Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1882)
- Date
- 1882-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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emerne Zciluna des 2udentl»»»s Cm unparteiisches Organ für aM Wische Interesse, /Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippen in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Diese Zeitung erscheint wöchentlich.. Preis' Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in- Deutschland (Postzeitungsliste Nr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buch- , Handel. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr.L PHrlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die BerlagSbandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 46!. Jahrgang. Leipzig, den 10. Januar 1882. JVo. 2. labalt. Leitende Artikel: Zum Beginn des neuen Jahrgangs. III. — Die Katastrophe in Warschau. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bielefeld, Neustettin, Breslau, Posen. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Frankreich: Baris. —-Großbritannien: London. — Schweiz: Genf. — Italien: Rom. — Rußland: Petersburg, Warschau. — Türkeir Konstantinopel. — Amerika: New-York- — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Entgegnung auf den Artikel „Ludwig Barnay und Uriel Acosta im Grand- Theater zu Amsterdam", an Nr. 50 des vor. Jahrg. —Ein Justizmord im Jahre 1754/ (Fortsetzung.) ' Seit&nde ’ . ' Bonn, den 4. Januar. Zum Skgmil -es neue» Jahrgangs. III. >1^2 „Der Ewige vollzieht seines Herzens Entwürfe: in der Folge der Tage werdet ihr deß Einsicht erlangen! "so ruft der Prophet Jeremias wiederholt den Menschen zu. (23, 20. 30, 23.) Aber nicht dieser allein will den Blick des Menschen von den Vorgängen des Tages ab- und in das Weite lenken, zurück in' die Vergangenheit und vorwärts in die Zukunft, sondern die' h. Seher und Sänger schärfen häufig eindie Ereignisse des-Augenblicks nicht als entscheidend im Werke, der Vorsehung und der Vergeltung anzusehen, sondern erst nach längerer Zeit, nachdem die Dinge sich zu einem gewissen Resultate entwickelt und abgeschlossen haben) zurückzuschaüen über den -ganzen- Verlauf/ wo sich dann die- Wahrheit offenbar gemacht habenwird. Die Psalmisten wie auch Koheleth (8, 11—13), warnen davor-, weil die Strafe nicht, alsbald, auf die Handlung folgt, weil Uebelthäter und Frevler im Glücke - zu sein- und - die Gerechten in ihrer Schwäche erdrücken.zu können scheinen, zu verzagen oder gar an der Gerechtigkeit. Gotteszu. zweifeln; sie rufen auf, auszuharren - und abznwärten: -in. dev Folge der Tage wird das Unrecht geahndet und der Wahrheit und dem Rechte der Sieg verliehen. Ueberhaupt wäre es ein Jrrthum, wenn man jene Ansicht, die im Koheleth als die zu bekämpfende Meinung der Zweiflerso chärakteristischdar-. gestellt wird, daß das Thun des Menschen werthlos sei, weil ja doch , immer nur dasselbe geschehe, und' das gleiche Loos der Vernichtung alles Irdische treffe, für die eigentlichbiblische Anschauung zu halten. In unsrer h. Schrift beruht Alles auf der geschichtlichen Entwickelung. Die Geschichte der. Entwickelung des Menschengeschlechtes bis zu Abraham ist der Inhalt der ersten 1 l Kapitel; es folgt die Geschichte des. jüdischen Stammes, wie dieser von' seinem Urahn an sich zum Volke entwickelte; die ganze Offenbarung, Lehre und Gesetz, ist . in die Form einer Geschichtserzählung gebracht. Es folgen die Bücher, welche uns die Geschichte Israels bis zum babylonischen . Exil berichten; die Propheten erscheinen mit allem ihrem nationalen und allgemeinen Inhalt dennoch nur als geschichtliche Personen, auf dem Boden geschichtlicher - Verhältnisse, eingreifend in das innere und äußere Geschick des Volkes. Ob die Kritik den Ueberschriften der Psalmen Annahme oder Abweisung zuspricht> diese alttradirten Ueberschriften geben jedenfalls Zeugniß, daß man für diemeisten Psalmen. ein geschichtliches Motiv aufsuchte. Und so stehen höchstens Hiob, Koheleth, das Hohelied abseits vom geschichtlichen Boden, während die übrigen Hagiographen geradezu wieder geschichtlichen Inhalts" sind'. - Eine' solche markante geschichtliche'Richtung der ganzen Literatur bezeugt' unwiderleglich den geschichtlichen Sinn der Nation/ also die Uebevzeugung, daß in der Aufeinanderfolge der Geschlechter und' Ereignisse eine innere und äußere Entwickelung vor sich gehe", - ' ’ : - ’ 'S .