Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1882)
- Date
- 1882-02-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Diese Leitung erscheint^ wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnenient in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Bllchhandel. Ein nn-arteiischcs Organ für alles indische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich au vr.L.PHilippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. . 46. Jahrgangs Leipzig, den 14. Februar 1882. JVo. 7. Inhalt. Leitende Artikel: Deutschland und das Ausland. — Die Auswanderung nach Amerika. — Londoner Briefe. IV. — Protest- Meetings. — Eine ungarische Kundgebung. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Mannheim, Könitz, Stuttgart. — Oesterreich'Ungarn: Wien. — Großbritannien: London. — Rußland: London, Petersburg. — Amerika: New-Aork, San Antonio. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Estella Dorothea Salomea Hymans geb. Hertzveld. jteile-iiDe GUI-i-ßef. " Bonn, 8. Februar. Deutschland und das Ausland. Die antisemitische Agitation in Deutschland verletzte uns nicht blos als Juden, sondern auch als nationalgefinnte Deutsche. Denn das Ausland macht das deutsche Volk nicht blos dafür verantwortlich, daß es . jene schmähliche Hetzerei in seinem Schooße duldete, ja anfangs sogar den Anschein aufkommen ließ, als ob die ganze Nation' sie billige, sondern auch für alle die barbarischen Ausschreitungen, die in Rußland vor sich gegangen.' .Es ist für u^ schmerzlich, daß alle desfallsigen Aeußerungen, die wir in der ausländischen Presse finden, und die wir brieflich erhalten, darin übereinstimmen, den Impuls zu allen antisemitischen Vorkommnissen, selbst zu den Versuchen in Ungarn und Frankreich, auf Deutschland zurückzuführeiü Sicher ist es allerdings, daß die Berliner Antisemiten-Liga sich gewaltig anstrengte, eine Verbindung mit Jstoczy und anderen Judenhassern anzuknüpfen und in ihren Blättern und Versammlungen sich dessen rühmte. Da bei den meisten Aufständen gegen die Juden in Rußland Anstifter und Leiter aus der sogenannten gebildeten Klasse ganz bestimmt thätig waren, so behauptet man, daß diese Urheber der Pöbelaufläufe von Deutschland aus instruirt worden, daß überhaupt das mächtige Beispiel aus Deutschland die Scham vor jenen Verbrechen verscheucht habe. Sicherlich ist hierin viel Uebertreibung und bei der bekannten Gesinnung in manchen europäischen Ländern gegen die Deutschen, greift man begierig nach einem Vorwurfe, den man ihnen mit dem Schein des Rechtes machen könne. Dies mag nun Alles mehr oder weniger sich so verhalten, der unparteiische Beobachter kann doch nicht verkennen, daß der überwiegend größte Theil Deutschlands sich des Antisemitismus vollständig enthalten und alle Aufreizungen dazu zurückgewiesen hat; daß die Agitation auf einige Heerde, wie Berlin, Breslau, Leipzig, beschränkt blieb und die Bevölkerung selbst von Berlin in nachdrücklichster Weise dem Antisemitismus ein Dementi nach dem anderen gegeben hat. Wir glauben selbst, daß auch in Berlin diese schmähliche Bewegung nur unter dem eigentümlichen Verhältniß aufkommen konnte, daß die conservative Partei in derselben ein Werkzeug erblickte, um das Volk auf ihre Seite zu ziehen und der Fortschrittspartei das Terrain abzugewinnen. Dieser Grund und Umstand leuchtet um so mehr ein, als nachdem die Wahlen zum Reichstage dennoch ganz anders ausfielen, als die.Conservativen gewünscht und gehofft, man den ganzen antisemitischen Schwindel vorläufig hat fallen lassen. Von der mit. so vielem Geräusch colportirten Petition ist keine Spür zurückgeblieben; die Hetzversammlungen und Hetzreden haben aufgehört; die christlich-sociale Partei hat/ sich in ihre enge Begrenzung zurückgezogen; die meisten specifisch antisemitischen Blätter sind eingegangen; die formidable antisemitische Literatur in .Flugblättern, Broschüren und Büchern