Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1882)
- Date
- 1882-04-11
- Page
- Seite 248 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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doch auf ein sehr geringes Maß beschränkt ist. Einer alten Erfahrung gemäß giebt es solcher Ehrenmitglieder zwar in allen Theilen Deutschlands, jedoch nur in geringem Maße (z. B. in Berlin nur 8), während das Haupteontingent vom Sitze der Vereinsverwaltung, in diesem Falle Frankfurt a. M., gestellt wird, während die Wirksamkeit des Vereins sich, wie wir oben sagten, auf ganz Deutschland erstreckte. — Das „Franks. Journal" erinnert daran, daß seit langen Jahren bereits hier in Frankfurt ein jüdischer Verein „Zur Befö.rderung der,Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen" besteht und segensreich wirkt. Diesem Verein fiel vor einiger Zeit ein Legat des Herrn Dr. Goldschmidt in Paris, zu, für dessen Annahme die Genehmigung des Kaisers nachgesucht werden mußte. Das Aktenstück ging nach Berlin und kam „genehmigt" mit nachstehendem Randvermerk von des Kaisers Hand versehen zurück: „Es wäre mir erwünscht, Näheres über die Wirksamkeit Ihres schönen Vereins zu erfahren." Selbstverständlich wurde diesem Wunsche sofort entsprochen. Iserlohn, 23. März. Ein Akt der Rohheit ist laut der „Jserl. Ztg." in der Zeit vom Donnerstag zum Samstag Mittag auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe verübt worden. Nicht weniger als 6 Grabsteine sind daselbst frevelhafterweise zerstört worden. Daß bei diesem Bubenstück mehrere Personen betheiligt gewesen sein müssen, beweist der Umstand, daß auf einem Grabe auch der Sockel eines Denkmals, welcher ein Gewicht von 300 bis 400 Pfund hat, umgeworfen wurde. Breslau, 28. März. (Privatmitth.) Die hiesige „Gemeine-Religions-UnterrichtsMnstalt", an deren Spitze Rabb. Dr. M. Joöl steht, und die — in wachsender Zahl— gegenwärtig 435 Zöglinge zählt, hat ihren 39sten Jahresbericht ausgegeben. Aus dem Vorworte Joöl's heben wir folgende, von allen Eltern wohlzubeherzigende Worte hervor: „Das Recht darf ein Unterricht in der Religion,für sich in Anspruch mehmen, daß er den Vortritt hat vor allem, was nicht obligatorisch von den Schülern gefordert wird. Man tritt im geringsten nicht den Künsten und Fertigkeiten zu nahe, die neben den obligatorischen Gegenständen zur Zierde des Lebens der Jugend beigebracht werden, wenn man behauptet, daß an den Schmuck erst gedacht werden darf, wenn das Unerläßliche beschafft ist. Was dem Leben Halt und Stütze gewährt, was die Jugend vorbereitet, dem Leben in seinen Wandlungen ein demüthiges und doch auch tapferes Herz entgegenzubringen, was sie zur Pflicht erzieht und ihr das Leben in einem edleren Lichte zeigt durch seine Verbindung mit einem Ewigen und Uebersinnlichen, kurz, die Religion, sie muß als Erziehungsgegenstand höher stehen als das, was nur zur Annehmlichkeit oder zum äußeren Schmucke dient, so wenig auch das zu verschmähen ist." , Köln, int März. (Privatmitth.) Eine der rühmenswerthesten Wohlthätigkeits-Anstalten unsrer Stadt ist das „Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache", das vor 14 Jahren von der Familie Eltzbacher gegründet worden und mit vieler Sorgfalt gepflegt wird. In diesen Tägern wurde der Bericht über die Wirksamkeit der Anstalt während der letzten 4 Jahre ausgegeben. Er zeigt uns dieselbe in bestem Fortschritt und waren im Jahre 1881 12 Altersschwache in ihr anwesend und 57 Kranke ausgenommen und behandelt, von welchen 43 geheilt, resp. gebessert, 2 ungeheilt entlassen worden und 5 gestorben sind. Zu bemerken ist, daß, während alle Einrichtungen ker Anstalt streng nach' den jüdischen Ritualvorschriften gehalten werden, auch ein Betsaal, in welchem der jüdische Gottesdienst rite ausgeführt wird, in ihr besteht, doch auch christliche Kranke Aufnahme und Verpflegung finden. Mit wenigen Ausnahmen übt die Anstalt ihre Wirksamkeit unentgeltlich. Die Gesuche um Aufnahme mehren sich in dem Maße, daß der Ankauf eines benachbarten Terrains und die Vergrößerung der Baulichkeiten erforderlich sind, wozu aber die vorhandenen Mittel, wenn die bisherige Wirksamkeit nicht darunter leiden soll, nicht ausreichen. Das Curatorium versandte daher schon im vorigen Jahre einen warmen Aufruf zu Spenden, der auch nicht ohne Erfolg blieb, wenn auch noch nicht in genügendem Maße. Mit Recht bittet daher das Curatorium auf fernere Berücksichtigung seiner Anstalt, die zu den segensreichsten ihrer Art gehört und deren Wirken ja nicht auf Ort und Provinz beschränkt ist. Der Bermögensstand des Asyls war am 31. December 1881 M. 339,596. Mögen die Erwartungen der Ehrenmänner, die diesem Werke der Barmherzigkeit so viele Mühewaltung widmen, in vollem Maße erfüllt werden. Oesterreich-Ungarn. . Wien, 29. März. (Privatmittheilung.) Wie wir schon angedeutet, werden gegenwärtig hier Versuche gemacht, die in Berlin zum Stillstand gekommene antisemitische Agitation ins Leben zu rufen, und fand zu diesem Zwecke eine Versammlung in den Dreher'schen Lokalitäten statt, die jedoch sehr tumultuös ausfiel. Besonders that sich der Abgeordnete Schönerer hervor, welcher ausrief: Man müsse die Arbeiter als die „Infanterie der Antisemiten" gewinnen. Am 25. d. Nachmittags zwei Uhr fand nun eine Arbeiterversammlung statt, in welcher mindestens 6000 Arbeiter die beiden Riefensäle und den weiten Hof des Zobel'schen Etablissements dicht gedrängt füllten. Nachdem der Abg. Kronawetter eine allgemeine Rede über „die Forderungen des vierten Standes" gehalten, ergreift der Eisentrödler Mayer das Wort. Derselbe äußert sich mit Entrüstung über die sonderbare Rolle, welche der Abgeordnete Schönerer in der skaudalöselt Ber-