Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1882)
- Date
- 1882-04-11
- Page
- Seite 246 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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. 246 . das kleine Holland, das auf der Landkarte, im Vergleiche zu dem riesigen Zarenreiche, einen nur eben wahrnehmbaren Fleck einnimmt, mit Hoffnung auf einen einigermaßen guten Erfolg thun, um diesen jeden Menschenfreund betrübenden Rückschritt zu verhüten? Wenig, und doch viel! Holland kann Rußland geben, was es seinem großen Zar schon einmal zu sehen gab, nämlich: ein gutes Vorbild. Holland ist der klassische Boden der Eintracht, wo Juden und Christen seit Jahrhunderten friedlich neben einander leben. Zeigen wir der Welt, daß dem noch immer so ist; nicht durch bewegte Versammlungen, wie sie in England gehalten werden, nicht durch heftige öffentliche Zeichen der Mißbilligung und Entrüstung, wo Mitleid viel eher angebracht wäre, nicht nur mit den unglücklichen Verfolgten, sondern auch mit ihren verblendeten Verfolgern, die, soweit sie den nieder» Ständen angehören, zu wenig entwickelt sind, um für zurechnungsfähig gehalten zu werden. Zeigen wir dieses Mitleiden auf einfache, aber zugleich kräftige, echt holländische Weise, dadurch, daß wir Geld zusammenbringen, bestimmt, die verarmten und aus ihren Wohnungen vertriebenen russischen Juden zu unterstützen. Wir hoffen,-daß in allen Städten und größeren Plätzen unseres Vaterlandes sich Männer finden werden, die ebenso wie wir es hierdurch für Utrecht und seine Umgegend thun, sich bereit erklären werden, zu diesem Zwecke Gelder in Empfang zu nehmen und dadurch zu bezeugen, daß in Holland über jeden Unterschied des Glaubens sich ein Geist erhebt, der alle seine Bewohner zu einem gemeinsamen Volke verbindet, nämlich: der Geist der Menschlichkeit. Utrecht, 28. März 1882. - (gez.) P- Harting. (£ H. D. Buys-Ballot. -C. W. Opzoomer. W. Mallinckrodt, Secretair. Die Unterzeichner dieses Aufrufs, sämmtlich Christen, sind weit über die Grenzen Hollands in höchster Achtung stehende Männer der Wissenschaft, Professoren an der Universität zu Utrecht. Harting ist Professor der Mathematik und der Naturwiffenschafen, Buys-Ballot desgleichen und zugleich ein berühmter Astronom, Opzoomer ist Professor der Philosophie. Deutschland. Berlin, 31. März. (Privatmitth.) Agitationen machen gewöhnlich sehr viel Lärmen von sich, ohne daß ihnen viel Ahatsächliches zu Grunde liegt. So sind die meisten antisemitischen Zeitschriften nach kurzem Bestände wieder eingegangen, z. B. Henrici's „Reichsherold" und selbst die Wochenschrift „Im neuen Reich" konnte ihren Untergang durch ihre antisemitischen Aufsätze nicht aufhalten. So haben wir auch heute zu bemerken: Der „Staats-Soeialist" der Pastoren Todt, Stöcker und Gen. kündigt in seiner neuesten Nummer sein Eingehen an, er geht ein, „weil die Weiterentwickelung der christlich-socialen Bewegung andere Mittel der Propaganda erfordert." Natürlich bedeutet die letzte Phrase nichts Anderes als daß der Mangel an Abonnenten zum Aufgeben des Blattes zwang. —. Ueber die, bereits auch von uns angekündigte, am Sonntag Mittag im Festsaale - des Rathhauses stattgefundene Gedächtnißfeier für Berthold Auerbach, veranstaltet durch den Verein „Berliner Presse", welchem der Dahingeschiedene seit dessen Bestände als Mitglied angehört hatte, berichten hiesige Blätter folgendes Nähere: Der große Saal war von einer gewählten Zuhörerschaft dicht erfüllt, , zahlreiche Koryphäen der Wissenschaft, der Literatur und Kunst, Vertreter der städtischen Corporationen, Freunde und Verehrer Auerbach's, beherrschten die Physiognomie der Versammlung, die Gattin des Verstorbenen nebst ihren Kindern nahm die Ehrenplätze der Vorderreihe ein. Hinter der Rednertribüne baute sich eine majestätische Gruppe von Dekorationspflanzen auf, aus welcher die Büste Auerbach's emporstrebte. Die Gallus'sche Motette: „Siehe, wie dahinstirbt der Gerechte", von Mitgliedern des Domchors gesungen, leitete die Feier ein, worauf Robert Schweichel die Tribüne bestieg, um den Lebenslauf Auerbach's, seinen Entwickelungsgang, seine Bedeutung für das geistige Leben in Deutschland zu schildern. Von einem Referate über die Packende, nach Inhalt und Form mustergiltige. Rede kann hier umsomehr abgesehen werden, als das Thema in den letzten Wochen so vielfältige Behandlung in der Presse gefunden hat; es genüge zu bemerken, daß die Wirkung der Judenhetze auf das Gemüth des Verstorbenen, wie sie vornehmlich dessen Briefe an einen Kölner Freund bekunden, eingehende und gerechte Würdigung fand. Das Verlangen Auerbach's, nach jüdischem Ritus beerdigt zu werden, sei eine beredte Demonstration gewesen gegen die Verunglimpfung seines Volkes. Nach dem Vortrag trug Hofschauspieler Ludwig einen von H. Kletke gedichteten schwungvollen Epilog vor, nach dessen warm empfundenen Worten: „Wir hatten nicht den treuen Freund, wir haben Ihn immer noch — sein Denken, Fühlen, Sein Hat sich ins Herz mit goldner Schrift gegraben ' Mehr noch als je.des Denkmals Erz und Stein. Und eilt die Zeit mit wanderflücht'gem Schritte An Gräbern hin— er lebt in unsrer Mitte, der Gesang des herrlichen Liedes: „Ich kenn' einen hellen