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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-24 · Heft 4 (24.1.1882) · p. Seite 63

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 4 (24.1.1882)
Date
1882-01-24
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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•-V, \;y r;-r ..; 63 langen wurden Soldaten der Gensdarmerie und Bauern zur Bewachung des Leichnams ausgestellt, der ohne diese Vorsicht gewiß verschwunden wäre. Endlich erschien der Gerichtsbote. Sei» Verzögern kam daher, weil er gedruckte Exemplare von dem Parlamentsspruche hatte mitbringen wollen. Samstag war er in Ribeauville angekommeu, am anderen Tage, Simchat Tora, war doppelter Festtag für die Juden. Der Gerichtsbote begab 'sich nach Colmar, um alle legalen Formalitäten zu erfüllen, und man kam überein, daß das Begräbniß von Hirtzel Montag Morgen, den 29. September, stattfinden sollte. Die Juden hatten sich von 'Neuem in großer Anzahl auf der Hauptstraße versammelt, wo der Leichnam ausgestellt war, und ebenso waren Christen von allen Seiten gekommen. Man erwartete nur den Gerichtsboten. Er kommt, entfaltet das Urtheil, liest es laut vor und läßt es in's Deutsche übersetzen. Kaum sind die letzten Worte des Dolmetschers gesprochen, als die Juden in einem Moment auf die Leitern klettern, den Leichnam abnehmen und in einem weißen Tuche ihn heruntertragen. Mau behauptete, daß der Leichnam merkwürdig erhalten war, nachdem er neun Monate frei ausgestellt war, daß die Bögel seiner geschont hätten. Die Haare und der Bart, welche zu Lebzeiten Hirtzel's braun gewesen, waren lang und weiß wie Schnee geworden. Das Gesicht war nicht zu erkennen. Die sterblichen Reste von Hirtzel wurden in einen Talit gehüllt und aus die Bahre gelegt, man warf die rituellen Todtengewänder über den Leichnam, und der Sarg wurde auf einen Wagen gestellt.. Dann nahm man das Rad und den Pfahl, zerschnitt sie in Stücke und lud diese auf einen zweiten Wagen. Der Zug setzte sich in Bewegung nach Jungholtz bei Soultz, dem damaligen den Israeliten des oberen Elsaß gemeinsam gehörigen Friedhof. Bor dem Grabe trug der Gerichtsbote noch ein Mal das Urtheil des Parlamentes vor. DieTodtengräberverrichteten unter den Gebeten der Juden ihr Amt, und die Erde empfing endlich in ihrem Schoße zur ewigen Ruhe den Leichnam des Unglücklichen, der so lange den Unbillen des Wetters, dem Fräße der Raubvögel und der Beleidigung der Vorübergehenden ausgesetzt gewesen. Einige Tage nach der Trauereeremonie ließ der Gerichtsbote das Urtheil des Parlamentes an den Thoren von Sierentz, Wedelsheim, Ribeauville, Hauzen und anderer Städte aufhängen; der kommandirende Marschall von Elsaß ließ einen Befehl veröffentlichen, der den Christen, die wahrscheinlich noch sehr erregt waren, verbot, die Juden zu beschimpfen, sei es wegen der Affaire Hirtzel oder wegen irgend etwas Anderem und besonders das Klagelied auf Hirtzel zu singen. Schließlich setzte der Herzog von Ribeaupierre den Amtmann von Ribeauville, Fuchs, ab, der das erste Urtheil gegen Hirtzel und seine Mitangeklagten ausgesprochen und dessen Rolle von Anfang an sehr zweideutig erschienen war. Dieses eclatante Verfahren zu Gunsten der Juden stellte nach und nach die Ruhe in der Provinz wieder her. Menke und Laug hatten seit lange ihre Freiheit wieder erlangt, und wahrscheinlich entschloß sich endlich derRath von Colmar, der so lange und ungerecht Feiß aus Gruffenheim im Gefängniß zurückgehalten hatte, seine Beute frei zu lassen. Die Inden des Elsaß erzählten sich noch lange an den Winterabenden die Geschichte des unglücklichen Kadosch; volksthümliche Erzählungen im Jüdisch-Deutsch, wde die, welche wir besitzen, wurden daraus gefertigt, die abgeschriebeuen Copien cirkulirten in den Dörfern, mau hielt erbauliche Borlesungen daraus, bei denen viele Thräuen vergossen wurden. Auf dem Friedhof von Jungholtz hat die Erde schon lange das Monument wieder bedeckt, das den Namen.Hirtzel trug, und keine Spur ist von dem armen Märtyrer geblieben. Isidor Loeb. Anzeigen. Verlag von ü. Liebau in Kerkia "Nzu beziehen durch alle Buchhandlungen. Der Rechtsanwalt im Hause. Ein Hand- und Hilfsbuch für Gewerbetreibende, Aaufleute, Beamte, , Landwirthe, Haus- und Grundbesitzer, Techniker rc. Mit zahlreichen Formularen zur selbstständigen Anfertigung aller möglichen Eingaben, Klagen, Gesuche, Vorträge, sowie mit Anleitungen zur selbstständigen Führung von Klagen jeder Art nach der Reichs-Civil-Proceß-Ordnuug^ Herausgegeben von MV. Kaiser, Königl. Preuß. Gerichtsasseffor. Dritte veunreHrcke arrrö x>ev&effevte Auflage. __ Preis 9 Mark, eleg. gebunden Mark 10,50. Gegenstände, Touren, Orden, Mützen, Masken, Attrapen etc. empfiehlt die Fabrik von [18775] Getbke & Benedictas, Dresden. Illustrirte Preiscourante gratis und franco. Cotillon Knaben und Mädchen, welche eine der hiesigen vortrefflichen Lehranstalten (Gymnasium,. Realschule, höhere Bürgerschule, zwei höhere Töchterschulen-besuchen sollen, finden im Hause der Unterzeichneten liebevolle Ausnahme und Pflege. Das Schuljahr beginnt hier in allen Anstalten mit Ostern. [965] Bielefeld, 11. Jan. 1882. Wittwe A. Iforzfeld, geb. Lenzberg. Zsraer. Töchter-Mnstonat und höhere Unterrichts-Anstalt, Verb, mit Lehrerinnen-Seminar, gegründet 1864. Aufnahme v. Zöglingen zu jed. Zeit. Prospecte gratis. [512] Frau Therese Gronau, Direktorin. Berlin, In den Zelten 12 Pt.

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