Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1882)
- Date
- 1882-03-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein m-lirteiisches Organ sjir alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. .^ra'usg^ßeben von 'die Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen .. wende man sich an Dr. L.PHilippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichsalls an letztere eiuzusenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 28. März 1882. N>. 13. Inhalt. Leitende Artikel: Pindar und David. Eine vergleichende Skizze. — Londoner Briefe. X. — Eine beabsichtigte Verfolgung in Rußland. — Die Eolonisation in Palästina. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Liegnitz, Görlitz, Hörde. — Oesterreich- Ungarn: Wien, Pest. — Rußland: Warschau, Moskau, Odessa. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. Xe-ile-mV CUtu&e-f. Bonn, 22. März. Pindar und David. Eine vergleichende Skizze?) I. Einleitend. Zwingli, der ebenso geistreiche wie gemüthvolle Reformator, der vor 250 Jahren (am 11. Okt. 1531) seine Ueberzeugung mit dem Tode auf dem Schlachtfelde mitten in der Ausübung seines seelsorgerischen Amtes besiegelte, . sprach wiederholt und nachdrücklich seine Bewunderung, für Pindar aus und stellte dessen Hymnen neben die Psalmen und das Buch Hiob. Bei einem so scharfdenkenden Manne kann diese Vergleichung nicht auf äußerlichen Momenten und einigen gleichklingenden Phrasen beruhen, sondern mußte einen tieferen Gedanken zur Grundlage haben. Jedermann weiß, daß unsre moderne Kultur und Civilisation ebenso aus den Erzeugnissen des hellenischen , wie des israelitischen Geistes ») Die obige Skizze ist aus der Wahrnehmung entstanden, daß man neuerdings in Deutschland wieder versucht hat, die Religion. Israels zurückzudrängen, indem man die moderne religiöse Anschauung aus dem Hellenismus hervorgegangen vorgiebt. Nichts ist'in unsren Tagen wohlfeiler als— Phrasen. Beweise,, faßbare Beweise hat man nicht heranzubringen - vermocht. - Wir haben deshalb in der Abfässstng obiger Skizze uns der größtmöglichen Objektivität befleißigt, und. jede persönliche Neigung zurucktreten lassen. . Die Redaktion. hervorgegangen, von ihnen herangebildet und erfüllt worden, und noch heute machen die Bibel und die auf dieser beruhenden Religionsbekenntnisse einerseits und die griechischen- und römischen Klassiker andererseits die vorzüglichsten Erziehmittel für unsre Jugend aus. So hat auch unsre ganze moderne Wissenschaft und Kunst den wirksamsten Anstoß durch die schriftlichen und plastischen Monumente der Griechen erhalten. Was auch die Aegypter, Inder, Assyrer und Perser geleistet haben, es ist dies erst so spät in den Wissens- und Bildungskreis der europäischen Menschheit eingetreten, daß es einen irgend erheblichen Einfluß nicht üben konnte. Erwägen wir nun diese Thatsache genauer, so müssen wir folgern, daß bei aller Verschiedenheit des Hellenismus und des Hebräismus, bei allen den, diese beiden großartige!: Erscheinungen von einander sondernden charakteristischen Eigenthümlichkeiten dennoch ein gleiches gemeinsames Fundament für beide besteht, da, wären sie in entschiedenem Gegensätze, sie sich nimmermehr in der modernen Kultur hätten verschmelzen können; sie würden vielmehr sofort und dauernd in einen entschiedenen und sich gegenseitig vernichtenden Kampf eingetreten sein. Wir wissen sehr wohl, daß ein solcher Kampf zwischen der hellenischen Bildung und der aus dem Hebräismus geflossenen Geistesrichtung in den mittelalterlichen und modernen Zeiten auch wirklich mehrfach vor sich ging und heftig sich bestreitende Parteien, hervorrief. Es war dies auch nothwendig, um sich innerhalb Beider-zu vertiefen und das Verständniß zu erweitern. ' Aber esJ war immer nur eine extreme Auffassung von beiden Seiten,. die