Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1882)
- Date
- 1882-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein unparteiisches Organ siir alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Marl. - Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 98) und Oesterreich bei allen Postämtern, ' außerdem durch den Buch- ■ Handel. - Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlags Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an Ur.L.Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlüng. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 21. März 1882. Jsß>. 12. : Ittbalt. Leitende Artikel: Die Uebersetzüng des Midrasch. — Londoner Briefe. IX. 7— Die Debatte im preußischen Abgeordnetenhause vom 25. Februar (Schluß.) — Protestmeeting in Deutschland. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bielefeld, Jever, Aus Württemberg. Frankreich: Paris. — Rußland: BoUn, Petersburg. Moskau. — Serbien: Belgrad. — Amerika: New-Gork. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Luxus-Verbote der jüdischen Gemeinde von Metz aus den Jahren 1690—1697. (Schluß.) , SviVcwCdc £Lzti&c£ Bonn, 15. März. Die Uebersetzüng -es Midrasch. Unsere Leser wissen, daß seit zwei Jahren unter dem Titel Bibliotheca Rabbinica eine deutsche Uebersetzüng alter Midraschim, und zwar zunächst des Midrasch rabba von Dr. August Wünsche im Verlage von Otto Schulze in Leipzig erscheint und haben wir mehrmals in den beiden vorhergegängenen Jahrgängen über die Fortschritte dieses bedeutsamen Unternehmens berichtet. Heute liegen uns die Lieferungen 9—14 vor, welche hinlänglich darthun, daß das Werk sowohl seitens des Uebersetzers, als des Verlegers in den rechten Händen liegt. Die 9. Lieferung bringt uns den Midrasch zum Buche Esther mit einer tüchtigen, den Gegenstand klärlegenden Einleitung und mit Noten und Verbesserungen von Rabbiner Dr. I. Fürst. Die 10. und 11. Lieferung enthalten den Schluß von Bereschit rabba, ebenfalls mit Noten und Verbesserungen des vr. Fürst in recht umfänglichem Maße. Wir haben dann die Befriedigung, in der 12. Lieferung den Anfang von Schemot rabba und zwar bis Kap. 10, B. 1 zu erhalten, somit die Bürgschaft, daß de.r Midrasch zum ganzen Pentateuch in. Aussicht steht; die Fortsetzung wird in der 15. Lieferung gegeben, da die. 13. und 14. dem Midrasch Echä rabbati gewidmet sind.. Der ganz besonders interessante Midrasch zu den Klageliedern wird uns nach seinem Charakter in der Einleitung dargelegt, und ist der Uebertragung ein Verzeichniß der aus älteren Schriftwerken in diesen Midrasch herübergenommenen oder in freier Weise benutzten Stellen hinzugefügt, sowie sich wiederum Noten und Verbesserungen von Dr. Fürst anschließen. — Wir haben über den Werth und Nutzen dieser Uebertragung uns bereits früher ausgesprochen und es an der Darlegung. unsrer Auffassung des Midrasch nicht fehlen lassen (s. z. B. Jahrg. 1880. S. 198 ff.). Doch haben wir heute einen mehr allgemeinen Gedanken bei dieser Gelegenheit zu äußern. Wir wissen sehr wohl, daß, wenn Kritiker von dem heutigen philosophischen und ästhetischen Standpunkte aus vermittelst dieser Uebertragung den Midrasch kennen lernen und beurtheilen wollen, sie sich selbst bei objectiver Betrachtung nicht selten veranlaßt fühlen werden, über beschränkte Intelligenz, engen Gesichtskreis und Geschmacklosigkeit zu klagen vder zu spotten. Diesem entgegen werden sie aber erstaunt sein über diese freie Behandlung der Texte, über diese völlig unbeschränkte Auslegung der Schriftworte, die ebenso fern vom ängstlichen Festhalten des Buchstaben, wie von der Sucht nach dogmatischen Formeln ist. Nicht minder werden sie; falls sie gerecht sind, die unerschöpfliche Fülle der Phantasie, der psychologischen und Lebensbeobachtungen und der Legendenbildung bewundern. Jndeß ist dies doch nur die Außenseite. Nach innen wird, jemehr man sich in diesen Midrasch versenkt, das Bewußtsein, ausgehen, daß man es hier mit einem religiösen und