Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1882)
- Date
- 1882-04-04
- Page
- Seite 232 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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ohne Einfluß blieb, war. der Verstorbene ein ausgezeichneter Lehrer, . dem die meisten der heutigen Rechtsgelehrten Hollands ihre gründlichem Basis zu verdanken haben. Im Jahre. 1858 zum Prof, des römischen Rechts ernannt, wußte er den Hörern für dieses trockene Studium durch begeisterte Vorlesungen und praktischen Unterricht ein solches Interesse einzuflößen, daß seine Collegien bald zu den besuchtesten der Universität gehörten. Das maßgebende „Handelsblad" sagt in dieser Beziehung: „Es wird nicht leicht fallen, ihn als Professor zu ersetzen, denn gerade durch die Richtung und den Geist seines Unterrichts hat er sich einen unvergeßlichen Namen erworben." \ Aber wer wollte seine unerschöpfliche Thätigkeit als Mensch, als Staatsbürger, als Jude vergessen?-Wenn die Juden hier zu Lande irgendwie angegriffen wurden, war er der erste, der für sie eintrat, mit Wort und That ihre Rechte, ihren Charakter vertheidigte und an's Licht der Wahrheit brachte. Als langjähriger Mitarbeiter, der Thims, als Mitglied des Gemeinderatbs, als Präsident der Examencommission für Rabbinen und Religionslehrer (er war auch Talmudist), als Vorsitzender des Vereins „tot nut der Israeliten in Holland", als einer der feurigsten Redner im holländischen Juristenverein u. s. w., hat er eine große Thätigkeit entfaltet, viel Nützliches, geleistet , viel Gutes gestiftet und ist so mancher gesellschaftlichen Einrichtung eine feste Stütze gewesen. — Wer betrauert den Tod eines solchen Juden nicht? Frieden seiner Asche! D, Einige charakteristische Ziige aus »nserm synagogalen Gekrtbuche. Wenn ein Gebetbuch, aus kleinen Anfängen entstanden, im Laufe von Jahrhunderten erweitert und abgeschlossen worden , und dann über, ein Jahrtausend dem Volke in den Händen, auf den Lippen und im Herzen weilt, von ihm ebensosehr als auferlegte Pflicht, wie als Schutz- und Trutz- .. mittel in allen Lagen des Lebens, in allen Stimmungen des.. Gemüthes betrachtet und gehaudhabt wird: so muß wohl dieses Gebetbuch als eine Schöpfung und als ein Eigenthum der Volksseele angesehen werden. Wir haben schon öfter hervorgehoben, daß der Gebetcultus überhaupt ein Erzeugniß des Äudenthums ist. / Gebete fanden natürlich bei allen Völkern in Verbindung mit dem Opfercultus statt, und die Hymnologie ist daher keine spezifische Eigenthümlichkeit der israelitischen Poesie in Psylmen, wenn auch das Gebet in diesen Psalmen zur höchsten Entfaltung, gekommen: Aber die Bildung des. Gebetcultus als eines abgesonderten gottesdienstlichen Institutes neben dem Opfercultus und der vollberechtigte Eintritt en die. Stelle des Opfercultus, als dieser äufhörte, ist ein Produkt des Judenthums, angenommen vom Christenthum und Islam. Unser synagogäles Gebetbuch, wie es, abgesehen vom Machsor, vor uns liegt) ist zusammengesetzt aus Psalmen und. aneinandergereihten Psalmenversen und aus eigenen, prosaischen Gebeten. Wenn nun die Psalmen mehr das Allgemeine, die Erhebung und den Aufschwung des Geistes zu Gott in Lobpreis, Dank und Bitte, sowohl um Rettung als um Verzeihung, zum Ausdruck 'bringen, so gehen die Gebete vielmehr in das Individuelle, in die persönlichen Lagen und Empfindungen ein. Da kann man schon von selbst voraussetzen, daß sich viele charakteristische Züge beachten und auffinden lassen. Ursache und Wirkung verwachsen hier miteinander. Denn was aus der Volksseele 'herauswächst, das wirkt wieder auf dieselbe zurück und bildet. an ihr für die Zukunft. Hier wollen wir eines vorausnehmen. Innerhalb des mosaischen Gesetzes wird selten ein Prinzip ausgesprochen, vielmehr ein solches in ein spezielles Gesetz gekleidet, oder wenn es als Prinzip ausgesprochen wird, ist ihm eine, spezielle Verordnung alsbald zugesellt. Es war dies von großer Bedeutung für die praktische Verwendung. im wirklichen Leben der Menschen. Nur allzu oft haben sich, innerhalb der Religionen die schönen, sentimentalen Phrasen breit und geltend gemacht, ohne daß sie auf das wirkliche Leben eine eingreifende. Wirkung gehabt. Man berief sich auf jene schönen Worte als zur lichtesten Klarheit,des Himmels hinweisend, während der Strom des Lebens trübe und wild dahinfloß, bald zerstörend, bald verschlammt. Dies war für das Judenthum als solches nicht möglich, weil hier überall das Allgemeine, die abstrakte Satzung ins Reale und.Individuelle eindrang und so bestimmte Pflichten formulirte,. daß sich Niemand, ihnen entziehen konnte, ohne zum Bewußtsein der Schuldhaftigkeit zu kommen. Diese Richtung, belehrend und gestaltend, das wirkliche Leben zu beeinflussen, tritt auch in den synagogalen Gebeten, in dem prosaischen Theile derselben zu Tage. Und hierüber wollen wir zunächst einige Beispiele bringen. — Schon in den ersten Morgengebeten ist es eigenthümlich, daß nach der Benediction über die. Verleihung der Lehre und dem zu recitirenden' Priestersegen, ein. Satz aus der Mischna Peah 1, 1 eingefügt wird. Er lautet in der Mischna: „Dies sind die Dinge/ für welche kein gesetzliches. Maß bestimmt ist, nämlich die Ecke des Feldes, (welche beim Abmähen für die Armen stehen bleiben muhte, bei der es jedoch dem Belieben des Besitzers anheim gegeben war, wie groß, er diese Ecke stehen ließe/) die Erstlinge, die Opfer bei der Wallfahrt züm Tempel, die Uebung der Mildthätigkeit und das Studium der Lehre. Dies . ') Jndeß bringt schon der folgende 8 des Minimalmaß, nämlich nicht .unter dem 60tel. Manhilft sich: NrpniN'ib -(nijpt? ftf) •pirnbKoch haben wir Äies an dieser Stelle nicht weiter zu beachten.