Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1882)
- Date
- 1882-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. .t Deulfchl. . „ . Nr. 92) und Oesterreich bei allen Post- Ämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten , wende man sich an Dr. fl. Philippfon in ( Bon» direct, in allen übrigen an die i Verlagshandlnng. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzilfenderr. 46. Jahrgang. Leipzig, den 3. Januar 1882. M. 1. Inhal t, Leitende Artikel: Zum Schluß des endenden und zum Beginn des neuen Jahrgangs. II. — Me Mahnung. — Literarischer. Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Pr.-Stargard, Hanau. — Oesterreich-Ungarn: Pest. — Frankreich: Paris. — Rußland: Bonn, Odessa. — Türkei: Konstantinopel. Amerika: New-York. — Bonn: Notizen. — Feuklleton: Ein Blick auf die spanisch-arabisch-jüdische Periode. - Ein Justizmord im Jahre 1754.? Jüeil'ciidc €XztificC. Bonn den 28. Dezember. Znm Schlnß des endenden «yd )UM Leginn des neuen Jahrgangs. II. „Ein Geschlecht geht und ein Geschlecht kommt, aber die Erde besieht ewig". (Koh. 1, 4.) Setzen wir an die Stelle der „Erde" die Menschheit, die ja nicht blos in den gegenwärtig lebenden Menschen, sondern auch in den aufeinanderfolgenden, kommenden und gehenden Geschlechtern besteht, so lange sie kommen und gehen. Diejenigen, Welche für die -Erde wie für die Menschheit sich an dem „ewig" stoßen, erinnern wir, daß das hebräische keine absolute Ewigkeit bedeutet, sondern nur eine lange unbestimmte Dauer und Stetigkeit, so daß' 2^pr> bisweilen sogar von einer-ganz bestimmten Zeit an und 2^ bis zu irgend welcher Zeit zu verstehen ist; auch liegt in dem Worte nach seiner Wurzel der Sinn von „Verborgenem. Verhülltem, Dunklem" angedeutet. - Aber darin liegt das Wesentliche für die Menschheit, daß das gehende Geschlecht dem kommenden den ganzen Schatz sowohl des ihm selbst Ueberlieferten als des. von ihm Erarbeiteten, Weitergebildeten übergiebt, und hierin ist die Nothwendigkeit .der Entwickelung, das Gesetz der Fortbildung enthalten. Nun, die Geschlechter, die ich gehen und kommen gesehen, haben tüchtig gearbeitet, und werden in der Geschichte der Menschheit einen hervorragenden Platz einehmen. Dies ist meine feste Ueberzeugung, auch wenn die Leistungen in vielen Punkten noch schwankend sind und die Erfolge noch vielfach ausdauerndem - Kampfe unterliegen, ja , wenn wir nicht selten wieder in Frage gestellt sehen, was schon als aus-mnd abgemacht erschien. Solche retrograde Bewegungen deuten dem unparteiischen Beobachter nur an, daß das Erreichte noch Lücken und Mängel hat, die der Gegner geltend machen konnte, daß also noch weiter gearbeitet und'vollendet werden müsse, was wir sonst wohl sich selbst überlassen hätten. — Ich zeigte in dem vorangegangenen Artikel, welche große, allgemeine Momente die civilisirten Völkerzu' tiefgehender Amwandelung der staatlichen Gesellschaft in der Zeit, die an mir vorübergegangen, bewegt haben, welche Probleme gelöst wurden und welche aus diesen wieder hervorgingen und die Gegenwart und Zukunft erfüllen. Sehen wir aber mit prüfendem Blicke in die geschilderten, mannigfaltigen Erscheinungenhinein,-so erkennen wir, daß in ihnen allen,ein einziges tieferes Eausal-" Moment liegt, das ist: die Entwickelung, und Herrschaft des Rechtsbegriffes und der aus,diesen resnltirenden Re chtsinstitutionen. Im Constitutionalismüs, ParlamentLrismus, Nationalitätsprinzip und in der sozialen Frage ist immer unreine Frage enthalten: was ist das Recht, und - was ist erforderlich, um es zu verwirklichen, zur Geltung, znt Herrschaft zu bringen? Selbstverständlich gehen die Antworten auf diese Frage sehr auseinander und zwar in den aufeinanderfolgenden Geschlechtern ebenso, wie in einer und derselben Zeit. Aber die Hauptsache ist, daß eben die Frage