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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-14 · Heft 11 (14.3.1882) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 11 (14.3.1882)
Date
1882-03-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Äudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: .. Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. I In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr.L.PHrlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vrerteljahrig 3 Marl. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. 46. Jahrgang. Leipzig, den 14. März 1882. No. 11. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Antwort, die eine Erklärung enthält. — Londoner Briefe. VIII. — Die Debatte im preußischen Abgeordnetenhause vom 25. Februar. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Neustettin, Berlin, Aus dem Fürstenthum Birkenfeld.— Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg. — Rußland: Petersburg, Riga, Kamenek-Podolsk, Keidany. — Rumänien: Bukarest. — Amerika: Philadelphia. — Bonn: Notizen. Z&iXwCdz €U,ti4U€. Bonn, 8. März. Eine Antwort, die eine Erklärung enthält. Mein Freund! Von Deiner Bergveste im Jura erhielt ich Deine Zuschrift nach langem Stillschweigen. Meine-Erwiderung ließ ich längere Zeit anstehen; heute soll sie erfolgen. Du sandtest mir Deine Glückwünsche zur Vollendung meines siebzigsten Lebensjahres, und entschuldigst Dein Zögern —- denn jener Tag war längst vorüber — damit, daß Du mich an diesem Tage von besonders schmerzlichen Gefühlen bewegt glaubtest, da die Zeitereignisse, die Unbilden, die wir in den letzten Jahren erfahren haben , jede Befriedigung, jedes freundliche Bewußtsein von erlangten Zielen, von erstrebten und erfüllten Idealen getrübt, ja zerstört haben müßten. Und so wäre an diesem Tage jedes Wort der Beglückwünschung nur von schmerzlichen Gefühlen begleitet gewesen. Ich glaube, diese Aeußerung war eben nur ein Ausfluß Deiner eigenen bitteren Empfindungen; denn sonst hättest Du bei Deiner, allerdings nicht unbegründeten Voraussetzung Worte der Tröstung und Aufrichtung gefunden, anstatt in den vermeintlichen Wermuthsbecher noch einige Tropfen zum Ueberfließen einzuschütten. Als eine kleine Strafe wollte ich deshalb auch mit meiner Erwiderung zögern. Jüngst aber, wie Du gelesen haben mußt, sind zahlreiche Aeußerungen in die Oeffentlichkeit gekommen, nach welchen der verewigte Berthold Auerbach sich von dem Schmerz über den Antisemitismus so niederbeugen, so bis zur Verzweiflung erfüllen ließ, daß geradezu sein Tod auf diese Zerrüttung seines Gemüthes zurückgeführt wird. So veröffentlicht Ferdinand Hiller in den „Hamb. Nachr." Briefe des Verstorbenen, in welchen die Klagen über alle jene „Pöbelhaftigkeiten" sich auf's Herbste aussprechen. Vom 2. Sept. schreibt er ihm: „Ich ertrug indeß die Unbilden des Lebens und die Grausamkeiten des Geschicks immer leichter, weil ich meinen Beruf hatte und meinen Glauben an den Sieg des Ideals und des concreten Gedankens. Nun hat die Judenhetze vernichtend auf mich gewirkt wie vielleicht auf keinen zweiten.. Ich verlor die Freude an meinem Beruf. Was nützt alles Ausdenken und Fassen des Guten und Schönen, wenn die nackte Gemeinheit so Alles, bewältigen und zerstampfen kann und dazu mit Gottphrasen groß thut?" — So betrübend es ist, einen hochverdienten Greis unter solchen Gedanken und Empfindungen aus dem Leben geschieden zu wissen, so legt mir dies doch, wie ich meine, die hoppelte Pflicht auf. Dir zu antworten, und zwar auf diesem Wege der Oeffentlichkeit. Ich stehe hier davon ab, psychologisch erklären zu wollen, wodurch Berthold Auerbach auf die traurigen Erfahrungen der letzten Jahre zu einem solcher! Seelenzustande gelangt ist. Zu diesem Zwecke müßte ich in die Seele und Persönlichkeit des verklärten Dichters, der auch mir eine längere Zeit im Leben unmittelbar nahe gestanden, mich versenken, und eine Schilderung n

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