Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1879)
- Date
- 1879-12-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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emerne Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Jntcreffe. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi» 2'/, Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. ,'i"- die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet.! In redaktionellen Anaeleaendeitea i :rende man sich an Nr. f. Poilippso« in! Bonn; hinsichtlich der Inserate ,n Zt.; MosseinvcivzigunvdessenFiliale« in Verl in. VrrSla u :c. Inskratr, irel.be bi» voanrritag cingehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, den 9. Dcccmber 1879. Jis 50. Inbnlt. Leitende Artikel: Antwort an Professor vr. v. Treitschke. — Einige Gedanken bei der gegenwärtigen Situation. Hl. — Ernst Renan's neueste Schrift. IV. — Zeitungsnachrichten: Deutschland- Berlin, Leipzig. Loslau, Osnabrück. Hamburg. —Frankreich: Paris. — Holland: Amersfoert. — Numänien: Bukarest. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Aus dem Volksleben mit seinen Licht- und Schattenseiten. X. £a\:cu(^c £X xJtJiel. Bonn, 3. December. Antwort an Professor vr. v. Treitschke. Lx ^kriea 5?emp6r aliquid. novi! Dieses römische Sprüchwort kann mit Fug auf den in Deutschland wieder auferweckten Judenhaß angewendet werden. Kaum ist der Schwall der judenverfolgerischen Schmähschriften etwas stiller geworden, so bringt das Novemberhcft der jetzt allein von Professor v. Treitschke redigirten „Preußische Jahrbücher" einen Artikel „Unsre Aussichten", in welchem der Nedactcur nach vielen anderen äußeren und inneren Momenten auch „Zur deutschen Judenfrage" übergeht, als deren Grundlage ihm „eine Wendung zu religiösem Ernst und kirchlichem Sinne, die sich im Volke vollzogen habe", erscheint. Wir sehen von allen Persönlichkeiten ab, und bemerken nur zur Orientirung, daß Treitschke zur äußersten Rechten der national-liberalen Partei zählt, die längst mehr zu den Eonservativen als zu den Liberalen gehört. Dies macht die Bedeutung seiner Acußerungen aus, erklärt aber zugleich das Schwanken und Schaukeln, in welchem er sich hin und her bewegt, da ihn nach der einen Seite der Rest seines liberalen Bewußtseins, nach der anderen und zwar viel heftiger seine längst bekannte Antipathie gegen die Juden treibt. Seine Methode ist daher, von seinen Anklagen gegen die Juden immer eine Anzahl der letzteren auszunehmen, dann aber die Beschuldigung desto stärker auszudrücken und sie auf die gesummte Judenheit auszudehnen. Dabei wird jeder Unparteiische erkennen, daß Treitschke nichts als Behauptungen ausspricht, für welche er jeden Beweis schuldig bleibt, und in Jrrthümer verfällt, die einem gründlichen Geschichtsforscher nicht passiren würden. Er beginnt mit dem jetzt so offenbar gewordenen 'Ammemnärchen, daß man früher nicht ein Wort gegen die Juden habe veröffentlichen können, was jetzt in das gerade Gegentheil umgeschlagen sei. Was ist denn aber eigentlich geschehen, um dieses Gegentheil hervorzubringen? Thalsächliches doch nicht. Es zeigt sich vielmehr, daß alle jene Anklagen über die Herrschaft der Juden über die Presse eine Lüge waren und sind, daß jene nur in der Phantasie, nicht aber in der Wirklichkeit cxistirt. Und die einfache Erklärung ist, daß eine Anzahl judenfeindlichcr Scribenten aus dem ultramontanen, reactionären und radicalen Lager ein so lautes Geschrei gegen die Juden erhoben, daß alle Judenfeinde jetzt den Muth bekommen haben, mitzuschreien, weil sie die Schwäche des liberalen und toleranten Bewußtseins gegen dieses Gebühren bemerken. Wir haben uns deshalb darauf gefaßt zu machen, daß all' die halbliberalen Organe jetzt in den Weheruf über die Juden einstimmen werden. Muß doch selbst Treitschke zugestehen, daß „des Schmutzes und der Rohheit nur allzuviel in diesem Treiben ist". Doch scheut er nicht, sehr nahe heranzutreten. Ihm scheint nur der „Jnstinct der Waffen eine schwere Gefahr, einen hoch bedenklichen Schaden des neuen deutschen Lebens richtig erkannt zu haben." Ties ist nun nichts als eine jener