Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1879)
- Date
- 1879-11-18
- Page
- Seite 746 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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-46 Maßnahme eingehen, Italien und Spanien werden, das erstere vielleicht ungern, weil es noch nach dem Trentin und Triest schielt, nicht minder zustimmen, und dem Willen von Europa vermag sich auch Rußland nicht zu widersetzen. Natürlich bestehen für England und Rußland wegen ihrer außereuropäischen Besitzungen und Pläne noch Ausnahmeverhältniffe, die zu berücksichtigen sind. Aber jedenfalls sieht man doch, daß einem solchen Abrüstungsgedanken jetzt auch ein wirklicher Boden nicht fehlt, den die Natur der politisch-geographischen Verhältnisie geschaffen hat. Heber den unendlichen Segen, den ein derartiger Schritt, welcher der wahren Civilisation allein würdig ist, über die Völker bringen würde, braucht man kein Wort zu verlieren. Am meisten würden die Staatslenker selbst gewinnen, denen der größte Theil ihres Kopfzerbrechens erspart würde. Großbritannien. London, 5. November. (Privatmitth.) Der Chief-Nabbi Dr. Nathan Adler, der seit 35 Jahren sein bedeutendes und schwieriges Amt mit großer Anerkennung seitens seiner Gemeinden versieht, hat in einem Schreiben dem Executiv-Eomite! angezeigt, daß sein Gesundheitszustand, der ihn zwingt, während j der rauhen Jahreszeit sich fern von London aufzuhalten, ihm! unmöglich mache, alle Functionen seines Amtes auszuüben.! Während er alle schriftlichen Arbeiten, namentlich Entscheidungen i in religiösen Fragen, nach wie vor zu verrichten vermöge^ könne er diejenigen Geschäfte, die eine persönliche Anstrengung j beanspruchen, wie Predigten, Trauungen u. s. w. nicht mehr! übernehmen. Das Executive-Comite hat dem Gemeinde-Vor-! stände vorgeschlagen, den Sohn des Chief-Nabbi 1)r. Hermann' Adler zum Adjunkten seines Vaters zu wählen. Es ist nicht zweifelhaft, daß diese Wahl stattfinden werde, da sich Dr. Hermann Adler auch durch einige, wenn auch nicht umfassende Aufsätze bewährt hat. Uebrigens ist ein Comito der „Vereinigten Synagogen" eifrig mit einer Prüfung es Synagogen-Rituals beschäftigt. Man kann hierbei jedoch von keiner Reform sprechen, da man ängstlich auf dem conservativen Boden sich hält. Numänien. Bukarest, 3. November. (Privatmitth) Es wird aus Washington berichtet, daß die nordamerikanische Negierung nunmehr die Unabhängigkeit Rumäniens anerkennen wolle, und ihrem Gesandten in Wien, Casson, den Auftrag ertheilt habe, nach Bukarest zu gehen und die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten förmlich herzustellen. — Von weiteren Naturalisationsgesuchen seitens der Juden oder Naturalisationsbewilligungen seitens der Kammern, von denen man Anfangs, auch Boerescu in seinem Rundschreiben, so viele Phrasen machte, um Europa zu täuschen, ist jetzt Alles still. Aber als eben so trügerisch, hat es sich erwiesen, daß mit der Votirung des Judengesetzes die Ruhe in Numänien eintreten würde. Vielmehr hat die Opposition in den Com- , promiß nur eingewilligt, um das Odium, mit Europa einen! Conflict herbeigeführt zu haben, nicht zu übernehmen. Die Anfeindungen gegen die Regierung werden mit aller Kraft weiter geführt, so daß Johann Bratiano sich bemüßigt sah, um seine Demission einzukommen, die ihm aber noch nicht bewilligt worden. Es wäre doch für die „N. fr. Pr." ein eigenes Schauspiel, den Minister schon jetzt fallen zu sehen, für dessen Erhaltung sie die Forderung des Rechts und des Berliner Vertrags und die rechtliche Stellung einer Viertel Million Menschen aufgeopfert wissen wollte. Rußland. Moskau. 2. November. (Privatmitth.) Die jetzt in Deutschland vorhandene Strömung gegen die Juden schlägt ihre Wellen auch nach Rußland hinüber, wo sie an und für sich doch schon stark genug ist. Bekanntlich liegen sich jetzt die russische und die deutsche Presse in den Haaren, aber in der Feindschaft gegen die Juden, in der ungerechten Behandlung derselben reichen sie sich brüderlich die Hand. So übersetzt der „Golos" die Statuten der „antisemitischen Liga" und, obschon er sicherlich von der Don-Ouixotterie und Lächerlichkeit derselben überzeugt ist, wünscht er dieses liebenswürdige Unternehmen auch auf russischen Boden verpflanzt. Doch wird es wohl bei diesen: Wunsche bleiben, denn die in Berlin schon zu Tage gekommene Fehlgeburt, zu welcher sich durchaus kein Vater bekennen will, würde, nach Rußland verpflanzt, dasselbe Schicksal erfahren. — Neuerdings geht das Gerücht, daß man das alte Verbot, nach welchem in den Ländern der Don'schen Kosaken Juden sich nicht aufhalten dürfen, wieder erneuert werden solle. Bonn, 9. November. (Notizen.) Man schreibt uns aus Colborg: Am 15. und 16. v. M. fand Hierselbst im Nathhause vor Notar und Zeugen die Ziehung der Lotterie zum Besten des jüdischen Curhospitals planmäßig statt. Der erste Hauptgewinn im Werthe von 3000 Mark fiel auf Nr. 233S, im Besitze der Herren Gebr. Wolff in Bernburg; der zweite Hauptgewinn fiel auf Nr. 12,923, im Besitze der Anstalt. Die Herren Gebr. Wolff haben nunmehr, wie sie sich selber ausdrücken, als „Zehnten" der Anstalt ein Geschenk von 300 Mark überwiesen — eine menschenfreundliche Zartsinnigkeit, welche der Oeffcntlichkeit nicht vorenthalten zu. werden verdient. — In keiner Zeit haben wohl so viele verschiedenartige Verhältnisse und so viele eigenthümliche Frager sich.eingestellt, wie jetzt auf dem religiösen Gebiete. So be« richtet man aus Wien: Eine Frage von nicht blos juristischem,