Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1882)
- Date
- 1882-01-24
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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Pariser Blatte, das Gesuch, ihr Alles zuzusend'en/was wir gegen den Antisemitismus im Jahre v1881 geschrieben .hätten, weil sie einen ausführlichem Artikel Mber diesen Gegenstand? beabsichtige. M versteht' sich , daß wir diesem Verlangen Nachkommen werden. Einige Tage später, sandte uns dieselbe Direktion die Nr. 26 ihres' Blattes vom 24. Dezember. -In dieser nimmt ein Artikel des Herrn Ärvfcde Banne die dritte Stelle ein: La question antisemitique . en ‘ Galicie; Uri nouveau roman de M. Sacher Masoch (Le Raphael des Juifs). Viele unserer Leser werden die Novelle kennen, welche Herr v. Sacher-Masoch in den beiden. ersten Heften seiner neuen - Zeitschrift „Auf der Höhe": „der Judenraphael"- gegebenhat. Die Analyse dieser Novelle bauscht Herr A. Barme - zu einer „antisemitischen Frage in Galizien" auf! Soweit wir Herrn v. Sacher-Masoch kennen, 'lag ihm' ein solcher Gedanke gänzlich fern, und wollte er seine.Dichtung gewiß nicht zu einer judenfeindlichen Tendenznovelle machen, wie/ er ja gerade seine Zeitschrift. gegen alle raffen- und religionsfeindlichen. Besttebun'gen, gerichtet wissen wollte. Die gedachte Novelle ist zum Theil vom ergötzlichsten Humor gewürzt, zum Theil, namentlich gegen Ende, von hochpoetischer Färbung und ergreifendem psychologischen Charakter. Dennoch hätten' wir Zwiefaches an derselben auszusetzen: er stellt die galizifchen Juden doch gar zu sehr als dumm undbe- .fangen dar, so' daß sie sich in ihrer Beschränktheit als Werkzeuge jedes noch so durchsichttgen Witzes hergeben und hänseln lassen. Andererseits zeichnet er - Juden und Christen im schärfsten Gegensätze zu-einander,- an welchem die liebenden Herzen, zu. Grunde, gehen , während, .er doch -in anderen Dichtungen einen sehr freundlichen mqdus vivendi zwischen beiden schildert. Dem- Dichter -kann hieraus kein eigentlicher Vorwurf gemacht. werden.. Er hat die Freiheit, seine Personen und.Situationen zu holen, woher)es ihm beliebt. Er ist-kein - Culturhistoriker, so wenig wieals Landschaftsmaler ein'Geograph, in Naturschilderungen ein gewissenhafter- Naturforscher.' Er ist -daher-berechtigt, - die^ wirklichen - Verhältnisse zir übertreiben,- wenn dies , im Dienste, .-eines .-gesunden. Humors. und einer psychologischen Tragik geschieht. Derjenige nur begehteinen. argen Fehler, der die Dichtung als eine' sorgfältige culturhistorische Studie betrachtet und darauf/nun. Folgerungen von. ernstester Art baut. In diesen . Fehler ist Herr/ Barine verfallen, und da/wir nicht glauben können, daß ex zwischen Dichtung und- Wirklichkeit - nicht zu unterscheidenvermöchte, so sind) wir berechtigt, ,eineAbsichtdarin zu suchen, wie dies die Überschrift seines Artikel „-Dieanti- - sewitische Frage" in Galizien" geradezu - bezeugt/ - Er verfällt .! daher schonimseinen .einleitenden - Wortenin -einen starken Widerspruch, da er an der- Novelle - des Herrn Sacher-Masoch! „vor - Allem die.- Darstellung-der jüdischen Frage - in-Galizien,; die' Lage des galizifchen Israeliten, seine' Beziehungen zu!! den christlichen Bevölkerungen" erblickt, .während^er gleich darauf bemerkt, daß die ganze. anttsemitische^Frage den,Ro-' mandichter garmichts anginge, her. nur „für uns. eine kleine .jüdische Stadt des europäischenÖrieüts.mit ihren pitoresken Kostümen und ihren bizarren'Gebräuchen in's, Leben.ruft". Es war für diesen Dichter.-eine auszunutzende Situation, daß das Liebespaar, . eine Jüdin und ein -Christ, -sich nicht heirathen konnte') weil v on beiden / Seiten in Galizien eine solche Mischehe ganz außerhalb der Bolks.anschauung liegt, und daß beide an ihrer Liebe siechen/und sterben mußten. Der französische - Kritiker aber nutzt-diese/ einfache' Situation zu/ einer antisemitischem Auslassung aus.-./Fiw-ihm liegt' hier der Beweis, daß -die russischen Excesse.- sich' irnGalizien. und hernach in Deutschland fortsetzen würden. In Frankreich habe - man! sich nicht/- um die Nachrichten aus Rußland - gekümmert. Dies beweist nun Herr Barine selbst, indem er sich mehrfachen.. Jrrthümern. und Uebertreibungen überläßt. Er meint, hie russische Regierung habe, nicht die- Kräfte, besessen, um dem Volkswillen.gegendie Juden.kräftig entgegenzutreten; er meint ferner,' daß die russischen Flüchtlinge bereits ganz . Deutschland und Oesterreich überschwemmten; er stelltsich vor, daß diese- Flüchtlinge wie vorder Kassa eines Pariser Theaters Queue machen und die Hinteren die vorderen drängen, immer weiter undweiter nach Westen. Diese Flüchtlinge sind ihm nur Bettler ohne'BrodMd Kleidung. Daß diese ganze - Beschreibung im höchsten Grade-übertrieben ist, und zwar/ aus' Mangel an Sachkenntniß, wissen wir in Deutschland und Oesterreich am besten. Wir haben keine solche Einwanderung oder 'gar Überschwemmung von russischen Flüchtlingen. Wenn .in Bxody sich - eine / größere' Anzahl derselben versammelte)/ so geschah dies,..weil das) Gerücht verbreitet war) bic r Alliance i sie sämmtlich . mit reichlicher Unterstützung nach Amerika.. Es wgr, überall nur gemeiner Pöbel, allerdings angestachelt und - geleitet: durch einige Gebildete, welcher. die - Judenhäuser plünderte, und sobald die- Sicherheitsbehörde k ernstlich einschritt, hörten die Excesse auf. / Den besten Beweis > daß kein -wahrer, und allgemeiner Vo.lkshaß zu Grunde , lag,' ergiebt sich ausdem Umstande, daß trotz des großen Umfanges der- Excesse /glücklicherweise > doch nur wenige Menschenleben dabei verloren gingen. Eine wirkliche Bolkswuth vergreiftsich.nicht blos.-an Sachen, sondern auch - an den Personen. Am.Schlüsse will .Herr Barine.diesmal ✓ nicht Religions-, sondern Paffenhaß im Antisemittsmus finden : ■ und ein solcher handle nicht nach Gründen.:- Er. bringt.sogar den - edlen .Vergleich / an: Warum können die,' Hunde /und die Katzemsich/ nicht leiden? Es ist dies ungerecht) grausam, - absurd, : .aber es ist positiv.". Herr': Barme wöge sich .etwas . beruhigen,-. Man ist jetztüberviese/.Beschaffenheit derMcesfe - MsRußland - besser unterrichtet.- Jw-Oesterreich-; und Deutsch- <? land ist Recht und Menschlichkeit doch stärker als in Ruß-