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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-10 · Heft 2 (10.1.1882) · p. Seite 25

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 2 (10.1.1882)
Date
1882-01-10
Page
Seite 25 (sequence 9)
Language
German
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Frankreich. Paris, 27, Dez.' Am 20. Nov. fand, wie das Lnivers Israel, berichtet, im, Stadthause von Belfort in Gegenwart der höchsten Civil- und Militärbehörden eine Generalversammlung der Gesellschaft der „Retter des Ober-Rheins" statt. Zu deyen, welche-für ihren Muth und ihre Humanität ausgezeichnet wurden, war auch- Herr Lehmann See, Banquier in Belfort. wegen der „patriotischen Hülfe, die er Tag und Nacht mit Gefahr seines Lebens bei Feuersbrünsten und den Ambulanzen während der -Belagerung von Belfort geleistet hat". Er erhielt die Medaille und das? Diplom der bretonischen Retter. Herr Lehmaun See ist auch Mitglied des Consistoriums von Vesoul. — Bei der letzten Versammlung der Anglo-Jewish Association wurde der Brief eines Delegirten der jüdischen Gemeinde von G ab es in Tunesien mitgetheilt, der berichtete, daß aufständische Araber unter dem Vorwände des „heiligen Krieges" die Synagoge zerstört, die Gesetzesrollen verbrannt und drei . Juden ermordet haben. Hierauf griffen sie das jüdische Quartier an, aus welchem sich die Mehrzahl' auf die Insel Dzarba flüchteten, wo sie bei den Franzosen Schutz fanden. Greise, Frauen und junge Mädchen wurden? ihre Opfer, und von den letzteren-würden eine Anzahl in Gefangenschaft geführt. 200 jüdische Familien von Gabes sind hülflos. und erwarten^ Unterstützung von Europa. — . -; Großbritannien. . London, 12. Dez. (Privatmitth.) Gestern fand eine Feier statt, welche gewiß auch ein allgemeines Interesse bietet. Denn vor' allem ist es von Bedeutung, wenn neu geschaffene, aus dem. Bedürsniß-nach religiöser Reform hervorgegangene Institute sich durch ihre Dauerhaftigkeit und Wirksamkeit bewähren, und dadurch erweisen, daß sie aus einer tiefen Ueberzeugung heraus gegründet und mit sicherer Hand angelegt worden. Es galt nämlich dem siebzigjährigen Geburtstage des Prof. Marks, des Predigers an der West-Londoner Reformsynagoge, zugleich seiner vierzigjährigen Amtsthätigkeit als solcher. Unter Marks- Einwirkung entstand diese Gemeinde, und ältere Leser dieses Blattes werden sich^ erinnern, welche Kämpfe sie anfangs zu bestehen hatte, da die alte Synagoge mit ihren geistlichen und weltlichen Führern jene nicht dulden wollte, eine Art Bann gegen sie äussprach, und bei den damaligen eigenthümlichen staatlichen Anordnungen betreffs der Eheschließungen kein Mitglied der Reformgemeinde zur Trauung zuließ, als wenn dasselbe zur alten Gemeinde zurückgekehrt war. Der Redakteur dieses Blattes; trat damals mit einem Gutachten gegen diese? Art Exkomurunikation auf. Nach einigen .Jahren kam die' letztere außer Gebrauch / und die dem jüdischen Stamme einwohnende Duldsamkeit beseitigte^ jeden feindlichen Geist, so daß bei der Feier, die man hem Pros. Marks bereitete, auch sehr hervorragende Mitglieder. der alten Gemeinde ihre Theilnahine bezeugten. Die Reform hat hier einen Viel prinzipielleren Charakter angenommen als die in deutschen Synagogen. Sie erklärte nämlich entschieden die Unverbindlichkeit der talmudischen Satzungen, und schloß sich sehr energisch an das mosaische Gesetz, als an das wirklich geoffenbarte an. So z. B. wurde die Feier der zweites Festläge sofort aufgehoben. In seiner vierzigjährigen Amtsthätigkeit hat, wie ein Vorsteher hervorhob, Marks über 1800 Predigten gehalten, in welcher neben einer warmen Begeisterung und wahrer Beredtsamkeit sich stets neue Gedanken oder doch die ulten Lehren. in neuer Form bemerkbar machten. Auch der Religionsunterricht und die Seelsorge wurden eifrigst von ihm gepflegt. Außerdem ist er als Professor an der. Londoner Universität thätig. Der Gemeindevorstand überreichte ihm in feierlicherSitzung einen silbernenPräsentirteller nebst einer Börse mit 500 Pfund Sterling (10,000 Mark) zum Geschenk,' und mehrere Redner drückten mit warmer Empfindung die Anerkennung und den Dank .aus, welche der jüngere wie der ältere Theil der Gemeinde für den greisen Lehrer empfinden. . Prof. Marks antwortete in einer längeren geist¬ und gemüthvollen Rede. Gewiß würden die Beweise der Theilnahme von außerhalb der Gemeinde ^reichlich geflossen sein, wenn nicht der Vorstand es für angemessener erachtet hätte, die Feier ihres geistlichen Hauptes als eine interne Angelegenheit der Gemeinde zu behandeln und innerhalb derselben zu beschränken. , Schweiz. Gens, im Dez. (Privatmitth.) Eine vor kurzem" hier erschienene^ Schrift des bekannten Genfer Lokalhistorikers I. B. G. Galiffe, Le refhge italien de G-en&ve (die italienische Kolonie in Gens) brachte uns von neuem die wunderbare Weise zur Anschauung, in der, einem sonst allgemeinen geschichtlichen Gesetze entgegen, ' die kleine jüdische Minderheit sich durch die Jahrtausende in allen Ländern zu erhalten und zu? behaupten vermocht hat. Die italienische Kolonie in Genf, die schon seitdem fünfzehnten Jahrhundert bestand, war durch die protestantisch gesinnten Flüchtlinge aus der Apenninenhalbinsel seit der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts auf mehrere' Hunderte angewachsen, v Die vornehmsten, reichsten und gebildetsten Geschlechter Jtalien's waren in derselben vertreten, es war in jeder Beziehung eine auserwählte Gemeinschaft. Und heute — giebt es kaum noch ein Dutzend dieser alten italienischen Familien in Genf! Eine ähnliche -Erscheinung hat sich bekanntlich -unter den französischen Protestantischen Refugiäs-Kolonien in Preußen, zumal in Berlin,? geltend gemacht. Sie bestanden <xu§; den geistig hervorragendsten und willenskräftigsten «Elementen des französischen Pro- 2 a k J -r i ' J '

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