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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-02-14 · Heft 7 (14.2.1882) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 7 (14.2.1882)
Date
1882-02-14
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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Werk seine genügende Zeit haben, und man kann nicht immer unsrer raschlebigen Zeit entsprechen, die „kaum gedacht, gleich gethan" haben will. Findet sich, die erforderliche Ausdauer, so wird das Werk schon gelingend) Londoner Briefe. I V. London 2, Februar. Gestern um 3 Uhr fand das vielerwartete Meeting im Ksnsiou Hou86 statt. Personen, die derartige Versammlungen frequentiren, versichern, daß das jetzige Meeting eins der größten und bedeutendsten war, die das genannte Gebäude je beherbergt hat. Eine Stunde vor der Oeffnung des Locales waren sämmtliche Eingänge belagert und eine halbe Stunde vor der Eröffnung der Versammlung zeigten Plakate der außenstehenden Menge an, daß das Haus bereits voll sei. Das Innere bot wirklich ein Bild des politischen und ' religiösen Friedens dar. Die Platform war besetzt von Herren und Damen, die die höchsten Stufen in der englischen Gesellschaft einnehmen und die verschiedensten religiösen und politischen Meinungen repräsentiren. Ich brauche nur an die Namen von Earl of Shaftesbury, Lady Burdett-Coutts- Bartlett, Cardinal Manning, den Bischof von London, Mr. Hubbard M. P., Lyulph Stanley, Sir Nathaniel de Rothschild, Dr. Adler, Dr. Asher und Rev. A. L. Green zu erinnern, um die Verschiedenheit der politischen wie religiösen Ueberzeugungen, die zu einem edlen Zwecke sich vereinigten, zu zeigen. Mit Recht konnte der Lord Mayor bei der Eröffnung der Versammlung sagen, daß „jedes Glaubensbekenntniß hier repräsentirt sei, daß die christliche Welt, so getheilt sie auch sonst ist, daß Personen, welcher politischen Ansicht sie auch sind, ihn in Uebereinstimmung veranlaßten, diese Versammlung einzuberusen." Die allseitige enthusiastische Besprechung der auf dem Meeting gefaßten Resolutionen beweisen, daß der Lord Mayor Recht hatte, wenn er sagte: ,-Jch bin überzeugt, daß wir nicht allein der Sympathien der hier Anwesenden gewiß sind, sondern auch daß das ganze Land mit uns auf der Platform sei." Briefe von verschiedenen Personen, die verhindert waren, persönlich zu erscheinen, darunter auch einer von Karl Blind, wurden verlesen. Earl of Shaftesbury brachte eine Resolution ein, die dahin lautete: „daß dieses Meeting der Ansicht sei, daß die Verfolgungen, die die Juden in vielen Theilen Rußlanos seit einigen Monaten erleiden, eine Beleidigung christlicher I) Wir erhalten so eben ein Kreuzband aus New-Orleans, das die gedruckte Inschrift führt: „First Agricultural Colony of Russian lsraelites in America, Sicily Island, Catahoula Parish, LA.“ — wie bemerkt, das Kreuzband selbst hat diese zierlich gedruckte Inschrift. Eivilisation und bedauernswert seien." In einer schwungvollen Rede bewies er nicht allein das Moment des Rechtes, sondern auch das der Nützlichkeit des Meetings, widerlegte die von der russischen Presse ausgestreuten Verdächtigungen, als sei die Bewegung gegen die Ausschreitungen geschaffen worden, um Mr. Gladstone Verlegenheiten zu bereiten, und betheuerte, daß nicht Haß. gegen das russische Volk oder die russische Regierung, sondern, einzig und allein Mitleid mit den Unterdrückten, die nur zufälligerweise Juden sind, das englische Volk zu dieser Kundgebung bewog. Der Bischof von London unterstützte die vom vorigen Redner eingebrachte Resolution nicht allein in seinem Namen, sondern auch im Namen eines jeden Mitgliedes der englischen (Hoch-)Kirche. Die zweite Resolution war von Cardinal Manning mit den Worten eingebracht: „daß wenn ihm auch oft die Ehre zu Theil ward, solche Resolutionen einzubringen, er keine mit mehr Ueberzeugung und mehr Recht und Sympathie eingebracht habe." Sie lautete: „Daß dieses Meeting, während es sich' jedes Recht oder jeden Wunsch abspricht in die inneren Angelegenheiten eines fremden Landes zu interveniren, und gewillt sei, daß die freundschaftlichen Verbindungen zwischen England und Rußland beibehalten werden, es als eine Pflicht betrachtet, seine Meinung kundzuthun, daß die russischen Gesetze bezüglich der Juden dahin zielen, sie in den Augen der christlichen Bevölkerung zu degradiren, und russische Unterthanen den Ausbrüchen fanatischer Unwissenheit auszusetzen." Redner begründete die zweite Resolution, indem er sich auf die Menschenrechte beruft, die in Petersburg und Moskau nicht andere sein können als in London oder anderswo. Er geißelte stark die antisemitische Bewegung in Deutschland, die er für die jetzigen Ausbrüche in Rußland verantwortlich machte. Er unterzog das Jgnatzieff'sche Memorandum einer scharfen Kritik und widerlegte es in allen Punkten. MitWorten der Liebe und Hochachtung fürdie gesammte Judenheit endigte, der Redner unter Begeisterung der Zuhörer. Der Cardinal sprach von dem gemeinsamen Bande, das Juden und Christen umschlingt: dem Alten Testamente. „Das Buch" — sagte Manning — „lehrt uns, daß das Volk Israel das älteste auf Erden sei. Rußland, Oesterreich und England sind von gestern, verglichen mit dem unvertilgbaren Volke, welches mit ewigem Leben und unabänderlichen Ueberlieferungen und seinem Glauben an Gott, über die ganze Erde zerstreut, durch's Feuer ging, ohne sich zu versengen, in den Staub getreten ward, ohne sich mit dem Staube zu vermischen, und jetzt noch lebt, als warnender Zeuge für uns. Bande der Brüderschaft umschlingen uns; das neue Testament beruht auf dem alten." In ähnlicher Weise sprach Canonicus Farrar. Professor Bryce M. P. und Lyulph Stanley M. P.

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