Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1882)
- Date
- 1882-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Ein im-arteWes Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Expedition und/Verlag: Baurngärtner's Buchhandlung in Leipzig. 46. Jahrgang. . Leipzig, den 31. Januar 1882; JVo. 5. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Niederlage, des Antisemitismus im deutschen Reichstage. — Londoner Briefe. I. — Reiseerinnerungen. II. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig, Berlin, Dahme, Breslau. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Czernowitz, Aus Syrmien. — Großbritannien: London. — Rußland: Warschau. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Replik an Herrn M.'s Wahrheitsliebe. — Vermischtes: Eine Rettung durch ein Jahrzeitlicht. — Johann Arany und der Judenknabe. — Sarah Bernhardt. :. In dem Proteste wurde der Magistrat der besonderen Vorliebe für die Juden geziehen,-daß er ausländische Juden in die Wahllisten, ausgenommen, vorzugsweise jüdische Restaurants zu Wahllokalen bestimmt habe u. dgl. Es wurde darin sogar angeführt, ein Jude habe einen Arbeiter für die Wahl Löwe's bezahlen wollen, ohne daß der Jude und der Arbeiter namhaft gemacht werden konnten. Hierüber die Verhandlung. Um unsren Lesern für dieselbe alsbald den richtigen Hintergrund zu zeigen, bemerken wir schon jetzt, daß die Wahl Löwe's vom gesammten Reichstage für gültig erklärt wurde — mit alleiniger Ausnahme Stöcker's. — Die Wahlprüfungscomission stellte den Antrag: „Der Reichstag wolle beschließen: 1. die Wahl des Abgeordneten Ludwig Löwe im ersten Wahlkreise der Stadt Berlin für gültig zu erklären; 2. den Herrn Reichskanzler unter Mittheilung des Protestes und der Beilagen desselben zu ersuchen, Ermittelungen darüber anzustellen: ob in Berlin Polizeireviervorstände auf Ersuchen von Privatpersonen nach der am 27. Oktober 1881 stattgehabten Wahl Wählerlisten unter Benutzung amtlicher Akten und Register einer Revision unterzogen und von dem Resultate derselben in der aus den Protestbeilagen ersichtlichen Weise den ersuchenden Privatpersonen Mittheilung gemacht haben, im Falle der Feststellung dieser Thatsache aber das zur Vermeidung der Wiederkehr solcher Vorkommnisse Erforderliche veranlassen und dem Reichstage von dem Geschehenen Kenntniß geben zu wollen." Gegen den zweiten Theil. des Antrags sprach der conservative Abgeord. v. Minnigerode; da wir aber über diösen Theil des Antrags, Bonn, den 25. Januar. Eine Niederlage des Antisemitismus im deutschen Reichstage. In der Sitzung des deutschen Reichstages vom 17. Jan. ist den Antisemiten und besonders ihrem Hauptführer, dem . Hofprediger Stöcker eine Lektion geworden, daß sie, wenn sie überhaupt eine Lehre anzunehmen und für ihre Situation empfindlich-zu sein befähigt wären, allen Muth verlieren müßten. Dies erwarten wir nun keineswegs; aber auf die übrige Welt, auf die ganze öffentliche Meinung müssen derartige Vorgänge doch eine solche Wirkung üben, daß eine weitere 'Verbreitung dieses Nebels, welches eine. Zeitlang epidemisch zu sein schien, nicht zu besorgen steht. Den Gegenstand der Tagesordnung bildeten Wahlprüfungeu, und besonders der Commissionsbericht über Ludwig Löwe's Wahl im I. Berliner Wahlkreise. Gegen diese Wahl hatte das antisemitische Wahlcomitö der Conservativen ein Protest eingereicht, der so viele unbegründete Beschuldigungen und frivole Behauptungen enthielt, daß ihn der Berichterstatter einen „widerwärtigen" nannte. Derselbe war im Namen jenes Comites von dem Antisemiten v. Liebermann-Sonnenberg verfaßt; doch ging wohl aus, dem Benehmen Stöcker's hervor, daß er auch seinen Antheil an diesem Machwerk gehabt Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlaashandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden.