis sie,' verknöchert und abgestorben, ihren Opferkultus streng bewahrend, einer neuen Ideenwelt weichend, rühmlos zu Ende ging. Sie that dies allerdings nicht ohne Kampf und Widerstreben, was immerhin für ein kräftiges Leben im Volke zeugt. Sie hatte schon früher gegen ab- und ausweichende Meinungen zu denselben Waffen der Abwehr gegriffen, wie andere Religionen nach ihr sie gebrauchten. Schon um das Jahr 410 vor d.. gew. Zeitr. wurden in Athen die Schriften des Philosophen Protagoras, namentlich die „von den Göttern" öffentlich verbrannt, weil sie die Existenz der Götter zu leugnen schienenl), und ihr Autor mußte vor den athenischen Schiffen flüchtig werden, wobei er im Meere ertrunken sein soll. Um das Jahr 435 würde Anaxagoras der Verletzung des Götterglaubens angeklagt, und es bedurfte alles Einflusses seines Freundes Perikles, um ihn von der Todesstrafe zu befreien ' und zur Verbannung „begnadigen" zu lassen. Im Jahre 400 endlich wurde Sokrates wegen Lästerung der Götter angeschuldigt, verurtheilt und durch den Schierlingsbecher 1) Wenn vor Kurzem Fr. Kapp in einem interessanten Aufsatz („Freie Stunden" S. 10.) meinte, daß die Schrift des Protagoras die erste gewesen, welche, soweit die Geschichte berichtet, verbrannt worden, so irrt er, da ungefähr 200 Jahre-früher (605 vor dg. Zeitr.) der König Jojakim die Buchrolle des Propheten Jeremias, als sie ihm vorgelesen wurde „zerschnitt Und ins Feuer in der Kohlenpfanne warf, bis die ganze Rolle auf dem Feuer in der Kohlenpfanne verzehrt war". (Jerem. 36, 23 ff.) Wenn die Schrift des Protagoras durch das Verbrennen in Athen verloren ging, so erreichte Jojakim seinen Zweck nicht, da der Prophet den Verfolgungen des Königs glücklich entging, während Protagoras auf der Flucht ertrank. So konnte der Prophet seine Reden noch einmal, wie uns weiter berichtetwirdseinem-Schreiber Baruch dictiren, daß sie für. alle Zeiten erhalten wurd.en.

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