Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1879)
- Date
- 1879-11-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gilt MMtciischcs Orgnu für alles jüdische Interesse. ewenre Diese H.rilung erscheint wLchenUich cininat in 2 di- 2'/, Boqcn. Prci» Bierlcljühii-inMarr. Inserate werden mit 2«> Ps. für die Pclilzeilc vdcr deren l riraunt bcrcchncr. '.'Ille Postämter und Buchl-anblungcn nehme» Bestellungen an. Hcransgcgeben von Rabbiner Dr. Qldwig Philippson tit Bonn. Verlag von BlUttllgärtlier's Buchhandlung in Leipzig. I» rcdaclioneNen Angelegenheiten wende man sich an I>7. t.'. Philipps«,» in Bonn; hinsichltich der Inserate an Hl. Ztlasse in veivzia «uv dessen Filiale« in Berlin. BrcSlan re. Iiiserale, it-ct*tic bis vonnerrtag eingehen, ftndcn in der darausiolgcndc» Nummer Berücksichtigung. Beilagen werde»! m i t 12 Mark berechnet. 43. Jahrgang. Leipzig, den 4. November 1879. J(i 45. .Ansinlt. Leitende Artikel: Der Fortbestand des Jndenthn,ns. IV. — Die Religion der Juden von Ernst Renan. — Der Kainvf in Rumänien. XVI. -- Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Haigerloch, Bonder Elbe, Ans den» Regierungsbezirk Düsseldorf. Hannover. — Oesterreich Ungarn: Brody, Auö Ungarn. — Frankreich: Paris. — Schiveiz: Basel. -- Bonn: Rotizen. — fteuilleton. Bermischtcs: Laube über Ricsser. ^'ileit(fX vi tis c’£. V o n n, 29. Oktober. Der Flirtbestand des Indenthmns. Au einen.TvrcititD in ft. IV. Wenn also die monotheistische Gottes lehre, weil sie allein der Natur und dem Lebensbedürfnis; der ganzen Menschenseele entspricht, unvergänglich mit dem Menschengeschlechte selbst sein wird, sein muß, so gilt dies nicht tveniger von dem aus ihr als nothwendige Eonseguenz fließenden Sittengesetz. Es ist das Gesetz des Rechts und der Liebe, die beide in der höheren Ausfassung identisch sind. Dieses Sittengesetz ist das einzige, welches sotvohl der ganzen menschlichen Gesellschaft als dem Leben des Einzelnen ein sicheres Fundament bietet und gicbt. Es hat aber selbst seine Begründung allein in der monotheistischen Gotteslehre, diese allein ist ihre Quelle, in ihr lvurzelt und lebt sie. Darum läßt die heilige Schrift Gott alle Menschen aus einem Menschenpaarc trotz der Verschiedenheiten der Macot und Nationen erschaffen, d. h. Gott schuf sie als Br üder mit derselben lvesentlichen Meuschennatur, mit der Einheit trotz unbeschränkter Mannigfaltigkeit. Darum läßt sie allen übrigen E rdenlvesen gegenüber Gott den Menschen die Seele als einen unmittelbaren göttlichen Hauch einschasfen, diese Seele im Ebenbilde, in der Aehnlichkeit Gottes lverden und durch Gott selbst die Erkenutniß des Guten und des Bösen in ihr wecken; darum sormulirt sie die höchsten Grundsätze: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: Ich bin der Einige" (.’> Mos. 11), IS) und „das Recht ist Gottes" und „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit folge nach, damit du lebest" (f> Mos. 1, 17; 16, 20). Ohne Gott kein stecht und keine Liebe. — Ich brauche Ihnen, ivcrther Freund, nicht erst ausführlich nachzuweisen, welche Anstrengungen die Denker der alten und der neuen Zeit gemacht haben, um, abgesehen vom Gottesbegrisf, ein selbständiges Sittengesetz aufzustellen. Es ist .deinem gelungen. Entweder sie täuschen sich selbst, indem sie schließlich dennoch das Fundament und den Eharakter ihres Sittcngcsetzes der monotheistische» Gotteslehre entlehnen, was um so leichter bei denen vor sich ging, die in diesen Sittenlehrcn erzogen worden, welche ihnen aus der ganzen Literatur cutgegcnströmtcn; oder ihr Versuch endet in Sophismen, die von der nächsten Zeit wieder beseitigt werden. Keiner dieser außerhalb der Gotteslehre gestellten ethischen Grundsätze hat eine Einwirkung auf die Gesellschaft, ja nur auf ein Volt erlangt, keiner einen dauernden Einfluß ausgeübt. Erinnern wir uns z. V. der Stoa, welche eine Zeitlang die Gebildeten der röuuschen Welt beherrschte; sie verhinderte den schnellen Verfall der Sitten nicht und verschwand bald wieder zu Schwäche und Ohnrnacht, während die Ethik der monotheistischen Gotteslchre sich die Welt eroberte und die Völker durchdrang. Diejenigen Systeme der Ethik, welche die Gesellschaft zu ihrem Ausgangspunkte nehmen, und die Pflichten aus den gesellschaftlichen Zwecken herleiten, setzen eben diese