Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1882)
- Date
- 1882-01-24
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
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. Berlin, 11.-Dez.. < Die- „Boss. Ztg." schreibt: DemBernehmen nachwill Herr Or. Bernhard Förster seinen Dienst als.städtischer Lehrer quittiren, weil erin u dem. längst erwarteten? Avancement .übergangen brr. - Dieser-Schritt-würde, nur. zw^ billigen -.sein;- . freilich; nicht üus. dem angegebenen Grunde, sondern .weil --er als eine ehrliche. Consequenz des öffentlichen Auftretens d^Herrn Förster betrachtet werden müßte, die er als., ehrlicher Mann schon längst hätte ziehen sollen. Ein Mann, ber sich öffentlich'als ein so fanatischer Judenfeind geri.rt und seinem.-Haß öffentlich -einem so fanatischen Ausdruck verleiht, wieiHerr vr. - Förster, kann:.an einer unconfessionelben Lehr- Anstalt, an der die Lehrer mit gleicher? Liebe und Hingebung christliche wie jüdische- Kinder unterrichten sollen, wohl kaum eine ersprießliche/Wirksamkeit entfalten. -Ein.Grund zur Beförderung., scheint uns, kann in. dem -so offen ausgesprochenen Antisemitismus - für die städischen. Schulbehörden sicherlich nicht gesehen werden, und nicht, handelt es sich dabeiwie es die Herren zur Verdächtigung der städtischen; Schulbehörde gern auslegen , um fortschrittliche oder antifortschrittliche Gesinnung, sondern um die moralische Qualifikationdie für -einen Lehrer an einer nicht confessionellen Anstalt durch öffentliche antisemitische Hetzreden mindestens in Frage gestellt wird. - \ — Der antisemitische Juwelier Herr G. Koelzsch, der jüdischen; Mitbürgern anonym allerhand Schmähschriften zuschickte und solche/.auch nächtlicher Weile; an die Ladenthüren und Schaufenster jüdischer Kaufleute klebte, hatte sich, dem „Tgbl." zufolge , gestern vor dem hiesigen Schöffengericht (Abtheilung 99.) wegen einer solchen Heldenthat. zu verantworten. Ein Kaufmann, den Herr Koelzsch mit derlei Zusendungen zu bedenken.Pflegte,, hatte; diesen Herrn endlich als den Urheber jener Sendungen ermittelt und gegen -ihn eine Privat.-Beleidigungsklage erhoben. - Im gestrigen? Termine .wurde Herr Koelzsch der Beleidigung für schuldig erachtet und zu 400 Mk. Geldstrafe eventuell 40 Tagen Gefängniß und in die Kosten verurtheilt. Dem Kläger wurde außerdem die Befuguiß zur Publication des Urtheils in zwei Zeitungen auf Kosten des Verklagten zugesprochen: -, > .. . Unter der Ueberschrift. „Nationale-Größen" enthält die „Berliner Zeitung" vom 7. Januar einen Leitartikel, - in welchem^ die.; noch..auf .dem. Plane gebliebenen Führer der - Reuktion in tretenden - Zügen charakterisirt werden: Es sind dies. .Prof. -.--.Adolf. Wagner, welcher in - öffentlicher -Bersammlung erklärt, ha,t, jetzt „voll und ganz der christlich-sozialen Partei anzugehören." .- „Er veranstaltet. daher", heißt, es da, hoffentlich.mit se-inen,Schriften, deren eine immer die andere auffrißt, ^während noch die letzte. und; bedeutendste, 'die „Fin^EMstsshüst"-,-.diek;stichhal1igsten^ Gründe gegen die;herrschende Politik.vorbringt, ein vergnügtes Autodafe." /Ferner Stöcker und dessen >. Versicherungen- - höchster Wahrhaftigkeitj Otto de Grahl und vr.« -Bernhard' Förster.' Ueber die Bergan genheit des vorletzten-dieser Herren wird;'einiges Interessante mitgetheilt' . Berlin; -112. Januar/, (Privatmitth.)' Wenn"'auch die öffentlichen Hetzreden aufgehört haben, so' darf-man sich doch' nicht mit der «Hoffnung5 schmeicheln, als ab damit die feindL liche Gesinnung und die: Absicht der Agitatoren,/ bei erster! Gelegenheit ihr «Spiel/wieder" zuibeginnenp!verschwundenuseü : . Besonders ist.dies nicht-der Fall in den hiesigen studentischen Kreisen. Man hat es von Beginn' an tief beklagt-ls daß der Antisemitismus gerade/ bei der studirenden /Jugend,' Anklang gefunden. --«Man wußte zwar längst, - daß die klassische Bildung , soweit«sie auf /-unseren! Gymnasien - erlangt/ wird, noch lange nicht« vor Borurtheilen - unsi Verkehrheiten sowie vor Roheit schützt.- Um das/ zu «erkennen; braucht man«« - nur das -Treiben eines Th eiles der" akademischen Jugend ' zu beobachten. - Kommt -nun hinzu, daß man dieser.Jugend die Lockspeisen von Schlagwörtern - und Liedern «in patriosischem Geiste, etwa von; der nrgermänischen Nationalität vorhält, und - selbst den ' jugendlichen Enthusiasmus in - den Dienst engherzigster Unduldsamkeit stellt, (so ist der Erfolg,/ den die antisemitischen Agitatoren hatten; « erklärlich.« - Wir? wollen auch nicht leugnen-- daß der«Concurrenznerd sich: nicht minder dazu gesellt hat. « Daß: die unmittelbare Berührung: mit den Agitatoren ein wesentliches Motiv warersieht man daraus - daß an anderen Universitäten-, z. B. in Göttingen : nnd Halle, der Antisemitismus wie ein Strohfeuer verflackerte, daß er in Leipzig jüngst eine tüchtige Niederlage erlitten und so nur in Breslau und Berlin noch ein bemerkbares ' Terrain besitzt. Dennoch, um die Sache nicht über Verdienst aufzubauschen, muß man bemerken, daß es nur ein Fünftel der Hörer der hiesigen Universität, die sich gegenwärtig auf 5000 belaufen, istinnerhalb, dessen der Streit geführt wird,' und daß in den nächsten Tagen sich erst Herausstellen wird, welche-der beiden Parteien in diesem Fünftel die Mehrheit besitzt. Es handelt sich also etwa nur um ein Zehntel.-? - Dies / ist freilich beklagenswerth genug. : Denn aus: dev studirenden' Jugend rekrutirt sich zum Theil die nationale Jntelligenz- -und wenn das Leben, auch viele Härten abschleift, so bleibt .doch von solcher feindseligen Gesinnung fftets 'etwas für die - spätere Lebenszeit haften Um den Lesern ein Bild dieser Umtriebe zu verschaffen, geben wir hier «einen Artikel: der „Voss. Ztg." wieder, die Ausdehnung desselben-mitder-verhältnißmäßigen Bedeutung /-der "Sache rechtfertigend. Sie - schreibt: Von gut unterrichteter Seite erhalten wir folgende Darstellungder die -Akademisch e; Lesehalle betreffenden Vorgänge: Die durch dieleidige /Judenhetze -herbeigeführte / .Verwirrung - uud Vergiftung des j akademischen/Lebens hat: aw der Berliner Universität dahin/geführt, - daß jede allgemeine- \ j Studentenverhandlung, einerlei/ welchem Zweck sie bestimmt'-/